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Montag, Juni 30, 2008

Rechtsruck während der EM nicht nur eingebildet

Der Spuk hat jetzt ein Ende - vorerst. Der Fahnenwahn an den Fenstern der Häuser beschränkte sich nach meinen Beobachtungen in Berlin eher auf den Westteil der Stadt und die hippen Innenstadtbezirke mit hoher Dichte an jungen Leuten, die nicht DDR-sozialisiert sind.
In Lichtenberg oder Marzahn hatte kaum jemand die Bundesflagge aus dem Fenster gehängt.
Zu nahe sind, so vermute ich zumindest, die beklemmenden Erinnerungen an die DDR.

Das Skandinavia-Viertel im Nordwesten von Prenzlauer Berg sorgte mal wieder für Negativschlagzeilen. In der Czarnikauer Straße hörten Fußgänger Musik mit fremdenfeindlichen Texten und riefen die Polizei. Die nahm dann drei Teenager fest und beschlagnahmte ein Notebook. Die Drei dürfen sich jetzt auf ein Verfahren wegen Volksverhetzung freuen. Nicht nur Prenzlauer Berg steht braun da. In Tiergarten und Köpenick gröhlten ebenfalls Leute rechtsradikale Parolen.

Wenn man die EM-Zeit Revue passieren lässt, gab es wieder einen richtigen Aufschwung an rechten Aktionen. In Bamberg wurde die Fanmeile von Nazis angegriffen. Drei Menschen wurden durch einen Nazi-Angriff in der Nacht zum Donnerstag in Berlin-Friedrichshain, Kopernikusstr Ecke Warschauer verletzt. In Dresden wurden türkische Imbissbuden angegriffen. In Mannheim wurde ein israelischer Professor überfallen. Mit Nazi-Schmierereien wurde das SPD-Büro in Rostock beschmiert. Auf zwei Nazisites aus Berlin und Mecklenburg wurde dazu aufgerufen, auf der Fanmeile in Berlin türkische Fahnen zu verbrennen.
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Montag, April 07, 2008

Blick nach Köpenick: Nie wieder Mellowpark

Auf dem Gelände der Fotochemischen Werke an der Friedrichshagener Straße sollen in den nächsten Jahren rund 200 Wohnungen entstehen. Eigentümer des rund 50 000 Quadratmeter großen Areals ist die Berner Group aus Wiesbaden. "Wir wollen die denkmalgeschützten alten Werkhallen sanieren und daraus hochwertige Wohnungen und Lofts machen", sagte Alexander Heder vom Unternehmen. Außerdem sollen rund um einen großen Spielplatz Neubauten entstehen - sogenannte Townhouses - sowie Reihenhäuser. Ein Plattenbau werde abgerissen. Zwei historische Gebäude würden weiter gewerblich genutzt: Auf dem Areal sind neben der Fotochemische Werke GmbH etliche kleinere Firmen angesiedelt; auch das Stadttheater Cöpenick soll an seinem Standort bleiben. Baubeginn ist für das kommende Jahr vorgesehen.

Noch laufen die Planungen, doch im Bezirk denkt man schon weiter: Das Freizeitgelände Mellowpark mit Fußball- und Basketballfeldern, Skater- und BMX-Rampen muss nach Abschluss der diesjährigen Saison weichen. Eine solche Nutzung nur wenige Meter neben dem neuen Wohngebiet könnte stören. Der Mellowpark soll im kommenden Jahr auf einer Fläche hinter dem Rathaus Treptow neu aufgebaut werden. Schulstadtrat Dirk Retzlaff (SPD) geht nicht davon aus, dass es dort zu Beschwerden von Anwohnern wegen des Lärms kommt. "Ein Lärmgutachten besagt, dass die vorgeschriebenen Werte nicht überschritten werden." Der Abstand zwischen Wohnhäusern und Mellowpark betrage gut 200 Meter, außerdem stünde noch eine Schule dazwischen. Für den Mellowpark sollen ein ehemaliger Tennisplatz, eine Schulgartenbrache sowie der Sportplatz der Schule neu gestaltet werden. An dieser Gestaltung will der Bezirk auch die Berner Group finanziell beteiligen: "In einem städtebaulichen Vertrag soll sich der Investor zu bestimmten Beiträgen verpflichten."

Karin Schmidl

Sonntag, April 06, 2008

Das Glück im Schatten der Mauer

Im Roten Rathaus hat der Friehling-Verlag gestern die Preisträger des Zeitzeugenpreises Berlin-Brandenburg geehrt. Den ersten Platz machte der Oranienburger Peter Schüler mit seiner Erzählung über einen jüdischen Professor im Prenzlauer Berg der 60iger Jahre.

"Berlin und immer wieder Berlin, tausendfach verflucht und heiß geliebt, ist mehr als eine große Stadt“. Als Peter Schüler diesen ersten Satz seiner Erzählung aufschreibt, sitzt er im Mai vergangenen Jahres an seinem Schreibtisch in Oranienburg. Der 70-Jährige entwirft einen Zeitzeugenbericht, ein Stückchen eigenes Erleben durch die Augen eines Berliners, der die Stadt nach 1960 erlebt. Doch die Geschichte „Goliath und seine Träume“, für den Schüler jetzt mit dem ersten Platz des Zeitzeugenpreises 2008 ausgezeichnet wurde, ist keine äußerliche Beschreibung Berlins. Seine Geschichte hat einen persönlichen tragischen Helden. David Klein, der für die Freiheit seiner Gedanken mit Job, Familienverlust und Einsamkeit bezahlt. Der gerne in das Cafè Lena in Prenzlauer Berg geht, um sich dort mit dem „Malerheini“ über die Welt zu unterhalten. Der sich gegen Darwinismus-Theorie und Gesellschaftsregime auflehnt, dafür von seinen Studenten bewundert wird und schließlich doch noch in Würde stirbt. „Die Geschichte ist Wirklichkeit und ein bisschen Fiktion“, sagt Schüler bei der Preisverleihung im Roten Rathaus. „Den Professor gab es wirklich, ich habe ihn gekannt. Und auch ich wurde aufgrund meiner kritischen Einstellung von der Universität exmatrikuliert“.

Die Zeitspanne 1960 bis 1970 in Berlin-Brandenburg empfand jeder Bewohner anders, doch eins hatten wohl alle gemein: Die Mauer, die politische Anspannung dieser Zeit, das Ost und West schlich sich in jeden Haushalt, in jedes Leben. Grund genug für den in Friedenau ansässigen Friehling-Verlag, genau diese Zeit als Thema ihres Schreibwettbewerbes zu nehmen. Beteiligt hatten sich über 100 Schreiber, darunter ein Drittel Brandenburger, wie Jörg Schönbohm– Innenminister des Landes Brandenburg – in seiner Ansprache zufrieden feststellte. Rund 30 von ihnen waren im Großen Saal erschienen. Menschen, die meist vor 1940 geboren wurden, die Studenten oder Schüler waren, als die Mauer gebaut wurde und die Stadt schließlich teilte. Und weil viele Augen viel sehen, sind die Zeitzeugen-Geschichten bunt geworden. Die Jury war beim Durchsehen der Beiträge „beeindruckt, glücklich – und uneins!“, meinte Andreas Ludwig, Leiter des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR, mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Es habe hitzige Diskussionen gegeben und immer wieder offene Fragen und Denkanstöße. Auch deshalb zogen die Mitglieder, die aus Verlag, Medien und Politik stammten, gleich vier Preisträger als „Fischzug aus dem Meer der Erinnerung“ wie Verleger Johann-Friedrich Huffmann die wertvollen literarischen Geschichten nannte.

Mit „verliebt, verlobt, verheiratet – und ein bisschen verwegen“ überzeugte der Journalist und ehemalige Tagesspiegel-Volontär Jürgen Friedenberg (2. Platz) die Jury durch eine Erzählung, die ein junges Pärchen in den Mittelpunkt stellt, das sich ausgerechnet den 14. August 1961 als Hochzeitstermin ausgesucht hat und zwischen Charlottenburg und Prenzlauer Berg hin- und her gerissen ist. Kristin Bochröder beschreibt in „Ostkreuz“ ihre Fluchtpläne von Ost- nach Westberlin, ihre Ängste und Träume. Die Köpenickerin bringt dem Leser in ihrer autobiografischen Erzählung ihre kritische Einstellung zum DDR-Regime nahe. Schließlich flüchtet sie mit einem gefälschten Pass in den Westen und heiratet ihren dortigen Freund. Jenny Schon, Stadtführerin in Potsdam und China-Liebhaberin, beleuchtet in „Mein erster Berlin-Marathon“ ihre aufregenden Erfahrungen als unerfahrenes Kölner Landei im wilden Westberlin 1968. Auf der Demo gegen den Schah-Besuch lernt sie einen jungen Studenten kennen und verliebt sich. Erst spät merkt sie, dass er Kontakte zur RAF hat. Sie folgt ihrem Geliebten nicht in die illegale Welt.

Alle vier Preisträger gaben Auszüge ihrer Werke zum Besten und erhielten als Preise Publizierungsgutscheine für weitere Veröffentlichungen. Peter Schüler konnte zudem ein kleines Kunstwerk mit nach Hause nehmen: Das „Buch der Erinnerung“, eine Skulptur des Metallkünstlers Achim Kühn.

Berlin-Interessierte, Neugierige und Zeitzeugen können sich auf den Juni freuen. Dann erscheinen die besten zehn Zeitzeugen-Erzählungen im Buchhandel – Titel: „Glückssuche im Schatten der Mauer“.

Samstag, September 22, 2007

P-Berg gegen Köpenick

Prenzlauer Berg hat natürlich nicht den Hauch einer Chance – falls wir hier nach dem schrulligsten Stadtteil suchen würden oder dem schönsten Ausflugsziel. Denn
natürlich ist an Köpenick wenig schlecht: Es gibt dort die höchste natürliche Erhebung Berlins, den größten See, und 75 Prozent der Fläche sind Wälder, Wiesen und Felder. Der Fischerkietz ist tatsächlich sehr schön und ein Hauptmann hat Köpenick in den bundesdeutschen Schulunterricht gebracht. Aber: In Prenzlauer Berg gibt es keinen Hauptmann, sondern einen King und weil zitty auf der Suche nach dem besten Stadtteil ist – mit Betonung auf Stadt – gibt es in dieser Runde einen klassischen K.O. für Köpenick. Prenzlauer Berg wird seiner Favoritenrolle auf gespenstische Art und Weise gerecht.

meint die zitty

Mittwoch, Oktober 25, 2006

Frank und Frank



Frank Schöbel (Köpenick) hat auf seinem aktuellen Album Frank Zander (Westberlin) gefeatured.
Beide wollen immer am Ball bleiben.
Feine Sache.