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Montag, Januar 03, 2011

Ellenbogen, Ellenboden, sei doch nicht so ungezogen

Solidarität mit durchsuchten Buchläden


Der Fahrkartenautomat war heute kaputt. Immer wenn ich auf Einzelfahrschein AB geklickt habe, zeigte das Display 2,30 Euro an. Bei einer Viererkarte stand da was von 8,20 Euro. Mein erster Gedanke: "Kann doch wohl nicht wahr sein!" Da verzichtete ich mal auf den gültigen Fahrausweis. Es geht ja auch ohne. Heute hätten die eh keinen Kontrolleur losgeschickt. Der wäre nicht mehr heil nach Hause gekommen, nachdem der Kurier mit seiner S-Bahn-Traueranzeige auf Seite 1 die Stimmung ordentlich angehozt hat - bei -4 Grad und drei Schneeflöckchen auf den den Gleisen.

Wenn man sich bei der Kälte nach zwanzig Minuten am ehemaligen S-Bahnhof Schönhauser Allee in eine völlig überfüllte S-Bahn quetschen darf, stauen sich schon gelegentlich leicht aggressive Gefühle an. Da schreit der Bauarbeiter schon auch mal eine junge Mutter an, warum sie ihr "Dreckskind mit inne S-Bahn schleifen muss" und entschuldigt sich im gleichen Atemzug. "Tutma Leid, aber mich kotzt dit hier allet maßlos an. Kann Dein Balg janüscht dafür". Ich stehe direkt daneben.

S-Bahnhof Greifswalder Straße: Ich war so clever und stieg kurz mit aus, obwohl ich noch zwei Stationen vor mir hatte, damit die Fahrgäste weiter hinten noch eine Chance haben, den Waggon zu verlassen. Zum Dank rammte mir ein Halbstarker in Holzfällerjacke seinen Ellenbogen mit voller Wucht ins Brustbein. Das war weder dankbar noch nett. Aber beim Box- und Karate-Training habe ich schon härtere Hiebe einstecken müssen. Das hat mich fit gemacht für das Überleben in den Öffentlichen Verkehrsmitteln Berlins.

Das preiswerteste Kampfsport-Training der Stadt gibt es in den Hochschulsportzentren der TU. FU und Humboldt-Universität. Fünf Euro für Studierende, 20 Euro für Mitarbeiter und 60 Euro für Externe pro Semester.

Artikel im Neuen Deutschland zum Thema

Sonntag, August 01, 2010

Wurscht aus'm Wagen

Die abgerissene Currywurstbude Konnopke in der Schönhauser Allee hat ab Montag ein neues, wenn auch provisorisches Domizil. Bis November wird gegenüber des alten Standorts aus einem Imbisswagen heraus verkauft. Am Freitag und Samstag fand bereits ein Probeverkauf auf Rädern statt.

Montag, Juli 28, 2008

Funkhaus Prenzlauer Berg auf Funkwelle 95,2 MHz



Im Bezirk des Baby-Booms, der Bio-Brötchen und Bauvorhaben scheint das Ausdünnen der musikalischen Vielfalt und die fortschreitende Eliminierung des Berliner Dialekts im lokalen Radio festgeschrieben zu sein. Die Zeit ist reif für ein zeitgemäßes Kontrastprogramm. Anknüpfend an die Tradition des Piratensenders der Wendezeit Radio P, sendete das Funkhaus Prenzlauer Berg am 25. Juli direkt aus der Schönhauser Allee, auf Funkwelle 95,2 MHz. Über den kleinen Sender auf dem Turm der Segenskirche und einen Internet-Livestream lief an diesem Abend Musik aus der Berliner Innenstadt, die sonst kaum Aussichten auf Airplay in der Berliner Radiolandschaft hat.



Das provisorische Studio, ein kleines Ladenlokal in der Schönhauser Allee 161 mit einfacher, aber funktionierender Technik unter altem Deckenstuck, platzte an diesem Abend aus allen Nähten. Studiogäste waren DJ V.Raeter, Drumkid, Sir Serch, Tillevision, Audio 88, Keith Hernandez und die Kollegang. Die Sendung glich in ihrer Dramaturgie einer musikalischen Zeitreise durch die Hip-Hop-Geschichte des Bezirks. Höhepunte waren die Rap-Session mit Serch, Audio 88 und DJ V.Raeter an den Plattenspielern, die Premiere von Tillevisions Movie Loop Skits Part Two und die vollständige Erstaustrahlung des Hörspiels Team Rockit von Jörg Rider aus dem Jahr 2001. P-Bergs talentierter Nachwuchsproduzent Drumkid gab einen kleinen Vorgeschmack auf ein bevorstehendes Remix-Album. Mehr dazu später an dieser Stelle.




Die Rap-Session steht ab sofort hier zum freien Download bereit (21,1 MB).

Die komplette Sendung kannst Du in zwei Teilen downloaden. So kannst Du die Show bequem auf zwei CDs brennen.
Teil 1 hier und Teil 2 hier.

Das Hörspiel Team Rockit von Jörg Rider gibt es hier als mp3 (24,3 MB).




Hier die Playlist zur Sendung:

01. Funkhaus Prenzlauer Berg Jingle
02. Jenz Steiner, Tillevision, Kommt mal nach vorn, unreleased, 2007
03. Jenz Steiner, Tillevision, Schönhauser Allee, unreleased, 2005
04. Loko (aus Moskau), Schön, Steiner und seine Kumpels machen Disko in
der U-Bahn, 2003
05. Pilskills, Tillevision, Postkarte, unreleased, 2004
06. Pilskills, Steiner, Disko in der U-Bahn, 2003
07. DJ Breaque, The Golden Zych, The Golden Zych, unreleased, 2008
08. Damion Davis, V.Raeter, Marschmusik, unreleased, 2008
09. DJ Breaque, Take it (Drumkid Remix), unreleased, 2007
10. V-Mann, V.Raeter, Superadio-Remix, 2006
11. V-Mann, Tillevision, 90 Karrees, unreleased, Methlabor, 2008
12. V-Mann, Drumkid, Spröde Lippen,
13. Sir Serch, Drumkid, Jungle, Hasenfuß, SpokenView, 2007
14. Live Session mit Sir Serch, Audio 88, Steiner und DJ V.Raeter
15. Drumkid, Das EFX, Real Hip Hop, unreleased, 2008
16. Drumkid, Outkast, International Players Anthem, 2008
17. Tillevisions Movie Loop Skits Part Two Snippet, 2008
18. Audio 88, Besserer Mensch, 2008
19. Audio 88, Estetik, Smut, 2008
20. Sir Serch, Tillevision, Lauf Weck, unreleased, 2008
21. Jörg Rider feat. Crackle Wizard, Gang oder Girl, unreleased, 2007
22. Steiner, Drumkid, Cutterlysator, Berlin, Berlin Du bist scheiße,
unreleased, 2005
23. Drumkid, Gypsy Woman, Friends of Drumkid, 2007
24. Sichtbeton, Tillevision, Anabelle und Karsten, 2007
25. Steiner, DJ V.Raeter, Im Park, Disko in der U-Bahn, 2003
26. Joerg Rider, Team Rockit, (Hörspiel), Funkviertel, 2001
27. Funkhaus Prenzlauer Berg Jingle


Fotos: V.Raeter, Jero
Text: Jenz Steiner
Danke an Tillevision fürs Hosting auf Methlabor.com

Samstag, Juli 19, 2008

Funkwelle startet Sendebetrieb auf 95,2 MHz

Funkwelle 95,2 MHZ, der Veranstaltungsfunk der Sommerakademie von pro artis - Künste Bilden Wissen in Trägerschaft des Kunstvereins Friedrichstadt e.V., startet am 21. Juli den terrestrischen Sendebetrieb aus der Schönhauser Allee 161 a auf. Ich habe auf diesem temporären Radioprogramm gleich zwei Sendunge. Indyradio, eine Magazinsendung zum unabhängigen Medienzentrum Indymedia, befasst sich mit tagesaktuellen politischen Themen und läuft am Mittwoch, 23. Juli, 20 bis 21 Uhr.

Die Musiksendung Funkhaus Prenzlauer Berg bringt zwei Stunden alternativen HipHop aus Berlin Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Während ich in der ersten Stunde rare Tapes von P-Bergs und Chefhains Lokalgrößen spiele, lade ich mir sie in der zweiten Stunde als Studiogäste ein. Vielleicht ergibt sich eine schöne Session. Das wird sich zeigen. Sendetermin ist Freitag, 25. Juli, 21 bis 23 Uhr. Ein schöner Start ins Wochenende.

zum Livestream von Funkwelle.org

Samstag, Juli 12, 2008

Deine Stimme für meine Musik

reifenwechsler
Schönhauser Allee
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Sonntag, Juli 06, 2008

Visuelle Zeitreise mit Magnet- und S-Bahn durch Berlin








Eine Fahrt mit der Berliner Magnetbahn im November 1989. Die Fahrt auf der Teststrecke zwischen Kemperplatz und Gleisdreieck war kostenlos.
In meiner jugendlichen Naivität hatte ich damals wirklich geglaubt, dieses Gefährt würde einmal ganz Berlin durchkreuzen.







Zu meinen youtube-Lieblingen zählt auch diese Fahrt mit der West-S-Bahn zwischen Friedrichstraße und Lerther Stadtbahnhof.

Donnerstag, Juni 26, 2008

Ostberlin-Rufe unter der U-Bahn in der Schönhauser Allee


Nicht ganz ohne Schadenfreude betrachtete ich die vielen Störungsmeldungen auf den Leinwänden und Flachbildschirmen vor Prenzlauer Bergs Cafes und Restaurants. Die meisten Großleinwände gab es im LSD-Viertel, zwischen Helmi und Stargarder. Das jüngste Publikum sammelte sich auf einem Hof in der Lychner/ Ecke Stargarder Straße.

Noch hat die UEFA hat noch keine offizielle Erklärung für die Bildausfälle während des EM-Halbfinalspiels Deutschland - Türkei in Basel gefunden. Man schiebt es bisher inoffiziell auf ein schweres Unwetter über Wien, wo sich das internationale Sendezentrum befindet. Vielleicht hat auch jemand nachgeholfen? Wer weiß das schon so genau?

Aus dem Wedding dröhnte das Krachen der Böller herüber, als in Basel die Tore für die Türkei fielen. Das war nichts gegen das Feuerwerk in der Cantianstraße zum Ende des Spiels. Binnen weniger Minuten strömten tausende Menschen zu P-Bergs bekanntester Kreuzung. Mit Bedacht hatte die Polizei
Da wo Schönhauser Allee, Pappelallee, Danziger und Eberswalder Straße zusammentreffen, ging für den Autoverkehr plötzlich gar nichts mehr. Flatternde Deutschland-Fahnen, hallende Deutschland-Rufe und ein Gesang ohne Melodie, jedoch mit etwas Text: "Finale -ohoohohooo" erfüllten den Magistratsschirm.

Junge Väter schleppten auf den Schultern die schlafenden, schwarz-rot-gelb angemalten Kinder nach Hause. Ein torkelnder Teenie im Deutschland-Shirt zeigt auf dem Weg zur Sparkasse den Hitlergruß, natürlich ohne rechten oder nationalistischen Hintergrund. Drei Jungs klettern mit Fahnen bestückt auf Ampeln. Die Polizei fischt sich einen Teenager aus der Menge und zerrt ihn in eine Wanne. Hupkonzert. Jede U-Bahn bringt neue Hunderterschwärme in schwarz-rot-gold auf die Kreuzung. Ein Hubschrauber kreiste unbemerkt über den Dächern. Die Rettungswagen der Feuerwehr aus der Oderberger Straße machten vor der besetzten Kreuzung kehrt und schlengelten sich irgendwie ander s zu ihren Opfern durch.

Unfassbar: Plötzlich verstummen die Deutschlandrufe. Stattdessen gröhlt man "Ostberlin, Ostberlin, Ostberlin". Sowas habe ich noch nicht erlebt. Massenwahn. "Hinsetzen, hinsetzen, hinsetzen!" war die nächste Parole. Das hatte was von "Reclaim the Streets" oder den Demonstrationen der KPD rz im Kreuzberg der Neunziger. Da lauteten die Schlachtrufe "Wir sind die Post!" und "Gegen, gegen, gegenüber!"

Zur gleichen Zeit soll es in Kreuzberg, zwischen Adalbertstraße und Kotti beinahe zu einer Massenschlägerei. In Pankow wurde eine Telefonzelle gesprengt. Der Kurfürstendamm soll sich laut Tagesspiegel auch in eine Fußgängerzone verwandelt haben. In ganz Berlin gab es nach Mainstream-Medienberichten 16 Verletzte und 80 Festnahmen. Doch die Berliner sind nicht die Härtesten. Die Wiener Fanmeile wurde gestern geräumt. Zwei Menschen wurden niedergetrampelt und verletzt. Jetzt herrscht wieder Ruhe. Bald ist der Wahn vorbei.
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Donnerstag, Juni 19, 2008

Sommernachtstraum im Hexenkessel

Kennt noch jemand den Hexenkessel, das alternative Hoftheater in Prenzlauer Berg? Nein? Nicht so wild. Ist ja auch 14 Jahre her. Die Zeiten ändern sich. Das Theater gibt es noch, auch wenn es P-Berg den Rücken zugewandt hat. Das Spreeufer hinterm abgerissenen Schloss Monbijou ist zur neuen Heimat der Volxtheaterspieler geworden. Jetzt beginnt für die Hexenkessler die Open Air Saison. Zum Auftakt gibt es Shakespeares Verwirrspiel "Sommernachtstraum"



Beeindruckend wirkt das neue Amphitheater aus Holz im italienischen Renaissance-Stil.
Karten kosten zwischen 13 und 16 Euro.
Mehr Informationen hier. Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen

Freitag, Mai 16, 2008

Wurst und Musik in der Schönhauser Allee

Es gibt besser geeignete Orte für ein Konzert als diesen: auf der Mittelinsel zwischen einer vierspurigen Straße samt Straßenbahn, über dem Kopf den U-Bahn-Viadukt. Viel zu laut. Und doch so ungewöhnlich, dass es schon wieder reizvoll ist. Tatsächlich haben schon oft Leute bei Konnopke’s Imbiss - hier gehört der falsche Apostroph zum guten Ton - an der Schönhauser Allee gestanden und gefragt, was sie tun müssen, um neben der berühmten Currywurstbude ein Konzert zu veranstalten. "Keinem ist das bisher gelungen", berichtet Inhaber Mario Ziervogel.

von Stefan Strauss

In der Not frisst der Teufel auch Wachschützer

Ein Ladendieb hat am Dienstagmittag in einer Drogeriefiliale in der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg einen Wachmann gebissen. Der Hausdetektiv hatte den 18-Jährigen beobachtet, als er Kosmetikartikel stahl und anschließend das Geschäft verließ. Der 30-jährige Sicherheitsmann hielt den Dieb fest. Daraufhin biss ihm der junge Mann in den linken Unterarm.

Mittwoch, Februar 27, 2008

Schon wieder Mädchen unter die Räder gekommen

Ein 14 Jahre altes Mädchen ist am Montag bei einem Verkehrsunfall in Prenzlauer Berg schwer verletzt worden. Offensichtlich wollte das Mädchen bei «Rot» die Wisbyer Straße überqueren, als es von einer Autofahrerin erfasst wurde, die in Richtung Schönhauser Allee unterwegs war. Die Jugendliche kam mit der Feuerwehr ins Krankenhaus. Die Autofahrerin blieb unverletzt, wie die Berliner Polizei am Dienstag mitteilte.

Freitag, November 09, 2007

In der Schönhauser Allee



Regie, Kamera, Schnitt: Enrico Adler, Alexander Aue
gemeinfrei im Sinne der Creative Commons Public Domain
Berlin 2006, 2007


Vom kommenden Album "Steiner - wie er singt und lacht"

Mehr hier

Sonntag, Oktober 28, 2007

Vom Arbeiterbezirk zur Bobotown

Arkaden oder Arcaden – das bleibt stets die Frage. Für die k-Version entschied man sich 1998 am Potsdamer Platz, beim c blieb es in den 1999 eröffneten Schönhauser Allee Arcaden. Beiden gemeinsam ist, dass die so betitelten Heimstätten der modernen Warenwelt mit den namensstiftenden klassischen Bogengängen wenig gemein haben. An sich lag es nahe, in der Schönhauser Allee, schon vor der Wende eine Einkaufsmeile, genau am Schnittpunkt von Tram, Bus, U- und S-Bahn, ein Einkaufszentrum zu bauen – direkt über dem S-Bahnhof, der dank eines Umbaus von 1962 auch vom Hochbahnhof der U-Bahn bequem zu erreichen ist. Im hinteren Teil des Geländes befand sich vorher ein großer Marktplatz mit Einzelhändlern. Er ist ebenso verschwunden wie der Flachbau rechts, in dem sich eines der wenigen, dafür umso begehrteren Ost-Berliner Fachgeschäfte für Meeresfrüchte befand: „Alles vom Fisch.“ Das historische Foto, aus einer Zeit, als man dort Zebrastreifen für die Fußgänger für ausreichend hielt, entstammt dem Bildband „Berlin-Ost. Das letzte Jahrzehnt“ von Thomas Uhlemann (Sutton Verlag, 127 S., 19,90 Euro).

DIE ERSTEN

Die Mauer öffnete sich 1989 zuerst an der Bornholmer Straße. Das war nur gerecht, galt doch schon zu DDR-Zeiten Prenzlauer Berg als Hort der Unangepassten, alles andere als Stromlinienförmigen. „Berlin Ecke Schönhauser“ hieß kaum zufällig in den fünfziger Jahren ein Ost-Kinohit über eine aufmüpfige Jugendgruppe. Später verband man den alten Bezirk vor allem mit Dichtern, Studenten, Kulturgruppen – noch später mit Oppositionellen, die sich in Zions- und Gethsemanekirche sammelten. Und auch heute geht der Stadtteil politisch eigene Wege: Bei der Abgeordnetenhauswahl 2006 gewannen in zwei von vier Wahlbezirken Grünen-Politiker. Damit bekamen erstmals im Ostteil der Stadt die Bündnisgrünen ein Direktmandat.



DIE SPORTLICHEN

Sport ist Mord – das gilt nicht für Prenzlauer Berg. International wichtige Wettkampfstätten sind hier zu Hause. Im Velodrom fanden 1999 die Bahnweltmeisterschaften im Radsport statt. Nebenan liegt die Schwimm- und Sprunghalle im Europapark. Beide Gebäude wurden für die Olympiabewerbung 2000 gebaut. Weichen musste dafür die Werner-Seelenbinder-Halle, in der viele SED-Parteitage stattfanden. Das Basketball-Team von Alba hat in der Max-Schmeling-Halle seine Heimat. Fußball-Bundesligist Hertha BSC hat in Prenzlauer Berg seine Wurzeln: 1892 wurde der Verein in der Kastanienallee gegründet.



DAS GERÜCHT

Wer sagt, im Prenzlauer Berg gebe es massenhaften Zuzug? Zumindest mit Zahlen lässt sich das nicht belegen. Bevölkerungsaustausch trifft es schon eher: Alteingesessene gehen, vor allem junge Familien und besser verdienende Singles kommen. Der Ortsteil des Reformbezirks Pankow wuchs von 1991 bis 2006 nur um 879 Bewohner. Drastischer ist der Verlust, den er seit 1961 hinnehmen musste. Damals wohnten hier fast 207 000 Menschen, heute sind es knapp 145 000. Aus maroden Häusern wurden sanierte Vorzeigeobjekte. Falkplatz und Helmholtzplatz wurden 1999 in das Quartiersmanagementverfahren eingebunden. Die Maßnahme wirkte. Selbst Stars wie Heike Makatsch oder Daniel Brühl entdeckten Prenzlauer Berg für sich. Und wieder spielte dort ein Kinohit: „Sommer vorm Balkon“.

LITERATUR

Die Mauer war weg, und Robert Liebling, Rechtsanwalt, machte sich gen Osten auf: Aus „Liebling Kreuzberg“ wurde zeitweise „Liebling Prenzlauer Berg“. Ulrich Plenzdorf ersann diese Folgen der TV-Serie, formte daraus auch Bücher – schade, es gibt sie nur noch antiquarisch. Über diese Quelle kann man auch Daniela Dahns „Prenzlauer Berg-Tour“ von 1987 beziehen – und sie mit der bei Rowohlt 2001 erschienenen Wiederauflage vergleichen. Auf die Gegend um den Helmholtzplatz konzentrieren sich die Autoren in dem Band „Prenzlauer Berg im Wandel der Geschichte“ (hrsg. von Bernt Roder und Bettina Tacke, be.bra Verlag), die Perspektive reicht von den Hinterhöfen der Kaiserzeit bis zur Mahnwache in der Gethsemanekirche im Oktober 1989 und den baulichen Veränderungen der Nachwendezeit. Vor allem Zeitzeugen kommen in „Berlin Prenzlauer Berg – Alltag und Geschichte 1920 – 1970“ von Jan Jansen zu Wort (Sutton Verlag). ac / mj

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 28.10.2007)

Flusssäure-Tags in der Schönhauser

Die Verglasung einer Straßenbahnhaltestelle in der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg ist mit Flusssäure bemalt worden. BVGler hätten laut Polizei die Scheibe am Freitag entdeckt, ausgetauscht und entsorgt.

Samstag, Oktober 27, 2007

Autos brannten in der Ebertystraße un der Greifenhagener Str.

Sowohl in der Friedrichshainer Ebertystraße in F-Hain als auch in der Greifenhagener Straße in Prenzlauer Berg gingen gestern wieder Autos in Flammen auf. Auf dem öffentlichen Parkplatz hinter dem S-Bahnhof Schönhauser Allee wurden Carsharing-Fahrzeuge der Bahn beschädigt. Jetzt soll der Statsschutz ermitteln, ob ein Zusammenhang zwischen dem Feuer und dem Lokführer-Streik besteht.

Samstag, September 29, 2007

Wenn die Stasi Mielke jagt

Eine absurde Diebesgeschichte von Claudia Keikus, die eher von den Nachnamen ihrer Akteure lebt, veröffentlicht heute der Berliner Kurier.


Jonatan Mielke (37) wollte auch Turnschuhe kaufen, als er am Nachmittag den Runner's Shop in der Schönhauser Allee betrat. Die weißen "Nike Airport No.1" für 89,90 Euro sollten es sein. "Ich hatte nur 50 Euro, brauchte aber die Schuhe dringend", sagt Mielke kleinlaut. Denn er hatte sich frisch verliebt, in Jenny vom Strich an der Oranienburger. Mielke: "Meine ausgelatschten Schuhe kann sie nicht leiden."

Also probierte er die Marken-Treter an und bat dann den Verkäufer, ihm doch noch ein größeres Paar zu bringen. Dann rannte er los. Mit dem flotten Azubi Francesco Stasi (21) hatte der dreiste Dieb aber nicht gerechnet. Der setzte sofort hinterher. Ein Sprint bis zum Cantian-Stadion (Eberswalder Straße) begann.


Sein Versteck in einem Busch blieb nicht unentdeckt. Dort gabelten ihn die Jungs und Mädels von der Innenverwaltung auf.

Montag, August 20, 2007

Kolle Bolle, gelbe Ungeheuer und Townhäuser

Die letzten Bauflächen in den sogenannten In-Vierteln verschwinden: Der Bauboom in Prenzlauer Berg lässt teure Eigentumswohnungen auf einstigen Brachen entstehen. Die Nachfrage ist riesengroß.

Rainer Bahr hat damit gerechnet, dass die freche Berliner Schnauze die französische Aussprache nicht widerstandslos hinnimmt. „Ur-Berliner“, die an der Kollwitzstraße vorbeikommen und den Namen auf dem Bauzaun lesen, sagen Kolle Belle, mit „e“ wie Bolle. Oder Kolle wie Kollwitzplatz. Wichtiger als die richtige Aussprache ist dem Geschäftsführer der Bauherrin Econ-Cept, dass dieser Tage damit begonnen wird, eine der letzten großen Lücken im Häusermeer von Prenzlauer Berg zu schließen – und dass von 77 Wohnungen, von denen bislang noch kein einziger Stein gebaut ist, nur zwei noch nicht verkauft sind. Der Stadtteil ist gefragt, und die Baulücken in den Straßen werden immer weniger.

Das Palais Kolle Belle ist derzeit das eindrucksvollste Beispiel, wie große Brachen verschwinden. Wo jahrzehntelang Pfade durch Wildwuchs führten, Anwohner ihre Hunde ausführten und so mancher Obdachlose die Nacht verbrachte, soll jetzt „einer der schönsten Plätze Berlins“ entstehen. Mit Pariser Flair, Stuckfassaden, hohen Räumen, 60 bis 225 Quadratmeter groß. Vier Zimmer ab 309 000 Euro, steht auf dem Bauschild, die Vermarktung begann im letzten Februar, Ende nächsten Jahres sollen alle exklusiven Eigentumswohnungen fertig sein. Für Marc Kocher, der die Häuser entwarf, ist Berlin die einzige Stadt, in der er Paris nicht vermisst. Doch ein Stück Paris will er hier schaffen.

Gerade hier – in Sichtweite des Senefelderplatzes – ein anspruchsvolles Wohnprojekt: Das wäre vor zwei, drei Jahren noch schwer vorstellbar gewesen. Der Platz aber hat sich in den letzten Wochen, in denen viele Gerüste gefallen sind, am augenfälligsten verändert. Hier wurde die große Freifläche zwischen Schönhauser Allee und Kollwitzstraße mit dem Wohn- und Geschäftshaus Kollwitzspitze bebaut. Ein Biomarkt, der sich als Europas größter bezeichnet, bringt Leben an den Platz, ein Hostel, das schon mit dem Plakat „Miteinander schlafen“ wirbt, wird bald eröffnet, Cafés stellen Tische und Stühle heraus, auch die Kollwitzstraße hat eine Fassung erhalten, die gelbe Fassade wirkt fast mediterran, einige Bewohner stellen sich Palmen auf die Balkons. Stadtentwicklungsstadtrat Michail Nelken (Linke) hätte sich indes an dieser exponierten Stelle eine „architektonisch bessere Lösung“ vorstellen können, der Neubau sei ein „gelbes Ungeheuer“. Genehmigt hat’s sein Vorgänger.

Bis auf das (modernisierte) Café Achteck, das grüne Pissoir, erinnert nichts mehr an den alten Senefelderplatz, mit der verwilderten Brachfläche vor dunklen Brandmauern, die nach der Wende mit Hausbesetzerparolen beschmiert waren. Nun sind sie hinter hochgezogenen Neubaufassaden verschwunden. In Sichtweite wird gerade eine weitere Baulücke an der Kollwitzstraße 22 geschlossen, hier entstehen „familienfreundliche Wohnhäuser“, sieben Stockwerke hoch.

Am Kollwitzplatz wird für das Projekt „Puccini Hofgärten“ geworben, das gar nicht dort gebaut wird, sondern in Weißensee. Aber der Hinweis, dass es von dort nur zwei Kilometer zum Kollwitzplatz sind, soll helfen, die 80 Wohnungen, für die gerade Baubeginn war, zu vermarkten. Und noch eine Entfernungsangabe soll den Verkauf ankurbeln: „Nur hundert Meter von Prenzlauer Berg.“

Mitten im Kiez liegt die Marienburger Straße mit einer großen Grünfläche. Vor eine fast 70 Meter lange Brandwand hat die Baugemeinschaft um das Architektenbüro Arnold und Gladisch einen Neubau mit 23 Eigentumswohnungen gesetzt. Noch wird gebaut. „Wohnen an der Marie“ heißt das Projekt. Die meisten, die hier einziehen, kommen aus der Gegend, der Bau war preisgünstig, Familien ließen sich schnell als Bauherren finden. „Alle Wohnungen sind vergeben“, steht auf dem Bauschild. Ein ähnliches Projekt wollen die Initiatoren jetzt an der Scharnweberstraße in Friedrichshain starten. „Prenzlauer Berg ist aber abgegrast“, sagt Anja Hoffmann vom Architektenbüro.

An der Lychener Straße 43 gibt es ein besonders auffälliges Beispiel einer kleinen Lückenschließung. Wo einst ein Pferdestall stand, haben die Architekten Walter Nägeli und Sascha Zander ein Haus mit Büro und 13 Wohnungen errichtet. Im Glas spiegeln sich die Gründerzeitbauten des Helmholtzplatzes. Ein paar Meter weiter werden in einer Lücke an der Lychener Straße 13 Eigentumswohnungen errichtet, bis 200 Quadratmeter groß.

Wo in Höhe Am Friedrichshain die Schneider-Brauerei stand, geht der Bau von 60 Townhouses und 49 Eigentumswohnungen in die letzte Runde. Die „Prenzlauer Gärten“ nach britischem Vorbild sind das größte Bauvorhaben in Prenzlauer Berg. Um dort französisches Lebensgefühl zu genießen, haben sich fast nur Neu-Berliner eingekauft, 40 Prozent aus dem europäischen Ausland. Vielleicht bürgert sich „Koll Bell“ noch ein.

Das schreibt Christian van Lessen heute im Tagesspiegel.

Mittwoch, November 29, 2006

Jetzt geht es um die Wurst

Is das denn zu fassen? Seit 27 Jahren betreibt Bruno Hahnfeldt einen Imbiss an der Schönhauser Allee. Ab 2007 soll er statt 43 Euro im Monat 1 148 Euro Gebühr bezahlen. Das berichtet heute die Berliner Zeitung. Artikel hier!