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Sonntag, Juli 06, 2008

Visuelle Zeitreise mit Magnet- und S-Bahn durch Berlin








Eine Fahrt mit der Berliner Magnetbahn im November 1989. Die Fahrt auf der Teststrecke zwischen Kemperplatz und Gleisdreieck war kostenlos.
In meiner jugendlichen Naivität hatte ich damals wirklich geglaubt, dieses Gefährt würde einmal ganz Berlin durchkreuzen.







Zu meinen youtube-Lieblingen zählt auch diese Fahrt mit der West-S-Bahn zwischen Friedrichstraße und Lerther Stadtbahnhof.

Donnerstag, Mai 15, 2008

Mauergeschichten

Am 15. Mai 1985 wurde Cliewe Juritza, heute Inhaber von Cliewe Stadtführungen, von der Bundesrepublik Deutschland aus der DDR-Haft freigekauft. Sein Vergehen damals war: mehrfacher versuchter und in einem Fall die Vorbereitung zum ungesetzlichen Grenzübertritt – sprich, Juritza hat versucht aus der DDR zu fliehen.

Für diesen gescheiterten Versuch wurde er 1984 zu 12 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. „...die Handlungen des Angeklagten [sind] eine schwerwiegende Mißachtung der gesellschaftlichen Disziplin, so daß nur mit einer Freiheitsstrafe reagiert werden mußte“, hieß es in der Urteilsbegründung.

Warum Juritza letztendlich einer der etwas mehr als 30.000 freigekauften politischen Häftlinge wurde ist schwer zu rekonstruieren.

Ein Eintrag in seiner Haftakte am 3. Mai 1985 bestimmt den Tag der Haftentlassung auf den 15.5.1985. Das sind zwei Monate vor Ende der einjährigen Haftstrafe. Begründet wird die vorzeitige Haftentlassung damit, „daß der Verurteilte die notwendigen Schlußfolgerungen gezogen hat und künftig die Gesetzlichkeit der DDR nicht wieder verletzen wird.“

Anfang Mai wird Juritza von seinem Arbeitsplatz in der Haftanstalt in Halle abgeholt. Man bedeutet ihm, seine Sachen zu packen. „Geht’s jetzt ab?“ fragt der damals 19jährige hoffnungsvoll einen der Gefängniswärter. Der darf nichts sagen. Als Juritza sich nach einem Transport im Gefängnis in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) wiederfindet, weiß er Bescheid.

Er sitzt in Abschiebehaft und schreibt einen Brief an seine Familie. „Wenn ich aus Karl-Marx-Stadt schreibe, dann geht es mir gut“, hatte er bei dem letzten Besuch im Gefängnis in Halle zu seiner Schwester gesagt. Am 15. Mai 1985 besteigt er zusammen mit anderen Häftlingen einen Reisebus, der sie zur Grenze nach Marienborn fahren wird. Als der Bus schließlich über die Grenze in die Bundesrepublik fährt, herrschen Erleichterung und Freude. „Entlassung nach BRD“ heißt der Beginn eines völlig neuen Lebens lapidar in den Akten der Haftanstalt Halle:


War die Berliner Mauer wirklich unüberwindlich? Wo war die Mauer überhaupt? Wie lebte es sich in der DDR? Wie war es im Gefängnis? Das sind Fragen, die Cliewe Juritza in seinem Buch „Als die Berliner Mauer noch kein Denkmal war“ und seinen Stadtführungen an der Berliner Mauer und durch Prenzlauer Berg beantwortet. Die nächsten Führungen von Cliewe Stadtführungen durch Prenzlauer Berg und entlang der Bernauer Straße finden statt am 17. und 18. Mai.

Sonntag, April 06, 2008

Das Glück im Schatten der Mauer

Im Roten Rathaus hat der Friehling-Verlag gestern die Preisträger des Zeitzeugenpreises Berlin-Brandenburg geehrt. Den ersten Platz machte der Oranienburger Peter Schüler mit seiner Erzählung über einen jüdischen Professor im Prenzlauer Berg der 60iger Jahre.

"Berlin und immer wieder Berlin, tausendfach verflucht und heiß geliebt, ist mehr als eine große Stadt“. Als Peter Schüler diesen ersten Satz seiner Erzählung aufschreibt, sitzt er im Mai vergangenen Jahres an seinem Schreibtisch in Oranienburg. Der 70-Jährige entwirft einen Zeitzeugenbericht, ein Stückchen eigenes Erleben durch die Augen eines Berliners, der die Stadt nach 1960 erlebt. Doch die Geschichte „Goliath und seine Träume“, für den Schüler jetzt mit dem ersten Platz des Zeitzeugenpreises 2008 ausgezeichnet wurde, ist keine äußerliche Beschreibung Berlins. Seine Geschichte hat einen persönlichen tragischen Helden. David Klein, der für die Freiheit seiner Gedanken mit Job, Familienverlust und Einsamkeit bezahlt. Der gerne in das Cafè Lena in Prenzlauer Berg geht, um sich dort mit dem „Malerheini“ über die Welt zu unterhalten. Der sich gegen Darwinismus-Theorie und Gesellschaftsregime auflehnt, dafür von seinen Studenten bewundert wird und schließlich doch noch in Würde stirbt. „Die Geschichte ist Wirklichkeit und ein bisschen Fiktion“, sagt Schüler bei der Preisverleihung im Roten Rathaus. „Den Professor gab es wirklich, ich habe ihn gekannt. Und auch ich wurde aufgrund meiner kritischen Einstellung von der Universität exmatrikuliert“.

Die Zeitspanne 1960 bis 1970 in Berlin-Brandenburg empfand jeder Bewohner anders, doch eins hatten wohl alle gemein: Die Mauer, die politische Anspannung dieser Zeit, das Ost und West schlich sich in jeden Haushalt, in jedes Leben. Grund genug für den in Friedenau ansässigen Friehling-Verlag, genau diese Zeit als Thema ihres Schreibwettbewerbes zu nehmen. Beteiligt hatten sich über 100 Schreiber, darunter ein Drittel Brandenburger, wie Jörg Schönbohm– Innenminister des Landes Brandenburg – in seiner Ansprache zufrieden feststellte. Rund 30 von ihnen waren im Großen Saal erschienen. Menschen, die meist vor 1940 geboren wurden, die Studenten oder Schüler waren, als die Mauer gebaut wurde und die Stadt schließlich teilte. Und weil viele Augen viel sehen, sind die Zeitzeugen-Geschichten bunt geworden. Die Jury war beim Durchsehen der Beiträge „beeindruckt, glücklich – und uneins!“, meinte Andreas Ludwig, Leiter des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR, mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Es habe hitzige Diskussionen gegeben und immer wieder offene Fragen und Denkanstöße. Auch deshalb zogen die Mitglieder, die aus Verlag, Medien und Politik stammten, gleich vier Preisträger als „Fischzug aus dem Meer der Erinnerung“ wie Verleger Johann-Friedrich Huffmann die wertvollen literarischen Geschichten nannte.

Mit „verliebt, verlobt, verheiratet – und ein bisschen verwegen“ überzeugte der Journalist und ehemalige Tagesspiegel-Volontär Jürgen Friedenberg (2. Platz) die Jury durch eine Erzählung, die ein junges Pärchen in den Mittelpunkt stellt, das sich ausgerechnet den 14. August 1961 als Hochzeitstermin ausgesucht hat und zwischen Charlottenburg und Prenzlauer Berg hin- und her gerissen ist. Kristin Bochröder beschreibt in „Ostkreuz“ ihre Fluchtpläne von Ost- nach Westberlin, ihre Ängste und Träume. Die Köpenickerin bringt dem Leser in ihrer autobiografischen Erzählung ihre kritische Einstellung zum DDR-Regime nahe. Schließlich flüchtet sie mit einem gefälschten Pass in den Westen und heiratet ihren dortigen Freund. Jenny Schon, Stadtführerin in Potsdam und China-Liebhaberin, beleuchtet in „Mein erster Berlin-Marathon“ ihre aufregenden Erfahrungen als unerfahrenes Kölner Landei im wilden Westberlin 1968. Auf der Demo gegen den Schah-Besuch lernt sie einen jungen Studenten kennen und verliebt sich. Erst spät merkt sie, dass er Kontakte zur RAF hat. Sie folgt ihrem Geliebten nicht in die illegale Welt.

Alle vier Preisträger gaben Auszüge ihrer Werke zum Besten und erhielten als Preise Publizierungsgutscheine für weitere Veröffentlichungen. Peter Schüler konnte zudem ein kleines Kunstwerk mit nach Hause nehmen: Das „Buch der Erinnerung“, eine Skulptur des Metallkünstlers Achim Kühn.

Berlin-Interessierte, Neugierige und Zeitzeugen können sich auf den Juni freuen. Dann erscheinen die besten zehn Zeitzeugen-Erzählungen im Buchhandel – Titel: „Glückssuche im Schatten der Mauer“.

Montag, Oktober 08, 2007

Mauerblümchen feiert Tag der Republik

Mit einer Reportage aus dem Cafe Mauerblümchen gedenkt der Tagesspiegel heute dem Nationalfeiertag der DDR.
Die Wände sind geschmückt mit FDJ-Fahnen, DDR-Plakaten und Dynamo Dresden-Logos. „Betrieb der sozialistischen Arbeit“, steht auf einer Tafel neben dem Eingang. Erich Honecker und seine Genossen hätten sich hier bestimmt wohl gefühlt – wäre da nicht das knapp drei Meter lange Stück Berliner Mauer, das unter der Decke hängt. „Das Mauerblümchen“ in Prenzlauer Berg ist eine so genannte Ostalgie-Kneipe. Mit einem Augenzwinkern wird der Tag der Republik am 7. Oktober hier auch 18 Jahre nach dem Mauerfall noch gebührend gefeiert.