Man ey, ich lieb’ Dich doch!
Wir haben uns schon so lange nicht mehr gesehen,
obwohl man Dir hier früher an jeder Ecke begegnet ist.
Wir waren unzertrennlich, Du Verrückte.
Manchmal hast Du mich zum glücklichsten Menschen der
Welt gemacht. An anderen Tagen haben wir diskutiert
bis in die Nacht, nur weil Du unbedingt einen auf
anders machen musstest.
Vielleicht haben wir es damals ein wenig übertrieben,
ich wäre an Deiner Stelle auch gegangen.
Du fehlst mir immer noch nach all den Jahren.
Komm zurück, liebe Kunst!
Ich lieb’ Dich doch immer noch…
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Dienstag, Juli 13, 2010
Ey, ick lieb da
Kein öffentlicher Liebesbrief, sondern Werbung für die Neonchocolate Gallery in der Lychner Straße. Noch bis 15. Juli zeigt Susanne Vetter dort ihre Illustrationen.
Donnerstag, Juni 26, 2008
Ostberlin-Rufe unter der U-Bahn in der Schönhauser Allee

Nicht ganz ohne Schadenfreude betrachtete ich die vielen Störungsmeldungen auf den Leinwänden und Flachbildschirmen vor Prenzlauer Bergs Cafes und Restaurants. Die meisten Großleinwände gab es im LSD-Viertel, zwischen Helmi und Stargarder. Das jüngste Publikum sammelte sich auf einem Hof in der Lychner/ Ecke Stargarder Straße.
Noch hat die UEFA hat noch keine offizielle Erklärung für die Bildausfälle während des EM-Halbfinalspiels Deutschland - Türkei in Basel gefunden. Man schiebt es bisher inoffiziell auf ein schweres Unwetter über Wien, wo sich das internationale Sendezentrum befindet. Vielleicht hat auch jemand nachgeholfen? Wer weiß das schon so genau?
Aus dem Wedding dröhnte das Krachen der Böller herüber, als in Basel die Tore für die Türkei fielen. Das war nichts gegen das Feuerwerk in der Cantianstraße zum Ende des Spiels. Binnen weniger Minuten strömten tausende Menschen zu P-Bergs bekanntester Kreuzung. Mit Bedacht hatte die Polizei
Da wo Schönhauser Allee, Pappelallee, Danziger und Eberswalder Straße zusammentreffen, ging für den Autoverkehr plötzlich gar nichts mehr. Flatternde Deutschland-Fahnen, hallende Deutschland-Rufe und ein Gesang ohne Melodie, jedoch mit etwas Text: "Finale -ohoohohooo" erfüllten den Magistratsschirm.
Junge Väter schleppten auf den Schultern die schlafenden, schwarz-rot-gelb angemalten Kinder nach Hause. Ein torkelnder Teenie im Deutschland-Shirt zeigt auf dem Weg zur Sparkasse den Hitlergruß, natürlich ohne rechten oder nationalistischen Hintergrund. Drei Jungs klettern mit Fahnen bestückt auf Ampeln. Die Polizei fischt sich einen Teenager aus der Menge und zerrt ihn in eine Wanne. Hupkonzert. Jede U-Bahn bringt neue Hunderterschwärme in schwarz-rot-gold auf die Kreuzung. Ein Hubschrauber kreiste unbemerkt über den Dächern. Die Rettungswagen der Feuerwehr aus der Oderberger Straße machten vor der besetzten Kreuzung kehrt und schlengelten sich irgendwie ander s zu ihren Opfern durch.
Unfassbar: Plötzlich verstummen die Deutschlandrufe. Stattdessen gröhlt man "Ostberlin, Ostberlin, Ostberlin". Sowas habe ich noch nicht erlebt. Massenwahn. "Hinsetzen, hinsetzen, hinsetzen!" war die nächste Parole. Das hatte was von "Reclaim the Streets" oder den Demonstrationen der KPD rz im Kreuzberg der Neunziger. Da lauteten die Schlachtrufe "Wir sind die Post!" und "Gegen, gegen, gegenüber!"
Zur gleichen Zeit soll es in Kreuzberg, zwischen Adalbertstraße und Kotti beinahe zu einer Massenschlägerei. In Pankow wurde eine Telefonzelle gesprengt. Der Kurfürstendamm soll sich laut Tagesspiegel auch in eine Fußgängerzone verwandelt haben. In ganz Berlin gab es nach Mainstream-Medienberichten 16 Verletzte und 80 Festnahmen. Doch die Berliner sind nicht die Härtesten. Die Wiener Fanmeile wurde gestern geräumt. Zwei Menschen wurden niedergetrampelt und verletzt. Jetzt herrscht wieder Ruhe. Bald ist der Wahn vorbei.
Montag, August 20, 2007
Kolle Bolle, gelbe Ungeheuer und Townhäuser
Die letzten Bauflächen in den sogenannten In-Vierteln verschwinden: Der Bauboom in Prenzlauer Berg lässt teure Eigentumswohnungen auf einstigen Brachen entstehen. Die Nachfrage ist riesengroß.
Rainer Bahr hat damit gerechnet, dass die freche Berliner Schnauze die französische Aussprache nicht widerstandslos hinnimmt. „Ur-Berliner“, die an der Kollwitzstraße vorbeikommen und den Namen auf dem Bauzaun lesen, sagen Kolle Belle, mit „e“ wie Bolle. Oder Kolle wie Kollwitzplatz. Wichtiger als die richtige Aussprache ist dem Geschäftsführer der Bauherrin Econ-Cept, dass dieser Tage damit begonnen wird, eine der letzten großen Lücken im Häusermeer von Prenzlauer Berg zu schließen – und dass von 77 Wohnungen, von denen bislang noch kein einziger Stein gebaut ist, nur zwei noch nicht verkauft sind. Der Stadtteil ist gefragt, und die Baulücken in den Straßen werden immer weniger.
Das Palais Kolle Belle ist derzeit das eindrucksvollste Beispiel, wie große Brachen verschwinden. Wo jahrzehntelang Pfade durch Wildwuchs führten, Anwohner ihre Hunde ausführten und so mancher Obdachlose die Nacht verbrachte, soll jetzt „einer der schönsten Plätze Berlins“ entstehen. Mit Pariser Flair, Stuckfassaden, hohen Räumen, 60 bis 225 Quadratmeter groß. Vier Zimmer ab 309 000 Euro, steht auf dem Bauschild, die Vermarktung begann im letzten Februar, Ende nächsten Jahres sollen alle exklusiven Eigentumswohnungen fertig sein. Für Marc Kocher, der die Häuser entwarf, ist Berlin die einzige Stadt, in der er Paris nicht vermisst. Doch ein Stück Paris will er hier schaffen.
Gerade hier – in Sichtweite des Senefelderplatzes – ein anspruchsvolles Wohnprojekt: Das wäre vor zwei, drei Jahren noch schwer vorstellbar gewesen. Der Platz aber hat sich in den letzten Wochen, in denen viele Gerüste gefallen sind, am augenfälligsten verändert. Hier wurde die große Freifläche zwischen Schönhauser Allee und Kollwitzstraße mit dem Wohn- und Geschäftshaus Kollwitzspitze bebaut. Ein Biomarkt, der sich als Europas größter bezeichnet, bringt Leben an den Platz, ein Hostel, das schon mit dem Plakat „Miteinander schlafen“ wirbt, wird bald eröffnet, Cafés stellen Tische und Stühle heraus, auch die Kollwitzstraße hat eine Fassung erhalten, die gelbe Fassade wirkt fast mediterran, einige Bewohner stellen sich Palmen auf die Balkons. Stadtentwicklungsstadtrat Michail Nelken (Linke) hätte sich indes an dieser exponierten Stelle eine „architektonisch bessere Lösung“ vorstellen können, der Neubau sei ein „gelbes Ungeheuer“. Genehmigt hat’s sein Vorgänger.
Bis auf das (modernisierte) Café Achteck, das grüne Pissoir, erinnert nichts mehr an den alten Senefelderplatz, mit der verwilderten Brachfläche vor dunklen Brandmauern, die nach der Wende mit Hausbesetzerparolen beschmiert waren. Nun sind sie hinter hochgezogenen Neubaufassaden verschwunden. In Sichtweite wird gerade eine weitere Baulücke an der Kollwitzstraße 22 geschlossen, hier entstehen „familienfreundliche Wohnhäuser“, sieben Stockwerke hoch.
Am Kollwitzplatz wird für das Projekt „Puccini Hofgärten“ geworben, das gar nicht dort gebaut wird, sondern in Weißensee. Aber der Hinweis, dass es von dort nur zwei Kilometer zum Kollwitzplatz sind, soll helfen, die 80 Wohnungen, für die gerade Baubeginn war, zu vermarkten. Und noch eine Entfernungsangabe soll den Verkauf ankurbeln: „Nur hundert Meter von Prenzlauer Berg.“
Mitten im Kiez liegt die Marienburger Straße mit einer großen Grünfläche. Vor eine fast 70 Meter lange Brandwand hat die Baugemeinschaft um das Architektenbüro Arnold und Gladisch einen Neubau mit 23 Eigentumswohnungen gesetzt. Noch wird gebaut. „Wohnen an der Marie“ heißt das Projekt. Die meisten, die hier einziehen, kommen aus der Gegend, der Bau war preisgünstig, Familien ließen sich schnell als Bauherren finden. „Alle Wohnungen sind vergeben“, steht auf dem Bauschild. Ein ähnliches Projekt wollen die Initiatoren jetzt an der Scharnweberstraße in Friedrichshain starten. „Prenzlauer Berg ist aber abgegrast“, sagt Anja Hoffmann vom Architektenbüro.
An der Lychener Straße 43 gibt es ein besonders auffälliges Beispiel einer kleinen Lückenschließung. Wo einst ein Pferdestall stand, haben die Architekten Walter Nägeli und Sascha Zander ein Haus mit Büro und 13 Wohnungen errichtet. Im Glas spiegeln sich die Gründerzeitbauten des Helmholtzplatzes. Ein paar Meter weiter werden in einer Lücke an der Lychener Straße 13 Eigentumswohnungen errichtet, bis 200 Quadratmeter groß.
Wo in Höhe Am Friedrichshain die Schneider-Brauerei stand, geht der Bau von 60 Townhouses und 49 Eigentumswohnungen in die letzte Runde. Die „Prenzlauer Gärten“ nach britischem Vorbild sind das größte Bauvorhaben in Prenzlauer Berg. Um dort französisches Lebensgefühl zu genießen, haben sich fast nur Neu-Berliner eingekauft, 40 Prozent aus dem europäischen Ausland. Vielleicht bürgert sich „Koll Bell“ noch ein.
Das schreibt Christian van Lessen heute im Tagesspiegel.
Rainer Bahr hat damit gerechnet, dass die freche Berliner Schnauze die französische Aussprache nicht widerstandslos hinnimmt. „Ur-Berliner“, die an der Kollwitzstraße vorbeikommen und den Namen auf dem Bauzaun lesen, sagen Kolle Belle, mit „e“ wie Bolle. Oder Kolle wie Kollwitzplatz. Wichtiger als die richtige Aussprache ist dem Geschäftsführer der Bauherrin Econ-Cept, dass dieser Tage damit begonnen wird, eine der letzten großen Lücken im Häusermeer von Prenzlauer Berg zu schließen – und dass von 77 Wohnungen, von denen bislang noch kein einziger Stein gebaut ist, nur zwei noch nicht verkauft sind. Der Stadtteil ist gefragt, und die Baulücken in den Straßen werden immer weniger.
Das Palais Kolle Belle ist derzeit das eindrucksvollste Beispiel, wie große Brachen verschwinden. Wo jahrzehntelang Pfade durch Wildwuchs führten, Anwohner ihre Hunde ausführten und so mancher Obdachlose die Nacht verbrachte, soll jetzt „einer der schönsten Plätze Berlins“ entstehen. Mit Pariser Flair, Stuckfassaden, hohen Räumen, 60 bis 225 Quadratmeter groß. Vier Zimmer ab 309 000 Euro, steht auf dem Bauschild, die Vermarktung begann im letzten Februar, Ende nächsten Jahres sollen alle exklusiven Eigentumswohnungen fertig sein. Für Marc Kocher, der die Häuser entwarf, ist Berlin die einzige Stadt, in der er Paris nicht vermisst. Doch ein Stück Paris will er hier schaffen.
Gerade hier – in Sichtweite des Senefelderplatzes – ein anspruchsvolles Wohnprojekt: Das wäre vor zwei, drei Jahren noch schwer vorstellbar gewesen. Der Platz aber hat sich in den letzten Wochen, in denen viele Gerüste gefallen sind, am augenfälligsten verändert. Hier wurde die große Freifläche zwischen Schönhauser Allee und Kollwitzstraße mit dem Wohn- und Geschäftshaus Kollwitzspitze bebaut. Ein Biomarkt, der sich als Europas größter bezeichnet, bringt Leben an den Platz, ein Hostel, das schon mit dem Plakat „Miteinander schlafen“ wirbt, wird bald eröffnet, Cafés stellen Tische und Stühle heraus, auch die Kollwitzstraße hat eine Fassung erhalten, die gelbe Fassade wirkt fast mediterran, einige Bewohner stellen sich Palmen auf die Balkons. Stadtentwicklungsstadtrat Michail Nelken (Linke) hätte sich indes an dieser exponierten Stelle eine „architektonisch bessere Lösung“ vorstellen können, der Neubau sei ein „gelbes Ungeheuer“. Genehmigt hat’s sein Vorgänger.
Bis auf das (modernisierte) Café Achteck, das grüne Pissoir, erinnert nichts mehr an den alten Senefelderplatz, mit der verwilderten Brachfläche vor dunklen Brandmauern, die nach der Wende mit Hausbesetzerparolen beschmiert waren. Nun sind sie hinter hochgezogenen Neubaufassaden verschwunden. In Sichtweite wird gerade eine weitere Baulücke an der Kollwitzstraße 22 geschlossen, hier entstehen „familienfreundliche Wohnhäuser“, sieben Stockwerke hoch.
Am Kollwitzplatz wird für das Projekt „Puccini Hofgärten“ geworben, das gar nicht dort gebaut wird, sondern in Weißensee. Aber der Hinweis, dass es von dort nur zwei Kilometer zum Kollwitzplatz sind, soll helfen, die 80 Wohnungen, für die gerade Baubeginn war, zu vermarkten. Und noch eine Entfernungsangabe soll den Verkauf ankurbeln: „Nur hundert Meter von Prenzlauer Berg.“
Mitten im Kiez liegt die Marienburger Straße mit einer großen Grünfläche. Vor eine fast 70 Meter lange Brandwand hat die Baugemeinschaft um das Architektenbüro Arnold und Gladisch einen Neubau mit 23 Eigentumswohnungen gesetzt. Noch wird gebaut. „Wohnen an der Marie“ heißt das Projekt. Die meisten, die hier einziehen, kommen aus der Gegend, der Bau war preisgünstig, Familien ließen sich schnell als Bauherren finden. „Alle Wohnungen sind vergeben“, steht auf dem Bauschild. Ein ähnliches Projekt wollen die Initiatoren jetzt an der Scharnweberstraße in Friedrichshain starten. „Prenzlauer Berg ist aber abgegrast“, sagt Anja Hoffmann vom Architektenbüro.
An der Lychener Straße 43 gibt es ein besonders auffälliges Beispiel einer kleinen Lückenschließung. Wo einst ein Pferdestall stand, haben die Architekten Walter Nägeli und Sascha Zander ein Haus mit Büro und 13 Wohnungen errichtet. Im Glas spiegeln sich die Gründerzeitbauten des Helmholtzplatzes. Ein paar Meter weiter werden in einer Lücke an der Lychener Straße 13 Eigentumswohnungen errichtet, bis 200 Quadratmeter groß.
Wo in Höhe Am Friedrichshain die Schneider-Brauerei stand, geht der Bau von 60 Townhouses und 49 Eigentumswohnungen in die letzte Runde. Die „Prenzlauer Gärten“ nach britischem Vorbild sind das größte Bauvorhaben in Prenzlauer Berg. Um dort französisches Lebensgefühl zu genießen, haben sich fast nur Neu-Berliner eingekauft, 40 Prozent aus dem europäischen Ausland. Vielleicht bürgert sich „Koll Bell“ noch ein.
Das schreibt Christian van Lessen heute im Tagesspiegel.
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