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Sonntag, August 01, 2010
Wer bitte braucht denn ein Townhouse?
Eine Informationsausstellung zum Thema Townhouses in Berlin mit Fotos von Nine Budde läuft seit 17. Juli in der Galerie Kai Hoelzner, Adalbertstr. 96. Einen Katalog gibt es auch für fünf Euro. Ich werde sie mir in den nächsten Tagen mal ansehen. Bis 21. August hat man noch Gelegenheit dazu. Letztes Jahr habe ich zu diesem Thema ein Liedchen aufgenommen. Download hier.
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Freitag, Mai 30, 2008
Auf in die Winsgärten: Townhäuser für alle
Stadthäuser mit weißer Fassade und französischen Fenstern, von kleinen Gärten umgeben: Winsgärten heißt das neue Wohnviertel an der Greifswalder Straße 200 in Prenzlauer Berg, das in den kommenden Monaten gebaut wird. Die Pläne von Architekt Stephan Höhne zeigen Ähnlichkeit mit den Prenzlauer Gärten gegenüber dem Volkspark Friedrichshain. "Es ist eine zeitlose Architektur", sagt Höhne. Orientiert haben will er sich an Straßenzügen in den Londoner Vierteln Notting Hill und Kensington.
"Die sind wie aus einem Guss gemacht, das hat mich begeistert." Zurückhaltend, elegant, unaufgeregt. Allerdings: Die Winsgärten werden einen Hauch exklusiver sein als die Prenzlauer Gärten. Alle Wohnungen haben eine Raumhöhe von drei Metern, Doppel-Flügeltüren und sind mit einem Kaminanschluss ausgestattet. Lag der Durchschnittspreis für die Quartiere der Prenzlauer Gärten bei etwa 2500 Euro je Quadratmeter, so erreicht er in den Winsgärten 2900 Euro. 90 Quadratmeter ist die kleinste Wohnung, 240 Quadratmeter das größte Penthaus. Die acht Stadthäuser des Quartiers sind je 185 Quadratmeter groß. Etwa 20 Millionen investieren die FOM Real Estate GmbH aus Heidelberg und die Cometo Capital Partners GmbH in das Vorhaben. Das Grundstück ist 4000 Quadratmeter groß. Der Bauantrag sei gestellt, sagt Projektsprecher Willo Göpel. Baubeginn soll 2008, Fertigstellung Ende 2009 sein. Die Winsgärten bekommen eine Tiefgarage mit 60 Plätzen. Die Dächer sind begrünt und mit einer Solaranlage ausgestattet. Ein Garten mit Hortensien und Päonien, ein weiterer mit Lavendel und ein Rosengarten werden angelegt. Vor den Neubauten steht unmittelbar an der Greifswalder Straße ein zweistöckiges Haus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das saniert wird.
Die Artprojekt GmbH, die bereits die Prenzlauer Gärten vermarktet hat, betreut auch die Winsgärten. Zielgruppe seien Familien mit Kindern, kulturell Interessierte und die sogenannten "neuen Nomaden", die in verschiedenen Städten arbeiten und am jeweiligen Standort auch eine Wohnung suchen. Käufer von Wohnungen der Prenzlauer Gärten hätten vor allem zwei Beweggründe genannt: Die Nähe zum Stadtzentrum und der eigene, kleine Garten.
Informationen gibt es unter Tel. 200 09 02 25.,
"Die sind wie aus einem Guss gemacht, das hat mich begeistert." Zurückhaltend, elegant, unaufgeregt. Allerdings: Die Winsgärten werden einen Hauch exklusiver sein als die Prenzlauer Gärten. Alle Wohnungen haben eine Raumhöhe von drei Metern, Doppel-Flügeltüren und sind mit einem Kaminanschluss ausgestattet. Lag der Durchschnittspreis für die Quartiere der Prenzlauer Gärten bei etwa 2500 Euro je Quadratmeter, so erreicht er in den Winsgärten 2900 Euro. 90 Quadratmeter ist die kleinste Wohnung, 240 Quadratmeter das größte Penthaus. Die acht Stadthäuser des Quartiers sind je 185 Quadratmeter groß. Etwa 20 Millionen investieren die FOM Real Estate GmbH aus Heidelberg und die Cometo Capital Partners GmbH in das Vorhaben. Das Grundstück ist 4000 Quadratmeter groß. Der Bauantrag sei gestellt, sagt Projektsprecher Willo Göpel. Baubeginn soll 2008, Fertigstellung Ende 2009 sein. Die Winsgärten bekommen eine Tiefgarage mit 60 Plätzen. Die Dächer sind begrünt und mit einer Solaranlage ausgestattet. Ein Garten mit Hortensien und Päonien, ein weiterer mit Lavendel und ein Rosengarten werden angelegt. Vor den Neubauten steht unmittelbar an der Greifswalder Straße ein zweistöckiges Haus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das saniert wird.
Die Artprojekt GmbH, die bereits die Prenzlauer Gärten vermarktet hat, betreut auch die Winsgärten. Zielgruppe seien Familien mit Kindern, kulturell Interessierte und die sogenannten "neuen Nomaden", die in verschiedenen Städten arbeiten und am jeweiligen Standort auch eine Wohnung suchen. Käufer von Wohnungen der Prenzlauer Gärten hätten vor allem zwei Beweggründe genannt: Die Nähe zum Stadtzentrum und der eigene, kleine Garten.
Informationen gibt es unter Tel. 200 09 02 25.,
Sonntag, Mai 25, 2008
Reiche ziehen in Marthashof, Schwedter Straße
Immer mehr Topverdiener möchten mitten in der City wohnen, aber auf Ruhe und viel Grün nicht verzichten - für diese reiche Klientel entsteht in "Marthashof" in Prenzlauer Berg.
Der bayerische Immobilienentwickler Ludwig Maximilian Stoffel und seine Ehefrau, die italienische Modedesignerin Giovanna Stefanel, haben nicht nur ihren Hauptwohnsitz nach Berlin verlegt, sondern machen sich nun auch daran, der deutschen Hauptstadt vielerorts ein neues, „italienisches“ Gesicht zu geben. In den kommenden Jahren wollen die beiden rund 300 Millionen Euro in der deutschen Hauptstadt investieren – allesamt in Luxus-Wohnprojekte.
Das prominente Unternehmerpaar hat für seine Bauvorhaben – aktuell vier an der Zahl – Anfang des Jahres die Firma Stofanel Investment AG gegründet. Stofanel reiht sich ein in die beachtliche Anzahl nationaler und internationaler Investoren, die derzeit in begehrten Stadtlagen Residenzen für eine zahlungskräftige Klientel errichten. Nach jahrelanger Bauflaute ist Berlin auch aufgrund dieser Entwicklung wieder die Hauptstadt der Projektentwickler.
Gleich vier Bauvorhaben plant das Paar, das seit einiger Zeit in einem exklusiven Penthouse nahe am Pariser Platz residiert, in seiner Wahlheimat Berlin. „Wir glauben an diese Stadt und lieben das Leben hier“, sagt die Italienerin, die jahrelang als Kreativdirektorin in der Modekette ihres Vaters tätig war und heute noch Mitglied des Aufsichtsrats ist.
Zu den Projekten gehört „Marthashof“ in Prenzlauer Berg. Es ist bereits am weitesten fortgeschritten, schon in diesem Sommer soll der offizielle Baustart erfolgen. Geplant ist ein sogenanntes Urban Village, ein Dorf mitten in der Stadt auf einem Areal an der Schwedter Straße 37–40. Rund um einen gemeinsamen, 3000 Quadratmeter großen Gartenhof entstehen nach den Plänen der Berliner Architekten Armand Grüntuch und Almut Ernst 133 Wohneinheiten, die sich durch variable Grundrisse mal als Gartenhaus, Penthouse oder Townhouse präsentieren. Quadratmeterpreis: ab 3000 Euro aufwärts. Der gebürtige Straubinger Stoffel und die Mode-Fürstin aus Treviso investieren 65 Millionen Euro in die Bauten auf dem 12.000 Quadratmeter großen Grundstück. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2010 geplant.
„Jahrelang habe ich Kleider für den Körper entworfen, jetzt möchte ich auch das Umfeld einkleiden“, nennt die Mode-Designerin Giovanna Stefanel ihre Motivation, mit 53 Jahren noch einmal neue Wege zu beschreiten. Sie sei gespannt auf die Reaktionen der Besucher in dem eigens gebauten Showroom an der Schwedter Straße, der am 31. Mai eröffnet werden soll.
Zu den weiteren Projekten des Paares gehört die Bebauung der Truman Plaza in Zehlendorf. Die beiden haben ein 50.000 Quadratmeter großes Areal an der Clayallee gekauft und wollen dort ab 2009 etwa 200 Wohneinheiten erstellen.
Die Stofanel-Wohnprojekte richten sich an eine ganz ähnliche Zielgruppe, die auch Orco Germany mit ihrem Bauvorhaben „Fehrbelliner“ ausgemacht hat: junge Topverdiener, die das Leben in der Innenstadt schätzen, aber auf eine ruhige Wohnlage im Grünen nicht verzichten wollen. Die 154 Penthouses, Lofts und Wohnungen, die in den Backsteingebäuden einer ehemaligen Fabrik an der Fehrbelliner Straße in Mitte gebaut werden, sind ab 3800 Euro pro Quadratmeter zu haben. Auch die Viacon AG aus Köln richtet im denkmalgeschützten Gebäudekomplex Am Karlsbad derzeit 108 Luxuswohnungen ein, die Mitte des Jahres bezugsfertig sind.
Der bayerische Immobilienentwickler Ludwig Maximilian Stoffel und seine Ehefrau, die italienische Modedesignerin Giovanna Stefanel, haben nicht nur ihren Hauptwohnsitz nach Berlin verlegt, sondern machen sich nun auch daran, der deutschen Hauptstadt vielerorts ein neues, „italienisches“ Gesicht zu geben. In den kommenden Jahren wollen die beiden rund 300 Millionen Euro in der deutschen Hauptstadt investieren – allesamt in Luxus-Wohnprojekte.
Das prominente Unternehmerpaar hat für seine Bauvorhaben – aktuell vier an der Zahl – Anfang des Jahres die Firma Stofanel Investment AG gegründet. Stofanel reiht sich ein in die beachtliche Anzahl nationaler und internationaler Investoren, die derzeit in begehrten Stadtlagen Residenzen für eine zahlungskräftige Klientel errichten. Nach jahrelanger Bauflaute ist Berlin auch aufgrund dieser Entwicklung wieder die Hauptstadt der Projektentwickler.
Gleich vier Bauvorhaben plant das Paar, das seit einiger Zeit in einem exklusiven Penthouse nahe am Pariser Platz residiert, in seiner Wahlheimat Berlin. „Wir glauben an diese Stadt und lieben das Leben hier“, sagt die Italienerin, die jahrelang als Kreativdirektorin in der Modekette ihres Vaters tätig war und heute noch Mitglied des Aufsichtsrats ist.
Zu den Projekten gehört „Marthashof“ in Prenzlauer Berg. Es ist bereits am weitesten fortgeschritten, schon in diesem Sommer soll der offizielle Baustart erfolgen. Geplant ist ein sogenanntes Urban Village, ein Dorf mitten in der Stadt auf einem Areal an der Schwedter Straße 37–40. Rund um einen gemeinsamen, 3000 Quadratmeter großen Gartenhof entstehen nach den Plänen der Berliner Architekten Armand Grüntuch und Almut Ernst 133 Wohneinheiten, die sich durch variable Grundrisse mal als Gartenhaus, Penthouse oder Townhouse präsentieren. Quadratmeterpreis: ab 3000 Euro aufwärts. Der gebürtige Straubinger Stoffel und die Mode-Fürstin aus Treviso investieren 65 Millionen Euro in die Bauten auf dem 12.000 Quadratmeter großen Grundstück. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2010 geplant.
„Jahrelang habe ich Kleider für den Körper entworfen, jetzt möchte ich auch das Umfeld einkleiden“, nennt die Mode-Designerin Giovanna Stefanel ihre Motivation, mit 53 Jahren noch einmal neue Wege zu beschreiten. Sie sei gespannt auf die Reaktionen der Besucher in dem eigens gebauten Showroom an der Schwedter Straße, der am 31. Mai eröffnet werden soll.
Zu den weiteren Projekten des Paares gehört die Bebauung der Truman Plaza in Zehlendorf. Die beiden haben ein 50.000 Quadratmeter großes Areal an der Clayallee gekauft und wollen dort ab 2009 etwa 200 Wohneinheiten erstellen.
Die Stofanel-Wohnprojekte richten sich an eine ganz ähnliche Zielgruppe, die auch Orco Germany mit ihrem Bauvorhaben „Fehrbelliner“ ausgemacht hat: junge Topverdiener, die das Leben in der Innenstadt schätzen, aber auf eine ruhige Wohnlage im Grünen nicht verzichten wollen. Die 154 Penthouses, Lofts und Wohnungen, die in den Backsteingebäuden einer ehemaligen Fabrik an der Fehrbelliner Straße in Mitte gebaut werden, sind ab 3800 Euro pro Quadratmeter zu haben. Auch die Viacon AG aus Köln richtet im denkmalgeschützten Gebäudekomplex Am Karlsbad derzeit 108 Luxuswohnungen ein, die Mitte des Jahres bezugsfertig sind.
Montag, August 20, 2007
Kolle Bolle, gelbe Ungeheuer und Townhäuser
Die letzten Bauflächen in den sogenannten In-Vierteln verschwinden: Der Bauboom in Prenzlauer Berg lässt teure Eigentumswohnungen auf einstigen Brachen entstehen. Die Nachfrage ist riesengroß.
Rainer Bahr hat damit gerechnet, dass die freche Berliner Schnauze die französische Aussprache nicht widerstandslos hinnimmt. „Ur-Berliner“, die an der Kollwitzstraße vorbeikommen und den Namen auf dem Bauzaun lesen, sagen Kolle Belle, mit „e“ wie Bolle. Oder Kolle wie Kollwitzplatz. Wichtiger als die richtige Aussprache ist dem Geschäftsführer der Bauherrin Econ-Cept, dass dieser Tage damit begonnen wird, eine der letzten großen Lücken im Häusermeer von Prenzlauer Berg zu schließen – und dass von 77 Wohnungen, von denen bislang noch kein einziger Stein gebaut ist, nur zwei noch nicht verkauft sind. Der Stadtteil ist gefragt, und die Baulücken in den Straßen werden immer weniger.
Das Palais Kolle Belle ist derzeit das eindrucksvollste Beispiel, wie große Brachen verschwinden. Wo jahrzehntelang Pfade durch Wildwuchs führten, Anwohner ihre Hunde ausführten und so mancher Obdachlose die Nacht verbrachte, soll jetzt „einer der schönsten Plätze Berlins“ entstehen. Mit Pariser Flair, Stuckfassaden, hohen Räumen, 60 bis 225 Quadratmeter groß. Vier Zimmer ab 309 000 Euro, steht auf dem Bauschild, die Vermarktung begann im letzten Februar, Ende nächsten Jahres sollen alle exklusiven Eigentumswohnungen fertig sein. Für Marc Kocher, der die Häuser entwarf, ist Berlin die einzige Stadt, in der er Paris nicht vermisst. Doch ein Stück Paris will er hier schaffen.
Gerade hier – in Sichtweite des Senefelderplatzes – ein anspruchsvolles Wohnprojekt: Das wäre vor zwei, drei Jahren noch schwer vorstellbar gewesen. Der Platz aber hat sich in den letzten Wochen, in denen viele Gerüste gefallen sind, am augenfälligsten verändert. Hier wurde die große Freifläche zwischen Schönhauser Allee und Kollwitzstraße mit dem Wohn- und Geschäftshaus Kollwitzspitze bebaut. Ein Biomarkt, der sich als Europas größter bezeichnet, bringt Leben an den Platz, ein Hostel, das schon mit dem Plakat „Miteinander schlafen“ wirbt, wird bald eröffnet, Cafés stellen Tische und Stühle heraus, auch die Kollwitzstraße hat eine Fassung erhalten, die gelbe Fassade wirkt fast mediterran, einige Bewohner stellen sich Palmen auf die Balkons. Stadtentwicklungsstadtrat Michail Nelken (Linke) hätte sich indes an dieser exponierten Stelle eine „architektonisch bessere Lösung“ vorstellen können, der Neubau sei ein „gelbes Ungeheuer“. Genehmigt hat’s sein Vorgänger.
Bis auf das (modernisierte) Café Achteck, das grüne Pissoir, erinnert nichts mehr an den alten Senefelderplatz, mit der verwilderten Brachfläche vor dunklen Brandmauern, die nach der Wende mit Hausbesetzerparolen beschmiert waren. Nun sind sie hinter hochgezogenen Neubaufassaden verschwunden. In Sichtweite wird gerade eine weitere Baulücke an der Kollwitzstraße 22 geschlossen, hier entstehen „familienfreundliche Wohnhäuser“, sieben Stockwerke hoch.
Am Kollwitzplatz wird für das Projekt „Puccini Hofgärten“ geworben, das gar nicht dort gebaut wird, sondern in Weißensee. Aber der Hinweis, dass es von dort nur zwei Kilometer zum Kollwitzplatz sind, soll helfen, die 80 Wohnungen, für die gerade Baubeginn war, zu vermarkten. Und noch eine Entfernungsangabe soll den Verkauf ankurbeln: „Nur hundert Meter von Prenzlauer Berg.“
Mitten im Kiez liegt die Marienburger Straße mit einer großen Grünfläche. Vor eine fast 70 Meter lange Brandwand hat die Baugemeinschaft um das Architektenbüro Arnold und Gladisch einen Neubau mit 23 Eigentumswohnungen gesetzt. Noch wird gebaut. „Wohnen an der Marie“ heißt das Projekt. Die meisten, die hier einziehen, kommen aus der Gegend, der Bau war preisgünstig, Familien ließen sich schnell als Bauherren finden. „Alle Wohnungen sind vergeben“, steht auf dem Bauschild. Ein ähnliches Projekt wollen die Initiatoren jetzt an der Scharnweberstraße in Friedrichshain starten. „Prenzlauer Berg ist aber abgegrast“, sagt Anja Hoffmann vom Architektenbüro.
An der Lychener Straße 43 gibt es ein besonders auffälliges Beispiel einer kleinen Lückenschließung. Wo einst ein Pferdestall stand, haben die Architekten Walter Nägeli und Sascha Zander ein Haus mit Büro und 13 Wohnungen errichtet. Im Glas spiegeln sich die Gründerzeitbauten des Helmholtzplatzes. Ein paar Meter weiter werden in einer Lücke an der Lychener Straße 13 Eigentumswohnungen errichtet, bis 200 Quadratmeter groß.
Wo in Höhe Am Friedrichshain die Schneider-Brauerei stand, geht der Bau von 60 Townhouses und 49 Eigentumswohnungen in die letzte Runde. Die „Prenzlauer Gärten“ nach britischem Vorbild sind das größte Bauvorhaben in Prenzlauer Berg. Um dort französisches Lebensgefühl zu genießen, haben sich fast nur Neu-Berliner eingekauft, 40 Prozent aus dem europäischen Ausland. Vielleicht bürgert sich „Koll Bell“ noch ein.
Das schreibt Christian van Lessen heute im Tagesspiegel.
Rainer Bahr hat damit gerechnet, dass die freche Berliner Schnauze die französische Aussprache nicht widerstandslos hinnimmt. „Ur-Berliner“, die an der Kollwitzstraße vorbeikommen und den Namen auf dem Bauzaun lesen, sagen Kolle Belle, mit „e“ wie Bolle. Oder Kolle wie Kollwitzplatz. Wichtiger als die richtige Aussprache ist dem Geschäftsführer der Bauherrin Econ-Cept, dass dieser Tage damit begonnen wird, eine der letzten großen Lücken im Häusermeer von Prenzlauer Berg zu schließen – und dass von 77 Wohnungen, von denen bislang noch kein einziger Stein gebaut ist, nur zwei noch nicht verkauft sind. Der Stadtteil ist gefragt, und die Baulücken in den Straßen werden immer weniger.
Das Palais Kolle Belle ist derzeit das eindrucksvollste Beispiel, wie große Brachen verschwinden. Wo jahrzehntelang Pfade durch Wildwuchs führten, Anwohner ihre Hunde ausführten und so mancher Obdachlose die Nacht verbrachte, soll jetzt „einer der schönsten Plätze Berlins“ entstehen. Mit Pariser Flair, Stuckfassaden, hohen Räumen, 60 bis 225 Quadratmeter groß. Vier Zimmer ab 309 000 Euro, steht auf dem Bauschild, die Vermarktung begann im letzten Februar, Ende nächsten Jahres sollen alle exklusiven Eigentumswohnungen fertig sein. Für Marc Kocher, der die Häuser entwarf, ist Berlin die einzige Stadt, in der er Paris nicht vermisst. Doch ein Stück Paris will er hier schaffen.
Gerade hier – in Sichtweite des Senefelderplatzes – ein anspruchsvolles Wohnprojekt: Das wäre vor zwei, drei Jahren noch schwer vorstellbar gewesen. Der Platz aber hat sich in den letzten Wochen, in denen viele Gerüste gefallen sind, am augenfälligsten verändert. Hier wurde die große Freifläche zwischen Schönhauser Allee und Kollwitzstraße mit dem Wohn- und Geschäftshaus Kollwitzspitze bebaut. Ein Biomarkt, der sich als Europas größter bezeichnet, bringt Leben an den Platz, ein Hostel, das schon mit dem Plakat „Miteinander schlafen“ wirbt, wird bald eröffnet, Cafés stellen Tische und Stühle heraus, auch die Kollwitzstraße hat eine Fassung erhalten, die gelbe Fassade wirkt fast mediterran, einige Bewohner stellen sich Palmen auf die Balkons. Stadtentwicklungsstadtrat Michail Nelken (Linke) hätte sich indes an dieser exponierten Stelle eine „architektonisch bessere Lösung“ vorstellen können, der Neubau sei ein „gelbes Ungeheuer“. Genehmigt hat’s sein Vorgänger.
Bis auf das (modernisierte) Café Achteck, das grüne Pissoir, erinnert nichts mehr an den alten Senefelderplatz, mit der verwilderten Brachfläche vor dunklen Brandmauern, die nach der Wende mit Hausbesetzerparolen beschmiert waren. Nun sind sie hinter hochgezogenen Neubaufassaden verschwunden. In Sichtweite wird gerade eine weitere Baulücke an der Kollwitzstraße 22 geschlossen, hier entstehen „familienfreundliche Wohnhäuser“, sieben Stockwerke hoch.
Am Kollwitzplatz wird für das Projekt „Puccini Hofgärten“ geworben, das gar nicht dort gebaut wird, sondern in Weißensee. Aber der Hinweis, dass es von dort nur zwei Kilometer zum Kollwitzplatz sind, soll helfen, die 80 Wohnungen, für die gerade Baubeginn war, zu vermarkten. Und noch eine Entfernungsangabe soll den Verkauf ankurbeln: „Nur hundert Meter von Prenzlauer Berg.“
Mitten im Kiez liegt die Marienburger Straße mit einer großen Grünfläche. Vor eine fast 70 Meter lange Brandwand hat die Baugemeinschaft um das Architektenbüro Arnold und Gladisch einen Neubau mit 23 Eigentumswohnungen gesetzt. Noch wird gebaut. „Wohnen an der Marie“ heißt das Projekt. Die meisten, die hier einziehen, kommen aus der Gegend, der Bau war preisgünstig, Familien ließen sich schnell als Bauherren finden. „Alle Wohnungen sind vergeben“, steht auf dem Bauschild. Ein ähnliches Projekt wollen die Initiatoren jetzt an der Scharnweberstraße in Friedrichshain starten. „Prenzlauer Berg ist aber abgegrast“, sagt Anja Hoffmann vom Architektenbüro.
An der Lychener Straße 43 gibt es ein besonders auffälliges Beispiel einer kleinen Lückenschließung. Wo einst ein Pferdestall stand, haben die Architekten Walter Nägeli und Sascha Zander ein Haus mit Büro und 13 Wohnungen errichtet. Im Glas spiegeln sich die Gründerzeitbauten des Helmholtzplatzes. Ein paar Meter weiter werden in einer Lücke an der Lychener Straße 13 Eigentumswohnungen errichtet, bis 200 Quadratmeter groß.
Wo in Höhe Am Friedrichshain die Schneider-Brauerei stand, geht der Bau von 60 Townhouses und 49 Eigentumswohnungen in die letzte Runde. Die „Prenzlauer Gärten“ nach britischem Vorbild sind das größte Bauvorhaben in Prenzlauer Berg. Um dort französisches Lebensgefühl zu genießen, haben sich fast nur Neu-Berliner eingekauft, 40 Prozent aus dem europäischen Ausland. Vielleicht bürgert sich „Koll Bell“ noch ein.
Das schreibt Christian van Lessen heute im Tagesspiegel.
Montag, Juli 30, 2007
Friedhof mein Friedhof
Also wissen se, nee! Townhäuser auf dem St. Marienkirchhof in der Prenzlauer Allee. Das geht nun wirklich nicht. Verzwickte Lage, ausführlich erläutert in der taz von heute.
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