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Mittwoch, August 13, 2008

Skazka Orchestra im Privatclub



Ein kleiner Eindruck von den Live-Qualitäten des Skazka Orchestra aus Prenzlauer Berg.
Skazka bei myspace, bei my.sputnik und bei youtube

Montag, April 14, 2008

Esmarchstr.: In der Bibliothek wird ausgepackt

Wojciech Kuczok, Star der jungen polnischen Literatur, erhielt für seinen ersten Roman Gnój (Dreckskerl) 2004 den NIKE, den bedeutendsten polnischen Literaturpreis. Gabriele Leupold und Dorota Stroinska lesen aus ihrer ebenso preisverdächtigen Übersetzung des Romans und
berichten von der laufenden Arbeit an Kuczoks Essayband Höllisches Kino.

Was entsteht, wenn zwei Übersetzerinnen mit zwei Muttersprachen – in diesem Falle Deutsch und Polnisch – gemeinsam an einem Text arbeiten: ein Stoßmichziehdich? Oder eine Übersetzung, die alle Möglichkeiten beider Sprachen nutzt? Sind sprachübergreifende Übersetzertandems nur eine praktische, bequeme Form der Zusammenarbeit oder erreicht die Übersetzungskunst damit eine neue Stufe?

Der Roman Dreckskerl (Suhrkamp 2007) erzählt von den dramatischen Wendungen der deutschen und polnischen Geschichte im 20. Jahrhundert, deren Gewalt sich im privaten Leben der Familie K. fortsetzt. Höllisches Kino widmet sich in kurzen Essays europäischen Filmen, die an Tabus rühren und die Schwelle des Erträglichen überschreiten. In beiden Texten sind es besonders die Wortspiele, die Lakonie und die an Thomas Bernhard erinnernden Wiederholungen, die das Übersetzen
reizvoll machen.

Gabriele Leupold, *1954, übersetzt vor allem aus dem Russischen (u. a. Andrej Belyj, Vladimir Sorokin, Warlam Schalamow) und ist daneben auch als Moderatorin, Autorin und Herausgeberin tätig. 2003 erhielt sie für ihre Neuübersetzung von Belyjs Petersburg den Celan-Preis. Sie ist
Koautorin der Video-Dokumentation Spurwechsel. Ein Film vom Übersetzen (2003) und Mitherausgeberin des Bandes In Ketten tanzen. Übersetzen als reproduktive Kunst (Wallstein 2008).

Dorota Stroinska, *1965 in Poznan/Polen, studierte Neuere Deutsche Literatur, Slawistik und Linguistik in Poznan und an der FU Berlin. Seit 1994 übersetzt sie vor allem aus dem Deutschen ins Polnische (u.a. Karl Jaspers, Friedrich Nietzsche, Rüdiger Safranski, Lutz
Seiler, Undine Gruenter). 1998 erhielt sie den Übersetzerpreis des polnischen Übersetzerverbandes.

Freitag, 25. April 2008 um 20 Uhr
Kurt-Tucholsky-Bibliothek Prenzlauer Berg
Esmarchstraße 18
10407 Berlin
Eintritt frei!


www.auspacken.org

Mittwoch, Oktober 31, 2007

Was ist Kwas

Wer mal in einem der kleinen Russenläden in Prenzlauer Berg war, hat sicher diese großen Plastikflaschen gesehen, Gefüllt mit einer schwarzbraunen Flüssigkeit, nicht Bier, nicht Brause.
Auf dem Schildchen meist eine dicke Babuschka mit einem Glas in der Hand un darüber in kyrillischen Buchstaben das Wörtchen KBAC, also Kwas.

Ursprünglich war das ein kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetränk aus Wasser, Roggen und Malz. Kleine gelbe Tonnen auf Rädern prägten zu UdSSR-Zeiten das Straßenbild sowjetischer Städte. Für ein paar Kopeken bekam man an diesen Wagen ein olles Glas Kwas.

Die Perstroika ließ die kleinen Kwas-Händler weniger werden, aber nicht verschwinden.
Die großen Limonadenfabriken entdeckten den Dauertrend für sich und starteten die eigene Kwasproduktion. Aus wirtschaftlichen Gründen verwendeten sie jetzt mit Kohlensäure versetztes Mineralwasser, Zucker, Farbstoff und Aromen, die an den ursürünglichen Kwas erinnern sollen.

Retro-Produkte können Erfolg haben. Beispiele in Deutschland gibt es viele. Nudossi im Osten, Brauner Bär im Westen. In Russland ist es halt Kwas.

Nun hat Coca-Cola diesen Trend entdeckt und nimmt ihn durchaus ernst. Das macht dem russischen Limo-Hersteller Borodino Sorgen. Im März 2008 will Coca Cola mit einer eigenen Kwas-Version den russischen Limonadenmarkt aufmischen. Ob es die Westversion des Russenkwas auch in die kleinen "Magaziny" in der Berliner Innenstadt schaft, bleibt abzuwarten.

Donnerstag, August 02, 2007

Sowas filmt man nicht

In Russland kommt man schnell mal in Spionageverdacht. Besonders wenn man - wie der ukrainische Journalist Grigori Pasko - die russische Pazifikflotte beim Verklappen atomarer Abfälle im Japanischen Meer filmt. Dafür saß der Schreiberling erstmal 21 Monate in Untersuchungshaft und nach seiner Verurteilung vier Jahre im Straflager.
Sein Tagebuch half ihm, dem Wahnsinn standzuhalten. Jetzt hat er es im Göttinger Wallstein-Verlag veröffentlicht.

Grigori Pasko wurde 1962 in der Ukraine geboren. Er war als russischer Marineoffizier und Militärjournalist tätig. Im Jahr 2002 erhielt er den Menschenrechtspreis der Organisation „Reporter ohne Grenzen“. Sein Fall soll bald vor dem Europäischen Gerichtshof verhandelt werden.

PASKO, GRIGORI: Die rote Zone. Ein Gefängnistagebuch. Aus dem Russischen von Hannelore Umbreit. Wallstein Verlag, Göttingen 2006. 364 S., 24,90 Euro.

Samstag, Januar 20, 2007

Jenz Steiner jiggy jiggy


Russland - unendliche Weiten, unendlich viele tote Journalisten. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Hier werden Träume war. Hier kann man noch vom Tellerwäscher zum Milizionär werden oder einfach mal 5000 Platten verkaufen. Das sagte sich der Moskauer Discjockey und Produzent DJ Krypton und veröffentlichte als erster DJ auf dem russischen Markt MP3-R'n'B- und Rap-Sampler. um die deutsch-sowjetische Freundschaft auch knapp zwei jahrzehnte nach der Perestroika aufrecht zu erhalten, lud er Bühnenwunder Jenz Steiner ein, um auf dem aktuellen Sampler mitzuwirken. Die Compilation erscheint bei CD-Land und ist vorerst nur auf dem russischen Markt zu haben. Als Startauflage hat das Label kurz vorm Jahreswechsel 5000 Stück produzieren lassen. "Das Cover ist sehr an den Massengeschmack der russischen Jugend angeleht", sagt DJ Krypton. Mit seiner Samplerreihe wolle er sein Publikum mit der Nase auf Musik und Musiker stubsen, auf die sie sonst nie gestoßen wären, sagt der Moskauer Produzent.

Wer in Deutschland an Krypton feat. Steiner kommen will, sollte in einen der vielen kleinen Russenläden um die Ecke gehen und dort folgenden Satz formulieren:
"Izvinitje, poschalsta, u was usche jest rep i r'n'b diedschei kriptona iz Moskwui?"

Donnerstag, Januar 18, 2007

Fatima, reich mir die Flosse

Die Hand der Fatima wird überall im Orien auf den Basaren als Schmuckstück angeboten. Aber was ist die Story dahinter? Als Fatima, Mohammeds Tochter, eines Tages das Esssen zubereitete, kam ihr Mann Ali unerwartet in Begleitung einer jungen, schönen Dame herein. Bestürzt und gequält fuhr Fatima mit der Zubereitung der leckeren Süßspeise Halwa fort, bemerkte aber nicht, dass sie die zuckersüße Masse mit der bloßen Hand umrührte. Erst als Ali entsetzt hinzusprang, empfand sie Schmerz und zog die Hand aus dem Topf. Autsch, das tat richtig weh. Das nach unten gerichtete Handsymbol versinnbildlicht Loyalität und Reue. Es soll zudem Glück bringen, Geduld und Treue fordern und vor den Qualen der Eifersucht schützen.

Samstag, Dezember 02, 2006

Was hat der Aufstand in Ungarn 1956 mit Olympia zu tun?

Die Spiele der XVI. Olympiade begannen am 22. November 1956 in Melbourve, Australien. Es herrschte Frühling. Das Olympiadebüt auf der Südhalbkugel ging als die ersten Boykottspiele in die Geschichte ein. Die Niederlannde, die Schweiz und Spanien protestierten mit ihrem Olympiaverzicht gegen die blutige Niederschlagung des Ungarn-Aufstands durch die UdSSR. Ägypten, Irak und Libanon boykottierten die Völkerspiele wegen der französischen, britischen und israelischen Besetzung des Sinai im Rahmender Suezkrise. Die Vokrepublik China war gleich aus dem IOC ausgereten, weil das Komitee zwischenzeitlich Taiwan in die olympische Familie aufgenommen hatte. Unmittelbar nach Ende des "Olympic Festival" am 8. Dezember begann das "Christmas Festival"

Das Leben ist fein im Studentenwohnheim


Geknallt hat es vor ein paar Tagen in meinem alten Moskauer Zuhause, im Wohnheim der Lomonossow-Uni auf den Leninbergen. Besonders beeindruckt war ich vom Erlebnisbericht auf Lydis Blog. Ich habe mich an den 26. November vor genau drei Jahren erinnert gefühlt. Damals brannte ein Studentenwohnheim der Universität der Völkerfreundschaft aus. Viele Menschen starben. Am Morgen nach dem Brand kam ich eher zufällig am Gebäude vorbei. Meinen Erlebnisbericht aus diesen Tagen gibt es hier.
Foto: Jens Steiner

Mittwoch, Oktober 11, 2006

svobodny internet

"Im Gegensatz zu anderen Staaten wird bei uns nicht versucht, das Internet zu kontrollieren. Die Kabelnetze können sich frei entfalten und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern."

Der russische Präsident und Ex-Geheimdienstler Wladimir Putin soeben im ARD-Interview "Merkel & Putin - Das Doppelinterview"

Leute, mietet Internet-Server in Rußland!

gefunden beim Ostblog

Mit Anna und Klaus isses aus

Am Samstag, an Putins 54. Geburtstag, starb die Journalistin Anna Politkowskaya durch Schüsse in Brust und Kopf. Am Montag starb Klaus Renft nach langer Krankheit. Beide Tode haben mich irgendwie berührt. Vor drei Wochen begann ich Anna Politkowskayas Buch "In Putins Reich". Als ich es das letzte Mal las, musste ich es nach wenigen Minuten weglegen, Die elenden Geschichten gedemütigter Soldaten ließen mich im Bett hin und her wenden.

Klaus Renft habe ich vor einigen Jahren bei einer Weihnachtsfeier kennengelernt. Wenig später erfuhr ich, dass er schwer krank war. Immer mal wieder habe ich gehört, dass er trotzdem nicht in die Rockerrente gehen wollte. In meiner O-Ton Sammlung auf meinen Kassetten hab ich irgendwo noch die Rede der komischen SED-Frau, die 1975 das Spielverbot der Gruppe Renft bekannt gab und von einer lauten Welle der Empörung übertönt wurde. Seine Musik habe ich nie gezielt gehört, kennen tue ich sie trotzdem. Schließlich hat sie mein Land geprägt und ein Stück Geschichte geschrieben.

Freitag, August 25, 2006

Buddelflink mit Schuhanzieher

In Russland ist es leicht, zum Grenzverletzer zu werden. Manche Leute machen es sich aber auch unnoetig schwer und stellen sich etwas daaemlich an. Zum Beispiel zwei aegyptische Staatsbuerger, die sich gestern mit einem Schuhanzieher einen Tunnel in den Westen, also nach Polen gegraben haben. Nachdem sie sich unterm Stacheldraht durchgebudelt hatten, verliefen sie sich auf polnischem Territorium. Sie waren irritiert, weil sie auf einen weiteren Stacheldrahtzaun stiessen, den sie fuer die deutsche Grenze hielten. Die verpeilten Buddelflinks gruben sich jedoch wieder auf die russische Seite und machten dann Abenteuer-Urlaub in einer russischen Arrestzelle. Man sagt, der Service dort sei miserabel.


So koennte das Grenzverletzungswerkzeug ausgesehen haben

Die Grenztruppen setzten sie in einen Zug nach Moskau. Dort sollten sie die Aegyptische Botschaft aufsuchen. Die beiden stiegen aber schon in Smolensk aus und trampten bis Sevsk an der Grenze zur Ukraine. Dort versuchten sie nochmal über die Grenze zu kommen, Das klappte wieder nicht. Jetzt erwartet sie ein russischer Richter im westrussischen Staedtchen Briansk.
Da hat sich das Tourie-Visum für Russland wirklich gelohnt.