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Dienstag, Mai 24, 2011
Montag, Januar 03, 2011
Ellenbogen, Ellenboden, sei doch nicht so ungezogen
Der Fahrkartenautomat war heute kaputt. Immer wenn ich auf Einzelfahrschein AB geklickt habe, zeigte das Display 2,30 Euro an. Bei einer Viererkarte stand da was von 8,20 Euro. Mein erster Gedanke: "Kann doch wohl nicht wahr sein!" Da verzichtete ich mal auf den gültigen Fahrausweis. Es geht ja auch ohne. Heute hätten die eh keinen Kontrolleur losgeschickt. Der wäre nicht mehr heil nach Hause gekommen, nachdem der Kurier mit seiner S-Bahn-Traueranzeige auf Seite 1 die Stimmung ordentlich angehozt hat - bei -4 Grad und drei Schneeflöckchen auf den den Gleisen.
Wenn man sich bei der Kälte nach zwanzig Minuten am ehemaligen S-Bahnhof Schönhauser Allee in eine völlig überfüllte S-Bahn quetschen darf, stauen sich schon gelegentlich leicht aggressive Gefühle an. Da schreit der Bauarbeiter schon auch mal eine junge Mutter an, warum sie ihr "Dreckskind mit inne S-Bahn schleifen muss" und entschuldigt sich im gleichen Atemzug. "Tutma Leid, aber mich kotzt dit hier allet maßlos an. Kann Dein Balg janüscht dafür". Ich stehe direkt daneben.
S-Bahnhof Greifswalder Straße: Ich war so clever und stieg kurz mit aus, obwohl ich noch zwei Stationen vor mir hatte, damit die Fahrgäste weiter hinten noch eine Chance haben, den Waggon zu verlassen. Zum Dank rammte mir ein Halbstarker in Holzfällerjacke seinen Ellenbogen mit voller Wucht ins Brustbein. Das war weder dankbar noch nett. Aber beim Box- und Karate-Training habe ich schon härtere Hiebe einstecken müssen. Das hat mich fit gemacht für das Überleben in den Öffentlichen Verkehrsmitteln Berlins.
Das preiswerteste Kampfsport-Training der Stadt gibt es in den Hochschulsportzentren der TU. FU und Humboldt-Universität. Fünf Euro für Studierende, 20 Euro für Mitarbeiter und 60 Euro für Externe pro Semester.
Artikel im Neuen Deutschland zum Thema
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Mittwoch, Juli 07, 2010
Robotron
Wieder etwas unnützes Stadtbezirkswissen: Der DDR-Computer-Hersteller Robotron hatte auch eine Zweigstelle in Berlin Prenzlauer Berg. Sie befand sich im Erdgeschoss der Hufelandstraße 2/ Ecke Greifswalder Straße, gleich neben der Softeisdiele John.
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Mittwoch, Juli 16, 2008
P-Berg Newsticker
+++ Knochenfund auf Baustelle in der Greifswalder Straße, Polizei vermutet wilden Friedhof aus Zweitem Weltkrieg +++ Studie belegt Wegzug junger Familien aus P-Berg +++ Schuluniformen für Turnvater-Jahn-Grundschule, nur Ost-Eltern dagegen +++ Pläne für generationsübergreifenden Spielplatz auf Drachenwiese am Friedrichshain (Werneuchner Wiese) vom Tisch +++ Bürger können sich bis Jahresende zum Kastanienallee-Umbau einbringen, Beteiligungsverfahren beim Tiefbauamt läuft +++ BVV nimmt Immobilien-Investoren für Spielplatzbau in die Pflicht und reagiert damit auf Babyboom +++ Gutachten: Parkplätze in P-Berg zu 100 Prozent ausgelastet, Parkraumbewirtschaftung innerhalb des S-Bahnrings im Gespräch +++ Bisher Platz 5 für Schönhauser Allee als neue Berlin-Hymne auf www.berlin-wunderbar.de +++ Pankower Postleitzahlen-Sampler von Pfefferwerk erschienen +++
Freitag, Mai 30, 2008
Auf in die Winsgärten: Townhäuser für alle
Stadthäuser mit weißer Fassade und französischen Fenstern, von kleinen Gärten umgeben: Winsgärten heißt das neue Wohnviertel an der Greifswalder Straße 200 in Prenzlauer Berg, das in den kommenden Monaten gebaut wird. Die Pläne von Architekt Stephan Höhne zeigen Ähnlichkeit mit den Prenzlauer Gärten gegenüber dem Volkspark Friedrichshain. "Es ist eine zeitlose Architektur", sagt Höhne. Orientiert haben will er sich an Straßenzügen in den Londoner Vierteln Notting Hill und Kensington.
"Die sind wie aus einem Guss gemacht, das hat mich begeistert." Zurückhaltend, elegant, unaufgeregt. Allerdings: Die Winsgärten werden einen Hauch exklusiver sein als die Prenzlauer Gärten. Alle Wohnungen haben eine Raumhöhe von drei Metern, Doppel-Flügeltüren und sind mit einem Kaminanschluss ausgestattet. Lag der Durchschnittspreis für die Quartiere der Prenzlauer Gärten bei etwa 2500 Euro je Quadratmeter, so erreicht er in den Winsgärten 2900 Euro. 90 Quadratmeter ist die kleinste Wohnung, 240 Quadratmeter das größte Penthaus. Die acht Stadthäuser des Quartiers sind je 185 Quadratmeter groß. Etwa 20 Millionen investieren die FOM Real Estate GmbH aus Heidelberg und die Cometo Capital Partners GmbH in das Vorhaben. Das Grundstück ist 4000 Quadratmeter groß. Der Bauantrag sei gestellt, sagt Projektsprecher Willo Göpel. Baubeginn soll 2008, Fertigstellung Ende 2009 sein. Die Winsgärten bekommen eine Tiefgarage mit 60 Plätzen. Die Dächer sind begrünt und mit einer Solaranlage ausgestattet. Ein Garten mit Hortensien und Päonien, ein weiterer mit Lavendel und ein Rosengarten werden angelegt. Vor den Neubauten steht unmittelbar an der Greifswalder Straße ein zweistöckiges Haus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das saniert wird.
Die Artprojekt GmbH, die bereits die Prenzlauer Gärten vermarktet hat, betreut auch die Winsgärten. Zielgruppe seien Familien mit Kindern, kulturell Interessierte und die sogenannten "neuen Nomaden", die in verschiedenen Städten arbeiten und am jeweiligen Standort auch eine Wohnung suchen. Käufer von Wohnungen der Prenzlauer Gärten hätten vor allem zwei Beweggründe genannt: Die Nähe zum Stadtzentrum und der eigene, kleine Garten.
Informationen gibt es unter Tel. 200 09 02 25.,
"Die sind wie aus einem Guss gemacht, das hat mich begeistert." Zurückhaltend, elegant, unaufgeregt. Allerdings: Die Winsgärten werden einen Hauch exklusiver sein als die Prenzlauer Gärten. Alle Wohnungen haben eine Raumhöhe von drei Metern, Doppel-Flügeltüren und sind mit einem Kaminanschluss ausgestattet. Lag der Durchschnittspreis für die Quartiere der Prenzlauer Gärten bei etwa 2500 Euro je Quadratmeter, so erreicht er in den Winsgärten 2900 Euro. 90 Quadratmeter ist die kleinste Wohnung, 240 Quadratmeter das größte Penthaus. Die acht Stadthäuser des Quartiers sind je 185 Quadratmeter groß. Etwa 20 Millionen investieren die FOM Real Estate GmbH aus Heidelberg und die Cometo Capital Partners GmbH in das Vorhaben. Das Grundstück ist 4000 Quadratmeter groß. Der Bauantrag sei gestellt, sagt Projektsprecher Willo Göpel. Baubeginn soll 2008, Fertigstellung Ende 2009 sein. Die Winsgärten bekommen eine Tiefgarage mit 60 Plätzen. Die Dächer sind begrünt und mit einer Solaranlage ausgestattet. Ein Garten mit Hortensien und Päonien, ein weiterer mit Lavendel und ein Rosengarten werden angelegt. Vor den Neubauten steht unmittelbar an der Greifswalder Straße ein zweistöckiges Haus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das saniert wird.
Die Artprojekt GmbH, die bereits die Prenzlauer Gärten vermarktet hat, betreut auch die Winsgärten. Zielgruppe seien Familien mit Kindern, kulturell Interessierte und die sogenannten "neuen Nomaden", die in verschiedenen Städten arbeiten und am jeweiligen Standort auch eine Wohnung suchen. Käufer von Wohnungen der Prenzlauer Gärten hätten vor allem zwei Beweggründe genannt: Die Nähe zum Stadtzentrum und der eigene, kleine Garten.
Informationen gibt es unter Tel. 200 09 02 25.,
Freitag, Mai 16, 2008
Durchgang auf Friedhof dicht
Die Verbindungswege zwischen St. Marien und Sankt Nikolai-Friedhof sind ab sofort dicht. Der Friedhofsleitung war der Durchgangsverkehr und die parkähnliche Nutzung zuviel. Die Pläne, den Friedhof zu bebauen sind erstmal vom Tisch.
Dienstag, April 29, 2008
Ich kenne keinen Ludwig Trepte, aber er spazierte neulich durchs Bötzowviertel, mit der Welt
Er ist erst 19 Jahre alt und schon Grimme-Preisträger und Gewinner der Goldenen Kamera als bester Nachwuchsschauspieler. Unterwegs mit Ludwig Trepte in Prenzlauer Berg. In seinem Viertel, das für ihn das Mystische verloren hat
Ludwig Trepte überlegt lange, bevor er eine Antwort gibt. Er ringt mit sich. Nicht, dass er nicht weiß, was er sagen soll, nein, er sucht nach den Worten, die am treffendsten beschreiben, was er denkt. Und Ludwig Trepte denkt viel, er macht sich Gedanken über Waisenkinder in Peru, über die Figuren, die er als Schauspieler verkörpern soll sowieso, über Talent, Besitz, Verlust. Während andere 19-Jährige vielleicht versuchen, bei möglichst vielen Mädchen zu landen, sagt Ludwig Trepte Dinge wie "Liebe ist unausweichlich". Er meint das ernst.
Treffpunkt ist die Hufelandstraße in Prenzlauer Berg. Der Bötzowkiez, bei starkem Wind heute und Sonnenschein. Ludwig Trepte ist hier aufgewachsen.
Ludwig Trepte - vielleicht kennt nicht jeder seinen Namen, aber dieses Gesicht, ausdrucksstark, mit ernsten, braunen Augen, interessiert, erwachsen, trotzdem neugierig, verschmitzt, das kennt man. Von der Kinoleinwand, aus dem Fernsehen, dem Tatort "Schatten der Angst" zum Beispiel, der im türkischstämmigen Milieu in Ludwigshafen spielte und dessen Ausstrahlung wegen der Brandkatastrophe in einem Ludwigshafener Wohnhaus, bei dem neun Türken ums Leben kamen, um acht Wochen auf Anfang April verschoben wurde. Ludwig Trepte, 1,69 Meter groß, braune Locken bis über die Ohren, Lederjacke, Jeans. Eine Zigarette rauchend steht er da, zehn Minuten vor der verabredeten Zeit.
Seine Eltern, die Mutter eine Ergotherapeutin, der Vater, Stefan Trepte, ein bekannter Musiker in der DDR-Rockszene, hatten eine Wohnung nicht weit vom Treffpunkt, in der Pasteurstraße, einer Parallelstraße der Hufelandstraße. Bis sich die Eltern trennten, das war, als Ludwig Trepte fünf Jahre alt war, lebten sie hier zu dritt zusammen, danach weiter zu zweit.
Er kennt jede Ecke zwischen Volkspark Friedrichshain und Greifswalder Straße. Bilder kommen in ihm hoch, als wir in die Esmarchstraße einbiegen, Kindheitserinnerungen. Hier ist seine Grundschule, hier wohnten seine Freunde, hier war sein Kiez. Das Straßenbild habe sich stark verändert, sagt Ludwig Trepte.
An den Mauerfall kann er sich natürlich nicht erinnern, er war zu jung, aber an die alten Häuser, die schmutzig grauen und die braunen bröckelnden Fassaden im Oststadtteil Prenzlauer Berg. Jetzt: überall Baustellen, Gerüste. Die meisten Häuser strahlen in frischen Pastellfarben, unsanierter Baubestand ist kaum noch zu sehen. Ludwig Trepte bedauert das. "Das Rustikale, das Mystische verschwindet", sagt er. Er mochte das, rustikal und mystisch. Scheinbare Gegensätze, aber nur auf den ersten Blick. Straßenzüge, die etwas erzählen. Ein altes Haus mit unsanierter Fassade fällt ihm ein, das Foto will er unbedingt vor eben diesem Haus machen.
An der Ecke Esmarch-/Liselotte-Herrmann-Straße bleiben wir stehen. Das "Esmarch-Eck" hat noch geschlossen, es ist früher Vormittag. Draußen wirbt eine Tafel mit der "Lady's Night, jeden Donnerstag!". "Hat was von einer Stampe", sagt Ludwig Trepte und zündet sich eine weitere Zigarette an. Stampe, damit meint er so etwas wie Spelunke, eine urige Eckkneipe mit vielen Stammgästen und kaum Laufkundschaft. "So eine Bar, in der ein Detlef und ein Harald am Tresen sitzen, Abend für Abend."
Er meint sich zu erinnern, dass "Der Rote Kakadu" hier gedreht wurde, ein DDR-Liebesdrama mit Jessica Schwarz, Max Riemelt und Ronald Zehrfeld in Hauptrollen. Ludwig Trepte war damals, 2004, nicht dabei. "Leider", sagt er.
Er hätte dabei sein können, er wusste schon früh, dass er es ernst meint, mit der Schauspielerei. Im Alter von zwölf Jahren spielte Ludwig Trepte im "Tatort" mit, "Bienzle und der heimliche Zeuge". Um ungehindert drehen zu dürfen, verließ er das Gymnasium, mit 16 machte er seinen Realschulabschluss und ließ die Schule bleiben. Seither hat er jedes Jahr mehrere Filme gedreht, insgesamt sind es jetzt 20. Am kommenden Mittwoch startet sein neuester Film "1. Mai - Helden bei der Arbeit" in den Kinos. Er nimmt privaten Schauspielunterricht, er sagt: "Ich halte nichts von Naturtalent."
Den Beruf ernst nehmen, das bedeutet für Ludwig Trepte: Mit seiner Lehrerin Sigrid Andersson Drehbücher durchgehen, Szenen proben, die Rolle kennenlernen, unermüdlich ist er da. "Zuerst liest man das Drehbuch, liest das Drehbuch, liest das Drehbuch - immer und immer wieder." Um ein Gefühl für die Figur zu bekommen, die er spielen soll, zu verstehen, wie sie tickt. "Das Drehbuch ist das Skelett, man selbst gestaltet das Fleisch, den Charakter", sagt er. Inspiration findet er auf Spaziergängen, in der Natur, aber auch unter Menschen, auf der Straße. "Schauspielerei hat viel mit Beobachten zu tun, es ist wichtig, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen, neugierig zu sein." Um sich in eine Figur hineinzuversetzen, brauche er "manchmal nur eine Unterhose". Ein Kleidungsstück, um die Rolle zu verinnerlichen. "Dann wieder wühlt man tage- und nächtelang, bis irgendwann endlich das richtige Gefühl da ist." Er liest und fühlt und erneuert sich ständig. Stehen bleiben, das wäre für Ludwig Trepte wohl der Anfang vom Ende.
Wir gehen die Liselotte-Herrmann-Straße entlang in Richtung Friedrichshain. Er halte es mit Sokrates, sagt er: "Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden." Dabei ist dieser 19-Jährige, der viel älter wirkt als Altersgenossen, schon so vieles: Ausgezeichnet mit der Goldenen Kamera als bester Nachwuchsschauspieler, Adolf-Grimme-Preisträger (für "Guten Morgen, Herr Grothe"), Max-Ophüls-Preisträger (für seine Rolle in "Keller - Teenage Wasteland"). Trotzdem: Bloß nicht ausruhen. "Ausruhen heißt stehen bleiben", sagt er. Ludwig Trepte will lernen, und zwar von den Besten.
Mit Henry Hübchen drehte er ("ein unglaublich präziser Perfektionist"), mit Ulrich Mühe ("der pausenlos gearbeitet hat"), mit Götz George ("sehr introvertiert, sehr zurückgezogen, immer perfekt vorbereitet"). Und von allen nahm er etwas mit, lernte von ihnen. Die Leidenschaft, die Intensität, die Unermüdlichkeit - das alles steckt in ihm. Bei der Arbeit findet er Gleichgesinnte.
In einem der vielen Interviews kurz nach der Verleihung der Goldenen Kamera sagte er, die Anfragen von Journalisten würden mehr, doch an Rollenangeboten käme "genauso viel Mist wie vorher". Ja, der Mist, sagt er nun und überlegt lange, die inzwischen vierte Zigarette im Mundwinkel, mit "Mist" habe er Dinge gemeint, die ihn nicht weiterbringen - "momentan". "Ich bin natürlich gerade in einer Situation, in der ich zeigen muss, warum ich diese Auszeichnungen bekommen habe", sagt er und raucht. "Auch mir selbst."
Das Problem seiner Branche sei, sagt er, dass es "unglaublich viele Schauspieler und wenig gute Rollen" gebe. "Das muss schon ein großer Traum sein." Der Traum von Ludwig Trepte, ein guter Schauspieler zu sein, ist groß. Groß genug, um das alles, den Konkurrenzdruck, den Neid, die Kritik, auszuhalten. Sich weiterzuentwickeln. Nie stehen zu bleiben.
Entlang der Westseite des Parks spazieren wir in Richtung St. Bartholomäus-Kirche die Straße Am Friedrichshain herunter. Ludwig Trepte fingert die fünfte Zigarette aus der Schachtel. Hier, zwischen Häuserfronten auf der einen und Bäumen auf der anderen Seite, weht der Wind besonders stark. Die Glut frisst sich durch das Zigarettenpapier. Ludwig Trepte raucht in kurzen Zügen. "Ich bin auf der Suche nach dem, was ich wirklich will", sagt er plötzlich. "Ich meine, was mich treibt, wer ich bin", sagt er und holt gleich die nächste Zigarette hervor. "Ich gerate immer wieder ins Strudeln."
Er meint nicht so ein gefährliches, lebensbedrohendes Strudeln. Es könne auch etwas Gutes sein, sich neu zu entdecken, sich neu zu erfinden. Findet er. "Das ist wichtig für diesen Beruf." Halt in diesem ewigen Strudel gebe ihm die Liebe. Auch so ein Thema.
Intensiv lebt er auch sie. Während der Dreharbeiten zum Film "Ein Teil von mir", in dem er mit Karoline Teska ein jugendliches Paar spielte, verliebten sich die beiden Hauptdarsteller ineinander. Er sagt: "Karoline ist die Liebe meines Lebens." Eine junge Schauspielerin, die privat niemandem etwas vorspiele. Er überlegt kurz, "sie ist wahrhaftig", sagt er dann.
Die beiden wohnen in einer Altbauwohnung ganz in der Nähe, im Kollwitzkiez. "Liebe ist plötzlich da", sagt Ludwig Trepte, seine dunklen Augen strahlen. "Sie trifft einen, wenn man sie nicht erwartet, und dann ist es wie eine Explosion." Und man selbst, mittendrin, könne nichts mehr dagegen tun. Liebe eben, unausweichlich.
(lokale Kopie; Welt am Sonntag)
Ludwig Trepte überlegt lange, bevor er eine Antwort gibt. Er ringt mit sich. Nicht, dass er nicht weiß, was er sagen soll, nein, er sucht nach den Worten, die am treffendsten beschreiben, was er denkt. Und Ludwig Trepte denkt viel, er macht sich Gedanken über Waisenkinder in Peru, über die Figuren, die er als Schauspieler verkörpern soll sowieso, über Talent, Besitz, Verlust. Während andere 19-Jährige vielleicht versuchen, bei möglichst vielen Mädchen zu landen, sagt Ludwig Trepte Dinge wie "Liebe ist unausweichlich". Er meint das ernst.
Treffpunkt ist die Hufelandstraße in Prenzlauer Berg. Der Bötzowkiez, bei starkem Wind heute und Sonnenschein. Ludwig Trepte ist hier aufgewachsen.
Ludwig Trepte - vielleicht kennt nicht jeder seinen Namen, aber dieses Gesicht, ausdrucksstark, mit ernsten, braunen Augen, interessiert, erwachsen, trotzdem neugierig, verschmitzt, das kennt man. Von der Kinoleinwand, aus dem Fernsehen, dem Tatort "Schatten der Angst" zum Beispiel, der im türkischstämmigen Milieu in Ludwigshafen spielte und dessen Ausstrahlung wegen der Brandkatastrophe in einem Ludwigshafener Wohnhaus, bei dem neun Türken ums Leben kamen, um acht Wochen auf Anfang April verschoben wurde. Ludwig Trepte, 1,69 Meter groß, braune Locken bis über die Ohren, Lederjacke, Jeans. Eine Zigarette rauchend steht er da, zehn Minuten vor der verabredeten Zeit.
Seine Eltern, die Mutter eine Ergotherapeutin, der Vater, Stefan Trepte, ein bekannter Musiker in der DDR-Rockszene, hatten eine Wohnung nicht weit vom Treffpunkt, in der Pasteurstraße, einer Parallelstraße der Hufelandstraße. Bis sich die Eltern trennten, das war, als Ludwig Trepte fünf Jahre alt war, lebten sie hier zu dritt zusammen, danach weiter zu zweit.
Er kennt jede Ecke zwischen Volkspark Friedrichshain und Greifswalder Straße. Bilder kommen in ihm hoch, als wir in die Esmarchstraße einbiegen, Kindheitserinnerungen. Hier ist seine Grundschule, hier wohnten seine Freunde, hier war sein Kiez. Das Straßenbild habe sich stark verändert, sagt Ludwig Trepte.
An den Mauerfall kann er sich natürlich nicht erinnern, er war zu jung, aber an die alten Häuser, die schmutzig grauen und die braunen bröckelnden Fassaden im Oststadtteil Prenzlauer Berg. Jetzt: überall Baustellen, Gerüste. Die meisten Häuser strahlen in frischen Pastellfarben, unsanierter Baubestand ist kaum noch zu sehen. Ludwig Trepte bedauert das. "Das Rustikale, das Mystische verschwindet", sagt er. Er mochte das, rustikal und mystisch. Scheinbare Gegensätze, aber nur auf den ersten Blick. Straßenzüge, die etwas erzählen. Ein altes Haus mit unsanierter Fassade fällt ihm ein, das Foto will er unbedingt vor eben diesem Haus machen.
An der Ecke Esmarch-/Liselotte-Herrmann-Straße bleiben wir stehen. Das "Esmarch-Eck" hat noch geschlossen, es ist früher Vormittag. Draußen wirbt eine Tafel mit der "Lady's Night, jeden Donnerstag!". "Hat was von einer Stampe", sagt Ludwig Trepte und zündet sich eine weitere Zigarette an. Stampe, damit meint er so etwas wie Spelunke, eine urige Eckkneipe mit vielen Stammgästen und kaum Laufkundschaft. "So eine Bar, in der ein Detlef und ein Harald am Tresen sitzen, Abend für Abend."
Er meint sich zu erinnern, dass "Der Rote Kakadu" hier gedreht wurde, ein DDR-Liebesdrama mit Jessica Schwarz, Max Riemelt und Ronald Zehrfeld in Hauptrollen. Ludwig Trepte war damals, 2004, nicht dabei. "Leider", sagt er.
Er hätte dabei sein können, er wusste schon früh, dass er es ernst meint, mit der Schauspielerei. Im Alter von zwölf Jahren spielte Ludwig Trepte im "Tatort" mit, "Bienzle und der heimliche Zeuge". Um ungehindert drehen zu dürfen, verließ er das Gymnasium, mit 16 machte er seinen Realschulabschluss und ließ die Schule bleiben. Seither hat er jedes Jahr mehrere Filme gedreht, insgesamt sind es jetzt 20. Am kommenden Mittwoch startet sein neuester Film "1. Mai - Helden bei der Arbeit" in den Kinos. Er nimmt privaten Schauspielunterricht, er sagt: "Ich halte nichts von Naturtalent."
Den Beruf ernst nehmen, das bedeutet für Ludwig Trepte: Mit seiner Lehrerin Sigrid Andersson Drehbücher durchgehen, Szenen proben, die Rolle kennenlernen, unermüdlich ist er da. "Zuerst liest man das Drehbuch, liest das Drehbuch, liest das Drehbuch - immer und immer wieder." Um ein Gefühl für die Figur zu bekommen, die er spielen soll, zu verstehen, wie sie tickt. "Das Drehbuch ist das Skelett, man selbst gestaltet das Fleisch, den Charakter", sagt er. Inspiration findet er auf Spaziergängen, in der Natur, aber auch unter Menschen, auf der Straße. "Schauspielerei hat viel mit Beobachten zu tun, es ist wichtig, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen, neugierig zu sein." Um sich in eine Figur hineinzuversetzen, brauche er "manchmal nur eine Unterhose". Ein Kleidungsstück, um die Rolle zu verinnerlichen. "Dann wieder wühlt man tage- und nächtelang, bis irgendwann endlich das richtige Gefühl da ist." Er liest und fühlt und erneuert sich ständig. Stehen bleiben, das wäre für Ludwig Trepte wohl der Anfang vom Ende.
Wir gehen die Liselotte-Herrmann-Straße entlang in Richtung Friedrichshain. Er halte es mit Sokrates, sagt er: "Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden." Dabei ist dieser 19-Jährige, der viel älter wirkt als Altersgenossen, schon so vieles: Ausgezeichnet mit der Goldenen Kamera als bester Nachwuchsschauspieler, Adolf-Grimme-Preisträger (für "Guten Morgen, Herr Grothe"), Max-Ophüls-Preisträger (für seine Rolle in "Keller - Teenage Wasteland"). Trotzdem: Bloß nicht ausruhen. "Ausruhen heißt stehen bleiben", sagt er. Ludwig Trepte will lernen, und zwar von den Besten.
Mit Henry Hübchen drehte er ("ein unglaublich präziser Perfektionist"), mit Ulrich Mühe ("der pausenlos gearbeitet hat"), mit Götz George ("sehr introvertiert, sehr zurückgezogen, immer perfekt vorbereitet"). Und von allen nahm er etwas mit, lernte von ihnen. Die Leidenschaft, die Intensität, die Unermüdlichkeit - das alles steckt in ihm. Bei der Arbeit findet er Gleichgesinnte.
In einem der vielen Interviews kurz nach der Verleihung der Goldenen Kamera sagte er, die Anfragen von Journalisten würden mehr, doch an Rollenangeboten käme "genauso viel Mist wie vorher". Ja, der Mist, sagt er nun und überlegt lange, die inzwischen vierte Zigarette im Mundwinkel, mit "Mist" habe er Dinge gemeint, die ihn nicht weiterbringen - "momentan". "Ich bin natürlich gerade in einer Situation, in der ich zeigen muss, warum ich diese Auszeichnungen bekommen habe", sagt er und raucht. "Auch mir selbst."
Das Problem seiner Branche sei, sagt er, dass es "unglaublich viele Schauspieler und wenig gute Rollen" gebe. "Das muss schon ein großer Traum sein." Der Traum von Ludwig Trepte, ein guter Schauspieler zu sein, ist groß. Groß genug, um das alles, den Konkurrenzdruck, den Neid, die Kritik, auszuhalten. Sich weiterzuentwickeln. Nie stehen zu bleiben.
Entlang der Westseite des Parks spazieren wir in Richtung St. Bartholomäus-Kirche die Straße Am Friedrichshain herunter. Ludwig Trepte fingert die fünfte Zigarette aus der Schachtel. Hier, zwischen Häuserfronten auf der einen und Bäumen auf der anderen Seite, weht der Wind besonders stark. Die Glut frisst sich durch das Zigarettenpapier. Ludwig Trepte raucht in kurzen Zügen. "Ich bin auf der Suche nach dem, was ich wirklich will", sagt er plötzlich. "Ich meine, was mich treibt, wer ich bin", sagt er und holt gleich die nächste Zigarette hervor. "Ich gerate immer wieder ins Strudeln."
Er meint nicht so ein gefährliches, lebensbedrohendes Strudeln. Es könne auch etwas Gutes sein, sich neu zu entdecken, sich neu zu erfinden. Findet er. "Das ist wichtig für diesen Beruf." Halt in diesem ewigen Strudel gebe ihm die Liebe. Auch so ein Thema.
Intensiv lebt er auch sie. Während der Dreharbeiten zum Film "Ein Teil von mir", in dem er mit Karoline Teska ein jugendliches Paar spielte, verliebten sich die beiden Hauptdarsteller ineinander. Er sagt: "Karoline ist die Liebe meines Lebens." Eine junge Schauspielerin, die privat niemandem etwas vorspiele. Er überlegt kurz, "sie ist wahrhaftig", sagt er dann.
Die beiden wohnen in einer Altbauwohnung ganz in der Nähe, im Kollwitzkiez. "Liebe ist plötzlich da", sagt Ludwig Trepte, seine dunklen Augen strahlen. "Sie trifft einen, wenn man sie nicht erwartet, und dann ist es wie eine Explosion." Und man selbst, mittendrin, könne nichts mehr dagegen tun. Liebe eben, unausweichlich.
(lokale Kopie; Welt am Sonntag)
Mittwoch, Februar 27, 2008
Wie weiter mit VEB Treffmodelle
In der taz schreibt Nina Apin über die Zukunft des Gebäudes in der Greifswalder Straße, das einst den VEB Treffmodelle und jetzt den Magnet-Klub beherbergte. Die Künstlerateliers mussten raus. Magnet hat vom neuen Eigentümer einen neuen Vertrag bekommen und darf bleiben.
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Samstag, Oktober 27, 2007
Erklärung des Republikanischen Anwaltsvereins zu Andrej Holm
Der im Haus der Demokratie und Menschenrechte in der Greifswalder Str. ansässige Republikanische Anwaltsverein gab vor zwei Tagen diese Mitteilung heraus:
Der Berliner Soziologe Andrej H. saß im August unter dem Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (§ 129 a Abs. 2 Nr. 2 StGB) für drei Wochen in Untersuchungshaft. Danach wurde er von dem Vollzug der Untersuchungshaft verschont. In seinem am 24. Oktober veröffentlichten Beschluss hat der Bundesgerichtshof nun festgestellt, dass die Voraussetzungen für den Erlass eines Haftbefehls fehlten, die „aufgedeckten Indizien“ sprächen nicht hinreichend deutlich für eine Einbindung in die „militante gruppe“, sondern ließen sich ebenso gut in anderer Weise interpretieren. Es bestehe lediglich ein Anfangsverdacht.
Der RAV erklärt zu diesem Vorgang:
So erfreulich die Entscheidung des Bundesgerichtshofes ist, so erschreckend ist die Tatsache, dass Herr H. aufgrund eines „Anfangsverdachts“ drei Wochen in Haft gehalten wurde.
Mitteilung an die Presse
im Fall Andrej H.
Der Berliner Soziologe Andrej H. saß im August unter dem Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (§ 129 a Abs. 2 Nr. 2 StGB) für drei Wochen in Untersuchungshaft. Danach wurde er von dem Vollzug der Untersuchungshaft verschont. In seinem am 24. Oktober veröffentlichten Beschluss hat der Bundesgerichtshof nun festgestellt, dass die Voraussetzungen für den Erlass eines Haftbefehls fehlten, die „aufgedeckten Indizien“ sprächen nicht hinreichend deutlich für eine Einbindung in die „militante gruppe“, sondern ließen sich ebenso gut in anderer Weise interpretieren. Es bestehe lediglich ein Anfangsverdacht.
Der RAV erklärt zu diesem Vorgang:
So erfreulich die Entscheidung des Bundesgerichtshofes ist, so erschreckend ist die Tatsache, dass Herr H. aufgrund eines „Anfangsverdachts“ drei Wochen in Haft gehalten wurde. Der „Anfangsverdacht“ ist gegeben, wenn die Möglichkeit einer strafbaren Handlung besteht. Ein Haftbefehl darf nur erlassen werden, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit der Täterschaft oder Teilnahme besteht („dringender Tatverdacht“).
Die das Verfahren betreibende Generalbundesanwältin Harms – immerhin seit 33 Jahren in der Justiz tätig und selbst sieben Jahre Vorsitzende am Bundesgerichtshof – behauptete Ende August angesichts der Presseveröffentlichungen (z.B. FR v. 31.8.2007 „Neun Wörter – ein Terrorverdacht“), der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof erlasse keine Haftbefehle nur aufgrund von wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Der Beschluss des BGH hat diese Behauptung widerlegt.
Das Erfassen des Unterschieds zwischen einem „Anfangsverdacht“ und einem „dringenden Verdacht“ gehört zu den einfachen Dingen der Rechtswissenschaft. Um den Verdacht gegen Herrn H. zu erhärten, wurde fast ein Jahr sein Telefon abgehört, sein Handy geortet, seine E-Mails gelesen und die Eingänge seines Wohnhauses gefilmt. Herausgekommen ist für den BGH ein „Anfangsverdacht“. Wenn gleichwohl mit dem schärfsten strafprozessual zur Verfügung stehenden Mittel vorgegangen worden ist, wenn – wie man jetzt sagen muss – der dringende Verdacht eine schlichte Erfindung des BKA und der Generalbundesanwaltschaft war, ist dies Willkür. Es ist die Konstruktion von Verdacht aufgrund der Gesinnung.
Der RAV sieht sich ferner zu folgendem Hinweis veranlasst:
Die Ermittlungen wurden im Fall Andrej H. vom Bundeskriminalamt geführt. Im Zuge der 2006 verabschiedeten „Föderalismusreform“ sind dem Bundeskriminalamt neue Kompetenzen bei der „Terrorismusbekämpfung“ zugewachsen (Art. 73 Abs.1 Ziff. 9a GG). Zur Ausgestaltung dieser Kompetenzen hat Bundesinnenminister Schäuble im Juli den „Entwurf eines Gesetzes zur Abwehr von Gefahren des Internationalen Terrorismus durch das BKA“ vorgelegt, der massiv gegen das 1949 von den Alliierten vorgegebene Trennungsgebot verstößt. Die strikte Trennung zwischen präventiver geheimdienstlicher und verfolgender Polizeitätigkeit ist eine Lehre aus der Zeit des deutschen Faschismus und soll verhindern, dass jemals wieder Menschen wegen eines vagen, unbewiesenen Verdachts der Geheimpolizei festgehalten und verfolgt werden.
Es drängt sich der Verdacht auf, dass im Fall Andrej H. - in Vorwegnahme der im Gesetzesentwurf neu definierten Begehrlichkeiten - genau dies passiert ist.
Der Berliner Soziologe Andrej H. saß im August unter dem Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (§ 129 a Abs. 2 Nr. 2 StGB) für drei Wochen in Untersuchungshaft. Danach wurde er von dem Vollzug der Untersuchungshaft verschont. In seinem am 24. Oktober veröffentlichten Beschluss hat der Bundesgerichtshof nun festgestellt, dass die Voraussetzungen für den Erlass eines Haftbefehls fehlten, die „aufgedeckten Indizien“ sprächen nicht hinreichend deutlich für eine Einbindung in die „militante gruppe“, sondern ließen sich ebenso gut in anderer Weise interpretieren. Es bestehe lediglich ein Anfangsverdacht.
Der RAV erklärt zu diesem Vorgang:
So erfreulich die Entscheidung des Bundesgerichtshofes ist, so erschreckend ist die Tatsache, dass Herr H. aufgrund eines „Anfangsverdachts“ drei Wochen in Haft gehalten wurde.
Mitteilung an die Presse
im Fall Andrej H.
Der Berliner Soziologe Andrej H. saß im August unter dem Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (§ 129 a Abs. 2 Nr. 2 StGB) für drei Wochen in Untersuchungshaft. Danach wurde er von dem Vollzug der Untersuchungshaft verschont. In seinem am 24. Oktober veröffentlichten Beschluss hat der Bundesgerichtshof nun festgestellt, dass die Voraussetzungen für den Erlass eines Haftbefehls fehlten, die „aufgedeckten Indizien“ sprächen nicht hinreichend deutlich für eine Einbindung in die „militante gruppe“, sondern ließen sich ebenso gut in anderer Weise interpretieren. Es bestehe lediglich ein Anfangsverdacht.
Der RAV erklärt zu diesem Vorgang:
So erfreulich die Entscheidung des Bundesgerichtshofes ist, so erschreckend ist die Tatsache, dass Herr H. aufgrund eines „Anfangsverdachts“ drei Wochen in Haft gehalten wurde. Der „Anfangsverdacht“ ist gegeben, wenn die Möglichkeit einer strafbaren Handlung besteht. Ein Haftbefehl darf nur erlassen werden, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit der Täterschaft oder Teilnahme besteht („dringender Tatverdacht“).
Die das Verfahren betreibende Generalbundesanwältin Harms – immerhin seit 33 Jahren in der Justiz tätig und selbst sieben Jahre Vorsitzende am Bundesgerichtshof – behauptete Ende August angesichts der Presseveröffentlichungen (z.B. FR v. 31.8.2007 „Neun Wörter – ein Terrorverdacht“), der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof erlasse keine Haftbefehle nur aufgrund von wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Der Beschluss des BGH hat diese Behauptung widerlegt.
Das Erfassen des Unterschieds zwischen einem „Anfangsverdacht“ und einem „dringenden Verdacht“ gehört zu den einfachen Dingen der Rechtswissenschaft. Um den Verdacht gegen Herrn H. zu erhärten, wurde fast ein Jahr sein Telefon abgehört, sein Handy geortet, seine E-Mails gelesen und die Eingänge seines Wohnhauses gefilmt. Herausgekommen ist für den BGH ein „Anfangsverdacht“. Wenn gleichwohl mit dem schärfsten strafprozessual zur Verfügung stehenden Mittel vorgegangen worden ist, wenn – wie man jetzt sagen muss – der dringende Verdacht eine schlichte Erfindung des BKA und der Generalbundesanwaltschaft war, ist dies Willkür. Es ist die Konstruktion von Verdacht aufgrund der Gesinnung.
Der RAV sieht sich ferner zu folgendem Hinweis veranlasst:
Die Ermittlungen wurden im Fall Andrej H. vom Bundeskriminalamt geführt. Im Zuge der 2006 verabschiedeten „Föderalismusreform“ sind dem Bundeskriminalamt neue Kompetenzen bei der „Terrorismusbekämpfung“ zugewachsen (Art. 73 Abs.1 Ziff. 9a GG). Zur Ausgestaltung dieser Kompetenzen hat Bundesinnenminister Schäuble im Juli den „Entwurf eines Gesetzes zur Abwehr von Gefahren des Internationalen Terrorismus durch das BKA“ vorgelegt, der massiv gegen das 1949 von den Alliierten vorgegebene Trennungsgebot verstößt. Die strikte Trennung zwischen präventiver geheimdienstlicher und verfolgender Polizeitätigkeit ist eine Lehre aus der Zeit des deutschen Faschismus und soll verhindern, dass jemals wieder Menschen wegen eines vagen, unbewiesenen Verdachts der Geheimpolizei festgehalten und verfolgt werden.
Es drängt sich der Verdacht auf, dass im Fall Andrej H. - in Vorwegnahme der im Gesetzesentwurf neu definierten Begehrlichkeiten - genau dies passiert ist.
Freitag, Oktober 05, 2007
Wer kocht P-Bergs beste Marmelade
Wer kocht die beste Marmelade in ganz Berlin? Egal, ob süß, säuerlich, fruchtig oder herb – über Geschmack und Aussehen urteilt eine fachkundige Profi-Jury. Kostproben nimmt das "Mühlenberg-Center" in der Greifswalder Straße 90 bis zum 11. Oktober entgegen (pro Person bis zu zwei Sorten, dazu Name, Anschrift, Telefonnummer).
Am 12. Oktober werden von 10 bis 16 Uhr die Marmeladen verkostet. Die Gewinner erhalten tolle Präsentkörbe.
Am 12. Oktober werden von 10 bis 16 Uhr die Marmeladen verkostet. Die Gewinner erhalten tolle Präsentkörbe.
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Donnerstag, Juni 28, 2007
Hoppla! Wie konnte das geschehen?
Erst brannten am Mittwochmorgen vier Müllcontainer in Prenzlauer Berg, dann erlitt die Heckscheibe eines DB-Fahrzeug noch einen Defekt. Da ein politischer Hintergrund der Taten nicht ausgeschlossen wird, ermittelt jetzt der Staatsschutz. Zwei Mitarbeiter hätten den Wagen gegen 1.30 Uhr in der Greifswalder Straße geparkt, um in der Nähe Reinigungsarbeiten durchzuführen. Bei ihrer Rückkehr hätten sie den Defekt bemerkt.
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