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Mittwoch, Juli 14, 2010

Bayern-Stasi und Schwaben-Streik

Ich stelle mir ein anderes, ein durchaus mögliches Ende des zweiten Weltkriegs vor: Die Westalliierten haben den nördlichen Teil Deutschlands besetzt, die ruhmreiche Sowjetarmee den Süden. Glaubt jemand ersnthaft, die Stasi Bayerns hätte weniger effektiv gearbeitet als die, deren Akten wir gerade so gründlich durchforsten? Oder daß die Schwaben gegen den Bau der Mauer einen Generalstreik angezettelt hätten? Oder daß die Franken 1968 zu Deserteuren geworden wären, um nicht in Prag einmarschieren zu müssen? Jurek Becker (1937-1997)

Das Zitat habe ich gerade in einem Interview mit Christine Ostrowski gefunden. Im Buch "Noch Fragen, Genossen" von Brigitte Zimmermann und Hans-Dieter Schütt aus dem Jahr 1994 wird die ehemalige PDS-Vize-Chefin Ostrowski gefragt, ob sie sich noch die Verwirklichung der sozialistischen Idee vostellen kann. In diesem Kontext fällt ihr das Jurek-Becker-Zitat ein.

Sonntag, August 03, 2008

Kontraste-Sendung aus der Wendezeit



Diese Sendung habe ich damals selbst gesehen.
In Anbetracht der heutigen Verhältnisse wirkt der Kontraste-Beitrag aus der Wendezeit schon etwas lächerlich.

Donnerstag, Mai 15, 2008

Mauergeschichten

Am 15. Mai 1985 wurde Cliewe Juritza, heute Inhaber von Cliewe Stadtführungen, von der Bundesrepublik Deutschland aus der DDR-Haft freigekauft. Sein Vergehen damals war: mehrfacher versuchter und in einem Fall die Vorbereitung zum ungesetzlichen Grenzübertritt – sprich, Juritza hat versucht aus der DDR zu fliehen.

Für diesen gescheiterten Versuch wurde er 1984 zu 12 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. „...die Handlungen des Angeklagten [sind] eine schwerwiegende Mißachtung der gesellschaftlichen Disziplin, so daß nur mit einer Freiheitsstrafe reagiert werden mußte“, hieß es in der Urteilsbegründung.

Warum Juritza letztendlich einer der etwas mehr als 30.000 freigekauften politischen Häftlinge wurde ist schwer zu rekonstruieren.

Ein Eintrag in seiner Haftakte am 3. Mai 1985 bestimmt den Tag der Haftentlassung auf den 15.5.1985. Das sind zwei Monate vor Ende der einjährigen Haftstrafe. Begründet wird die vorzeitige Haftentlassung damit, „daß der Verurteilte die notwendigen Schlußfolgerungen gezogen hat und künftig die Gesetzlichkeit der DDR nicht wieder verletzen wird.“

Anfang Mai wird Juritza von seinem Arbeitsplatz in der Haftanstalt in Halle abgeholt. Man bedeutet ihm, seine Sachen zu packen. „Geht’s jetzt ab?“ fragt der damals 19jährige hoffnungsvoll einen der Gefängniswärter. Der darf nichts sagen. Als Juritza sich nach einem Transport im Gefängnis in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) wiederfindet, weiß er Bescheid.

Er sitzt in Abschiebehaft und schreibt einen Brief an seine Familie. „Wenn ich aus Karl-Marx-Stadt schreibe, dann geht es mir gut“, hatte er bei dem letzten Besuch im Gefängnis in Halle zu seiner Schwester gesagt. Am 15. Mai 1985 besteigt er zusammen mit anderen Häftlingen einen Reisebus, der sie zur Grenze nach Marienborn fahren wird. Als der Bus schließlich über die Grenze in die Bundesrepublik fährt, herrschen Erleichterung und Freude. „Entlassung nach BRD“ heißt der Beginn eines völlig neuen Lebens lapidar in den Akten der Haftanstalt Halle:


War die Berliner Mauer wirklich unüberwindlich? Wo war die Mauer überhaupt? Wie lebte es sich in der DDR? Wie war es im Gefängnis? Das sind Fragen, die Cliewe Juritza in seinem Buch „Als die Berliner Mauer noch kein Denkmal war“ und seinen Stadtführungen an der Berliner Mauer und durch Prenzlauer Berg beantwortet. Die nächsten Führungen von Cliewe Stadtführungen durch Prenzlauer Berg und entlang der Bernauer Straße finden statt am 17. und 18. Mai.

Sonntag, Mai 04, 2008

Stasi-Briketts geklaut

Unbekannte sind in der Nacht zum Samstag in ein Gebäude des ehemalige Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in Lichtenberg eingebrochen. Nach Angaben eines Polizeisprechers vom Sonntag handelt es sich bei den Tätern offenbar um „DDR-Fans“: Sie entwendeten aus dem heutigen Stasi-Museum ein Brikett mit dem Aufdruck „30 Jahre DDR“, ein Holzbrettchen mit einem Bild von Lenin sowie weitere „Liebhaberstücke“. Die Eindringlinge hatten ein Fenster aufgehebelt, um in das Gebäude einzudringen. Im Innern der Gedenkstätte in der Ruschestraße wurde jedoch nichts zerstört.

Sonntag, März 09, 2008

Doch noch Künstler in Prenzlauer Berg

Ein Stasispitzel belog sie, der zweite verließ sie. Der Tagesspiegel über die Malerin Cornelia Schleime.

Montag, November 05, 2007

Stasiakten auf dem internationalen Kunstmarkt

An einem trüben Herbsttag schlenderte ich mit einer befreundeten Ausstellungsmacherin über das diesjährige Art Forum Berlin. Durchquerte eine Koje nach der anderen, sah nervende Biskys tonnenweise bei der Galerie Crone, Gemischtwaren bei Eigen + Art und Unmengen Fotos. Landschaftsfotos, großformatige C-Prints oder Porträtfotos, kleinformatig, in schwarz-weiß. Meine Begleiterin blieb dann ungewöhnlich lange bei einer Galerie stehen.

Ich sah inzwischen eine weitere Ausstellungshalle durch und fand sie anschließend, noch immer bei der gleichen Galerie, interessiert in einem Katalog blätternd. Was gab es zu sehen? Bei dem Amsterdamer Aussteller „Ellen de Bruijne Projects“ hing eine Reihe gerahmter schwarz-weiß Aufnahmen mit der flüchtigen Ästhetik von Paparazzifotos.

Gekennzeichnet als BStU-Kopie erkannte ich auf den Observationsfotos der Staatssicherheit eine Gruppe nackter Menschen am FKK-Strand und auf einem anderen eine rauchende Frau in einem Zimmer, welche auch im Katalog des Artforums auf der Seite eben dieser Galerie anonymisiert abgedruckt wurde. Der Preis je Foto bei einer Auflage von 3 + 1 AP wurde mit 3.800 bis 5.000 Euro angegeben. Auf einem daneben hängendem Screen zeigte die Galerie Stasifilmaufnahmen eines öffentlichen Platzes. Die Arbeiten wurden der spanischen Künstlerin Dora Garcia zugeschrieben.

Dora Garcia Interesse an dem Thema wurde in Vorbereitung eines Projektes, das sie innerhalb des Blinky-Palermo - Stipendiums in Leipzig realisieren wollte, geweckt. Auf der Suche nach Wolfgang Hilbigs „Ich“ stieß sie im Netz zufällig auf den Artikel „Loyal Dissidents and Stasi Poets“ und fand das dies nun spannend genug wäre, um es künstlerisch zu verarbeiten, so sie selbst in einem Interview mit Julia Schäfer von der GfzK in Leipzig.

Im Zuge der geplanten Ausstellung in der Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig arbeitete sie eng mit Julia Schäfer zusammen und erhielt Fotos und Filmaufnahmen aus dem Archiv der BStU. Garcia entwickelte eine fiktive Geschichte und brachte diese mit Leipziger Schauspielern zur Umsetzung. Daraus ging der Film "Zimmer, Gespräche", der auch der Titel ihrer Ausstellung und des dazugehörigen Kataloges in Leipzig war, hervor. Anhand von originalen Mitschnitten und Dokumenten hat Dora García in einer Wohnung Dialoge zwischen einem Stasiführungsoffizier und einem IM inszeniert. Der Film wurde in der Ausstellung von mehreren Stasi-Videos und Stasi-Fotos begleitet. Die Videos "window", "car", "walking man", "couple" oder "house" zeigen den Alltag verschiedener Menschen. Wie sie ihr Wohnhaus verlassen, wie sie ihr Auto waschen, wie sie sich auf der Straße bewegen.

García hatte die zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellten Überwachungsvideos, Filme, Fotos und das Lehrmaterial der Stasi gesichtet und bezog diese in ihre eigene künstlerische Arbeit. So sieht man in dem Ausstellungskatalog auf einigen Seiten BStU- Fotos von Punks, die erkennungsdienstlich behandelt wurden. Und auch die oben erwähnte Porträtaufnahme einer Frau. Diese heißt dann Smoking Lady, end of the seventies. Es handelt sich bei dieser Frau um Tina Krone, Mitgründerin des Neuen Forums und leitende Mitarbeiterin der Robert-Havemann-Gesellschaft Berlin. Die Punks sind aus Erfurt und heißen CD Spinne, OT…. usw. Keine dieser Personen wusste etwas von ihrer künstlerischen Vermarktung oder wurde namentlich erwähnt.

Auf der Veranstaltung von Zimmer, Gespräche zu Konspirative Wohnungen im Rahmen der Ausstellung „ Konspirative Wohnungen / Conspiracy Dwellings“ im Kunsthaus Erfurt am 24. Oktober darauf von der Geschäftsführerin Monique Förster im Beisein der Presse angesprochen, erklärt Dora Garcia wahrheitswidrig sowohl einen Vertrag mit der BStU , der diese Vorgehensweise stützt, als auch die Einwilligung der Betroffenen erhalten zu haben. Unabhängig davon sei es mit der Fotoauswahl und der Rahmung der Abzüge zu ihrer künstlerischen Arbeit geworden.

In Fachkreisen murrt es immer lauter und so war nicht verwunderlich, dass bei der Tagung „Vergangenheit in der Gegenwart. Gesellschaftlicher Diskurs zum Umgang mit Diktaturgeschichte in Europa“ bei der Stiftung Genshagen, am 26. Oktober, wo Garcia ins Podium geladen war, einige der Beteiligten schon im Bilde waren. Schnell wechselte die Diskussion vom geplanten Thema „Freiheit und Diktatur im Film“ zu den Fotos von Dora Garcia. Bemerkenswerterweise wurde einen Tag vorher das auf der Internetseite ihrer Galerie veröffentlichte Foto der rauchenden Frau entfernt. Auf dem Podium jedoch rechtfertigte sie die Vermarktung und wiederholte ihre These von der Freiheit der Kunst. Die anwesende Marianne Birthler wies dies energisch zurück und kündigte rechtliche Schritte an. Ihre Justiziare haben den Fall auf den Tisch.

Gewöhnten wir uns schon an die Vermarktung von Fahndungsfotos der RAF-Mitglieder der ersten Generation in allen Arten, ist der Verkauf von Stasifotos in den letzten 17 Jahren nur im Zusammenhang mit „Enthüllungen“ in großen deutschen Magazinen und Fernsehbeiträgen bekannt geworden. Eine alte, nicht beantwortete Frage aus Zeiten der Stasizentralenbesetzungen lautete: Wem gehören die Akten? Den Betroffenen, dem Staat oder dem Markt.

natter | 04.11.07 21:06 | Ost:blog

Samstag, Oktober 27, 2007

Wende wird volljährig

Ab heute veröffentlicht der Tagesspiegel in einer Serie Geschichten und Lebenswege von Menschen aus den elf alten Ostbezirken.

Berlins Ostbezirke sind 18 Jahre nach der Wende nicht wiederzuerkennen: Prenzlauer Berg ist nicht mehr einzig Hort der Unangepassten, Marzahn nicht nur die kalte Platte, Mitte zum neuen Zentrum der vereinten Stadt geworden. Friedrichshain ist nicht mehr bloß Arbeiterbezirk, Hohenschönhausen und Hellersdorf streifen langsam das Trabantenstadt-Image ab. Treptow hat alte Medienstandorte durch neue ersetzt, Lichtenberg steht nicht mehr für Normannenstraße, Pankow entwickelt sich zum grünen, feinen Quartier für Zugezogene. Weißensee wird Zufluchtsort für junge Familien, denen „Prenzlberg“ inzwischen zu schick und teuer ist, Köpenick pflegt seine zwei Seiten: Idyll am Wasser und die Nähe zur Wissenschaft.

Montag, Oktober 22, 2007

Bundesweiter Demonstrationsaufruf zum Stopp der Vorratsdatenspeicherung

"Bundesweiter Demonstrationsaufruf zum Stopp der
Vorratsdatenspeicherung"

Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung ruft unter dem Motto
"Freiheit statt Angst - Für die Grundrechte!" zu bundesweiten
Demonstrationen am 6. November 2007 auf, um die von der Koalition
geplante Vorratsdatenspeicherung noch in letzter Minute zu stoppen.

Anlass für die Demonstrationen ist die Abstimmung des Deutschen
Bundestags am 9. November über den Gesetzesentwurf zur Neugestaltung
der Telekommunikationsüberwachung. Das Gesetz soll ab 2008 für
Sicherheitsbehörden rückblickend über 6 Monate nachvollziehbar
machen, wer wann mit welchen Adressen das Internet genutzt hat
und wer mit wem per Telefon oder E-Mail Kontakt hatte, bei Handy-
Nutzung einschließlich des Standorts. Diese Pläne der
Regierungskoalition zur Aufzeichnung von Informationen über die
Kommunikation, Beziehungen, Bewegung und Mediennutzung jedes Bürgers
stellen die bislang größte Gefahr für unser Recht auf ein
furchtloses, selbstbestimmtes und privates Leben dar. Wir fordern
die Abkehr von diesem verfassungswidrigen Generalangriff auf
Bürgerrechte und Datenschutz in Deutschland.

Mit friedlichen Protesten soll am 6. November von 17:00 bis
19:00 Uhr vor Rathäusern und
Regierungsgebäuden für die Grundrechte eingetreten werden. Die
Kundgebungen knüpfen an die Berliner Großdemonstration vom 22.
September an, welche mit 15.000 Teilnehmern die größte
Bürgerrechtsdemonstration seit der deutschen Wiedervereinigung war.
Damit soll die Unverhältnismäßigkeit einer totalen Protokollierung
jeglicher Telekommunikation nun in vielen deutschen Städten deutlich
gemacht werden.

Demonstrationen sind bereits in Planung in Berlin, Bremen, Frankfurt
am Main, Bonn, Köln, Leipzig, Karlsruhe, München und Münster.
Weitere Städte sowie Einzelheiten werden auf der Internetplattform
des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung abrufbar sein. Die Veranstalter rufen
die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Kundgebungen auf,
Grundgesetze, Kerzen, Fackeln oder Grablichter mitzubringen.


1. Eine derart weitreichende Registrierung des Kommunikations-,
Bewegungs- und Internetnutzungsverhaltens greift unverhältnismäßig
in die persönliche Privatsphäre ein.

2. Die geplante Vorratsdatenspeicherung hebt den Schutz besonderer
Vertrauensbeziehungen auf und beeinträchtigt dadurch berufliche
Aktivitäten.

3. Die geplante Vorratsdatenspeicherung verhindert Terrorismus und
Kriminalität nicht.

4. Die geplante Vorratsdatenspeicherung belastet Wirtschaft und
Verbraucher mit hohen Kosten und schränkt Zugangsmöglichkeiten zum
Internet ein.

5. Die geplante Vorratsdatenspeicherung diskriminiert Nutzer von
Telefon, Handy und Internet gegenüber anderen Kommunikationsformen
wie der Post und unmittelbaren Gesprächen.

6. Die geplante Vorratsdatenspeicherung verletzt das Menschenrecht
auf Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung. Sie ist daher
verfassungswidrig.

7. Wegen offensichtlicher Rechtsverstöße ist der deutsche
Gesetzgeber nicht zur Umsetzung der EU-Richtlinie zur
Vorratsdatenspeicherung verpflichtet.


Pressekonferenz:

Am 02.11.07 um 10:30 laden wir zu einer Pressekonferenz in den
Robert-Havemann-Saal ein, Haus der Demokratie und Menschenrechte,
Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin.

Samstag, September 01, 2007

Wer kennt Wolfgang Hilbig?

Das Literarische Colloquium am Wannsee erinnerte am Montag mit einer Lesung und einer Diskussion an den am 2. Juni gestorbenen Schriftsteller Wolfgang Hilbig ("Ich"). Hilbigs Ausgangspunkt seines Erzählens waren die proletarischen Verhältnisse im thüringisch-sächsischen Braunkohlerevier. Der spätere Roman "Ich" beschrieb nicht ohne Ironie die von der Stasi unterwanderte Künstlerszene am Prenzlauer Berg.

Montag, September 04, 2006

Neue Zeitung zur Berliner Stadtgeschichte



Erinnert sich noch jemand an das MfS-Wachregiment? Jeden Mittwoch kam es zu Verzoegerungen beim 57er Bus (heute 100/200), weil die vor der Neuen Wache immer Riesen-Action gemacht haben. Aber das hatte 1989 zum Glueck ein Ende.


Bis jetzt gab es nicht so viele Zeitungen, die sich in irgendeiner Form mit Berliner Stadtgeschichte befasst haben. Das soll sich nun aendern. Zumindest haben sich das die Herausgeber des Berliner Lindenblattes vorgenommen. Auf 16 Seiten wollen Wieland Giebel und Gerhild H.M. Komander in Zukunft regelmaessig die 770jaehrige Berliner Geschichte durchkauen. Die Zeitung soll einmal im Monat zum Preis von 1,50 Euro erscheinen.
Am 9. September geht die Website online.