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Freitag, November 07, 2008

Das Drahtponypferdchen

Eine immer beliebtere Alternative zum Berliner Öffentlichen Personen Nahverkehr ist das Fahrrad. Vor gut drei Jahren besangen Leptosom and the Evolution das zweirädrige Fortbewegungsmittel in ihrem Song "Pony". Damit es nicht in Vergessenheit gerät, habe ich es an dieser Stelle für die Nachwelt gerettet.

Sonntag, August 03, 2008

Kontraste-Sendung aus der Wendezeit



Diese Sendung habe ich damals selbst gesehen.
In Anbetracht der heutigen Verhältnisse wirkt der Kontraste-Beitrag aus der Wendezeit schon etwas lächerlich.

Mittwoch, April 23, 2008

Umntzung: Ehemalige SED-Zentrale wird exklusiver Club

Berlin wird um ein Stück mondäner Clubkultur reicher. Das Soho House Berlin entsteht an der Torstraße 1 in Prenzlauer Berg, an einer der prominentesten und geschichtsträchtigsten Ecken der Stadt. Das Haus ist alt, doch das Konzept ist modern. Und die Arbeiten haben bereits begonnen.

Hinter der ehrwürdigen Fassade des einstigen Kreditwarenhauses Jonass werden Suiten, Apartements, Restaurants, eine Bibliothek, Geschäfte und eine Galerie eingerichtet. Vom Schwimmbecken auf der Dachterrasse genießt man in 30 Meter Höhe den Blick auf den Alexanderplatz. Im Keller findet der Gast Fitnessräume und ein Kino vor. Das Haus wird ein Treff für Menschen aus der Medien-, Kunst- und Filmbranche, steht aber zu großen Teil auch denen offen, die nicht Club-Mitglied sind.

Soho House Clubs gibt es in London, Somerset, Chiswick, New York, Los Angeles und Hong Kong. 1995 gründete Nick Jones den ersten der exklusiven Treffs für die Kreativen. Sie bieten Loungemusic, Previews der neuesten Filme in clubeigenen Kinos, moderne Räume für private und geschäftliche Veranstaltungen, Kinderbetreuung und die clubeigene Kosmetiksalonkette „Cowshed“. Soho House hat weltweit mehr als 14.000 Club-Mitglieder, deren Durchschnittsalter soll bei 33 Jahre liegen. „Die Clubs sind immer in Häusern eingerichtet, die unter Denkmalschutz stehen oder eine ganz besondere Geschichte haben“, sagt Architekt Gunter P. J. Bürk vom Büro J.S.K Siat International Architekten und Ingenieure, das mit der Planung beauftragt ist. Doch das Konzept sei modern.

Tatsächlich hat das imposante Gebäude an der Torstraße bewegte Zeiten erlebt. 1928/29 ließ der jüdische Kaufmann Hermann Gollhuber das Kreditwarenhaus Jonass erbauen. Bewohner des Scheunenviertels kauften ein und konnten in Raten bezahlen. 1937 wurde das Gebäude zum Bürohaus für die Reichsjugendführung der NSDAP umgebaut und 1942 an die NSDAP verkauft. 1946 zog der Parteivorstand der SED ein. Das Gebäude bekam den Namen „Haus der Einheit“ und war später Sitz des Zentralkomitees der SED. DDR-Präsident Wilhelm Pieck und DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl hatten ihre Diensträume im Gebäude. Von 1959 bis 1989 nutzte das Institut für Marxismus-Leninismus die Räume. 1992 waren das Archiv, die Bibliothek und die Werkstätten beim Parteivorstand der PDS im Haus untergebracht. Sie zogen ins Bundesarchiv in Lichterfelde. Seit 1995 steht das Haus leer. Nun erinnert eine gläserne Stele mit Texten und Fotos an die Geschichte des Hauses. Sie wurde vor einem Jahr enthüllt und ist Teil der Geschichtsmeile Berliner Mauer.

Seit 2007 ist das Haus im Besitz einer britischen Investorengruppe. Cresco Capital will Bürk zufolge etwa 40 Millionen Euro investieren. Die Baugenehmigung liegt vor. Die Arbeiten haben bereits begonnen, das Haus wird zurzeit entkernt. Für Herbst 2009 ist die Fertigstellung geplant. Die alte cremefarbene Fassade mit Risaliten wird wieder hergestellt, neue Holzfenster werden eingebaut. Von der alten Einrichtung sei nichts mehr geblieben, sagt Architekt Bürk. Lediglich die alten Notstromaggregate des Kaufhauses sollen im Gastronomiebereich wieder verwendet werden. Auch die ursprünglichen Aufzugskerne bleiben erhalten und werden mit neuen Lifts ausgestattet.

Etwa 16.000 Quadratmeter groß ist die gesamte Bruttogeschossfläche. Hauptmieter des Hauses wird Soho House. Im Erdgeschoss sind Restaurants, die Lobby und eine Galerie geplant, möglicherweise auch Geschäfte. Im ersten und zweiten Obergeschoss werden Büros eingerichtet, dann folgen zwei Etagen mit den Apartments eines Boarding Houses und weitere zwei mit den Suiten des Soho House Clubs. Clubräume, Bibliothek, ein privates Esszimmer, ein Spielraum, Restaurant und Bar werden im siebten Obergeschoss eingerichtet, als vertraute Umgebung der Club-Mitglieder. „Weg von zu Hause, aber zu Hause“, so beschreibt Architekt Bürk das Motto. Auf dem Dach finden sich neben dem 14 mal fünf Meter großen Schwimmbecken eine Terrasse und ein Bistro. Im Hof wird eine Piazza angelegt. Gäste des Hauses können die Parkplätze der benachbarten Backfabrik nutzen. Eine eigene Tiefgarage wird Soho House Berlin nicht haben. U-Bahn, Bus und Straßenbahn sind in unmittelbarer Nähe erreichbar.

Architekt Gunter Bürk ist zuversichtlich, dass das Soho-House-Konzept in Berlin funktioniert. „Die Vielfalt der Nutzung in einem Haus ist einmalig.“

(lokale Kopie Sabine Flatau, Die Welt)

Montag, Oktober 08, 2007

Ringbahnparty statt Disko in der U-Bahn

von Roland Ionas Bialke

Vorgestern, am 6. Oktober 2007, fand in Berlin die traditionelle Ringbahnparty statt. Etwa 70 Personen wollten in der S-Bahn feiernd die Stadt umrunden. Die Party endete jedoch in einer Farce, als etwa 50 der Partyteilnehmerinnen durch die Bundespolizei gekesselt wurden.
Gegen 18 Uhr waren auf dem Alexanderplatz etwa 70 Menschen in bester Partystimmung. Doch es sollte noch nicht losgehen, denn es fehlten die Getränke. Eine Stunde später ging es dann los. Der Mob setzte sich gemeinsam in Bewegung um vom Alexanderplatz zum Ostkreuz, also zur Ringbahn, zu fahren. Leider gab es dabei Koordinationsschwierigkeiten, sodass sich die TeilnehmerInnen später noch einmal am Ostkreuz zusammenfinden mussten.

Am Ostkreuz wurden nun die beiden Musikanlagen in Betrieb genommen. Die abgespielte Punkmusik wurde durch gemeinschaftliches Mitsingen beziehungsweise Gegröle übertönt. Schon gesellten sich zwei Security-Milizen der Deutschen Bahn zu den TeilnehmerInnen. Die Stimmung sank dadurch jedoch nicht. Gegen 19 Uhr 20 wurde die erste Ringbahn mit Fahrtrichtung entgegen den Uhrzeigersinn bestiegen und in dieser (un-)ordentlich gefeiert. Es wurde Musik gehört, geraucht, viel getrunken und gelacht. Als die DB-Milizen in der S-Bahn gegen das Rauchen und Trinken verbal einschritten und die ersten TeilnehmerInnen austreten wollten wurde eine Pause auf dem S-Bahnhof Prenzlauer Allee eingelegt. Dann ging es weiter.

Am S-Bahnhof Gesundbrunnen, aber auch schon vorher, konnten sich die TeilnehmerInnen nicht einigen ob ausgestiegen oder weitergefahren werden sollte. Dadurch wurde der S-Bahn-Verkehr ein bisschen aufgehalten. Die DB-Milizen nervten nun etwas mehr. Darum, und auch so, wurde nun mehrfach die Notbremse gezogen. Der Bahnhof wurde nebenbei zur öffentlichen Töilette umfunktioniert. Nun gab es für einige TeilnehmerInnen Bierduschen. Dabei flogen dann einige Flaschen. Es wurde gegen einen Fahrkartenautomat getreten. Den spionierenden DB-Milizen wurde zugleich deutlich gemacht, dass sie auf dem Bahnhof nicht mehr willkommen wären. Nachdem die Stimmung immer aggressiver wurde, enschieden sich die DB-Milizen zur schnellen Flucht. Da nun die Polizei erwartet wurde, verließen die Party-TeilnehmerInnen nun den Bahnhof, eventuell um woanders (U8?) weiter zu feiern. Dabei wurde versucht eine Überwachungskamera zu zerstören.

Gegen 20 Uhr trafen nun die ersten BundespolizistInnen ein. Erst zu viert und spärlich ausgerüstet kamen plötzlich etwa 40 martialisch gepanzerte und bewaffnete PolizistInnen und kesselten die verplanten Party-TerroristInnen ein.

Zwei PolizistInnen filmten von aussen einzelne und friedliche Party-TeilnehmerInnen ab. Auf Nachfrage weswegen diese Menschen festgehalten wurden und warum Sie illegalerweise abgefilmt wurden gab es keine oder nur unzureichende Antwort. Mehrere gekesselte PartygängerInnen wollten sich nicht Ihr Recht auf Ihr eigenes Bild und Ihre Bewegungsfreiheit nehmen lassen und taten das lautstark kund. Dabei gab es zwei brutale Festnahmen. Die Bundespolizei ging immer wieder in den Kessel um die Menschen drinnen einzuschüchtern oder herauszuziehen.

Der Grund der Maßnahme wurde den Party-Teilnehmerinnen immernoch nicht genannt. Allerdings wurde nun angekündigt, dass alle gekesselten Menschen erkennungsdienstlich behandelt werden. Und so geschah es dann auch. Vorher wurde jedoch ein mal mit Pfefferspray in den Kessel gesprüht, als ein Mensch wohl zu nah an einem Polizeiauto stand. Dadurch mussten ziemlich viele husten. Gegen 23 Uhr wurde erneut durch die Polizei in den Kessel gestürmt und ein Punker festgenommen. Dabei wurde er geschlagen und beim Abtransport Mund und Nase zugehalten.

Die ED-Behandlung stellte sich dann als eine Ausweiskontrolle mit anschliessender Fotosession heraus. Die meisten TeilnehmerInnen, da recht unerfahren, halfen beim Fotografieren mit. Es gab eine Fragestunde bei der einige TeilnehmerInnen wohl zuviel redeten. Danach wurde ein Platzverweis gegen die ED-bahandelten Menschen ausgesprochen. Speicherkarten von Digitalkameras wurden beschlagnahmt.

Auf Nachfrage wurde mir nun der Grund der Maßnahme genannt - Verstoss gegen das Versammlungsgesetz. Dazu muss unbedingt angemerkt werden, dass alle nur S-Bahn gefahren sind! Andere bekamen zuerst als Grund Sachbeschädigung zu hören. (Einige hatten dann wohl mit der Polizei über die Ringbahnparty geredet und so wure dann ein anderer Grund genannt.) Zudem wurde als Grund für die Verweisung § 38 BPolG genannt. Gegen 0 Uhr 30 waren alle Partey-Teilnehmerinnen, außer die 3 Festgenommenen, wieder frei.

Hintergrund

Was ist die Ringbahnparty? Die Ringbahnparty ist eine Variante der S-Bahnparty bei der eine S-Bahn durch eine grosse Anzahl von feierwütigen Menschen gekapert wird. Dann wird in der S-Bahn mit Musik, Getränken und allem anderen drum und dran gefeiert. Die Besonderheit in Berlin ist, dass es dort einen S-Bahn-Ring gibt. Das heisst, die PartyteilnehmerInnen können in eine Bahn steigen und Berlin feiernd komplett umrunden.

Was sind die Ziele der Ringbahn-Party? Das erste Ziel ist es viel Spaß zu haben und das zweite Ziel ist es Berlin komplett zu umrunden. Und das ist schwieriger als wie es klingt.

Gibt es eine politische Aussage? Ja, die TeilnehmerInnen bringen ganz klar eine politische Haltung zum Ausdruck. Die Vertreibungspolitik am Berliner Alexanderplatz und anderswo lässt Jugendliche keinen Raum zum selbstgestalteten Feiern. Durch Polizei und kapitalistische Milizen sollen geldarme und alternative Menschen von den Konsumtempeln und Luxusvillen ferngehalten werden. Die Störung des Berufsverkehrs und der gemeinen Ordnung des Bürgertums durch die TeilnehmerInnen soll aufzeigen, dass es noch andere Lebensweisen gibt und diese sich nicht unterdrücken lassen. Das Zerstören von Fahrkartenautomaten soll verdeutlichen, dass die TeilnehmerInnen für Bahnfahrten nicht bezahlen wollen. Geldarme Menschen können sich die teuren Bahnpreise schon lange nicht mehr leisten. Das Bekleben oder Zerstören von Überwachungskameras soll eine direkte Aktion gegen den Überwachungswahn darstellen. Zudem gibt es kaum noch kostenlose Toilletten im öffentlichen Raum. Darum wird bei jeder Ringbahnpartey konsequent die S-Bahn oder der Bahnhof zur Toilette umfunktioniert.




Aktionsgruppe Alexanderplatz

http://rts.squat.net/
http://de.indymedia.org/2004/09/94753.shtml
http://de.indymedia.org/2005/05/114134.shtml
http://de.indymedia.org/2006/02/139346.shtml
http://de.indymedia.org/2006/10/159121.shtml

Mittwoch, September 12, 2007

Mediamarkt statt Weihnachtsmarkt: Konsumenten en rage


Eine putzige Meldung in der Welt von heute:
Bei der Neueröffnung einer Filiale einer Elektromarkt-Kette sind am frühen Mittwochmorgen in Berlin-Mitte mehrere Personen leicht verletzt worden. Nach Polizeiangaben hatten rund 100 Beamte eingreifen müssen, als das Geschäft kurz nach Eröffnung um Mitternacht wegen zu hohen Besucherandrangs wieder geschlossen werden musste. Allein vor dem Gebäude hatten sich rund 5000 Menschen versammelt. In dem Markt ging eine Glastür zu Bruch, wobei sich einige Personen leicht verletzten. Daraufhin wurde das Geschäft für zunächst wieder geschlossen.


Anbei ein Bericht auf indy.de

Der Elektronikmarkt hatte seine Pforten schon vor der offiziellen Eröffnung des riesigen und hässlichen Shoppingcenters "Alexa" am 11. September um 24 Uhr geöffnet. Dies war in großflächigen Werbeanzeigen als die "größte Öffnung seit dem Mauerfall" angekündigt worden. Etwa 2000 Kaufwillige wollten sich die angeblichen Schnäppchenpreise dieses Pseudoevents nicht entgehen lassen. Als dann der tanzende Mob auftauchte und zum Teil auch in den Mediamarkt hineingelangte, wurde das Einkaufcenter geschlossen.

Dabei sorgten die gerufenen Parolen wie "Wir wollen alles - kaputtkaufen!", "1,2,3 - lasst die iPods frei!", "Wir wollen nur - friedlich investieren" oder auch "Leute lasst das kaufen sein, wir laden euch zum Plündern ein!" und die laute Technomusik aus zwei Soundsystemen für eine solche Unruhe, dass der geregelte Ablauf des Shopping-Events nicht mehr gewährleistet werden konnte. Auf den Kassen postierten sich Polizisten, die Rolläden des Marktes wurden heruntergelassen, die Eingangstüren des gesamten Centers verschlossen. Schließlich sagte die Polizei dann durch: "Wir fordern alle vor dem Einkaufscenter befindlichen Personen auf nach Hause zu gehen. Der Mediamarkt macht bis morgen früh nicht mehr auf." Die Soundsysteme und alle beteiligten Personen des Happenings konnten ohne Festnahmen und Personenfeststellungen abziehen und zerstreuten sich.

Karen Eliot vom Zentralkommitee umherschweifender Hedonistinnen sagte zur Aktion: "Mir ging es hier nicht um Konsumkritik, sondern darum der schön glitzernd-kapitalistischen Warenwelt mit ein bisschen Chaos und Freude den Profit zu vermiesen. Gleic
hzeitig war das ein wunderbar spontaner Protest gegen das Mediaspree-Mammutprojekt, das die Subkultur in Berlin verdrängen will."

Bring back the Weihnachtsmarkt!

Foto: de.indymedia.org