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Montag, Oktober 04, 2010
Zeitreise durch die Hufelandstraße
Der Fotograf Harf Zimmermann hat die Hufelandstraße im Bötzowviertel fotografiert, von innen und außen. Einmal vor gut zwei Jahrzehnten und nochmal jetzt. Die Geo fand das bemerkenswert und hat Teile dieser Serie hier auf ihre Website gepackt. Schade, dass kein Bild vom Fotolanden, dem Zoo-Handel, dem Matroschka-Laden und dem Kohlehandel dabei ist. Das waren immer meine Lieblingsstellen in der Hufe. Dank an AL für den Hinweis!
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Montag, August 02, 2010
Zitat des Tages
Den ganzen Tag im Café verbringen und abends weggehen. Das fühlt sich schon sehr gut an.
Schauspieler und Bötzowviertelbewohner Daniel Brühl heute in der Bingo-B.Z., S. 10
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Samstag, Juni 26, 2010
Bötzowstraßenwalk
Denn Sinn dieses Videos habe ich noch nicht erkennen können, aber man bekommt einen Blick in die Bötzowstraße im Jahr 2010. Ist ja auch irgendwann mal historisches Material.
Freitag, Juni 20, 2008
Die Bibliothek in der Esmarchstraße macht wieder auf
Nicht ganz hürdenlos war der Weg zur Wiedereröffnung der Kurt-Tucholsky-Bibliothek im Bötzowviertel. Der Bürgerverein Pro Kiez Bötzowviertel hat ein halbes Jahr dafür gekämpft. Jetzt sollen ehrenamtliche Mitarbeiter den Bibliotheksbetrieb weiterführen. Das ruft bei vielen Bibliotheksnutzern und Mitarbeitern gemischte Gefühle hervor. Einerseits ist die Freude groß, eine Bibliothek gerettet zu haben, andererseits schlummert da auch die Angst, das Land könne die falschen Schlüsse aus der ehrenamtlichen Rettungsaktion ziehen und nach und nach alle Profi-Bibliothekare in existenzbedrohten Bibliotheken gegen ehrenamtliche Mitarbeiter oder ALG2-Empfänger austauschen. Dieser Problematik ist man sich bei Pro Kiez e.V. bewusst. Deshalb wollen sich die Bücherretter dafür einsetzen, "dass Berlin die notwendigen Mittel zur Verfügung stellt, damit auch in der Kurt-Tucholsky-Bibliothek in der Zukunft wieder richtige Bibliothekare arbeiten können".

Für die Eröffnungsfeier am 28. Juni haben sie sich eine ganze Menge einfallen lassen.
Gegen 11 Uhr kommt Kulturstadtrat Dr. Michail Nelken. Jeweils um 13.30 Uhr und um 15 wird durch die Bibliothek geführt. Höhepunkt ist eine Lesung mit Star-Autor Ingo Schulze um 20 Uhr. Dazwischen gibt es Essen, Trinken und Musik, eine Lesequiz, Bastel,- Schmink- und Verkleidungsaction für Kinder.

Für die Eröffnungsfeier am 28. Juni haben sie sich eine ganze Menge einfallen lassen.
Gegen 11 Uhr kommt Kulturstadtrat Dr. Michail Nelken. Jeweils um 13.30 Uhr und um 15 wird durch die Bibliothek geführt. Höhepunkt ist eine Lesung mit Star-Autor Ingo Schulze um 20 Uhr. Dazwischen gibt es Essen, Trinken und Musik, eine Lesequiz, Bastel,- Schmink- und Verkleidungsaction für Kinder.
Donnerstag, Juni 19, 2008
Vor 70 Jahren wurde Liselotte Herrmann hingerichtet
Die meisten Bewohner des Bötzowviertels verbinden mit Liselotte Herrmann nur einen Straßennamen. Hermann ist nur 29 Jahre alt geworden. Sie lebte von 1909 bis 1938. Die Nazis richteten sie 1938 aufgrund "kommunistischer Aktivitäten" mit dem Fallbeil hin. Sie wurde bereits am 7. Dezember 1935 festgenommen. Ein Artikel bei BerlinOnline hier und der Eintrag bei Wikipedia hier.
Freitag, Mai 30, 2008
Das Holzhaus in der Esmarchstraße
Die Decken und Fußböden sind aus Fichtenholz, das Tragwerk und die Wände ebenfalls. Bei einer Blockhütte verwundert das nicht. Doch bei dem Haus in Berlin handelt es sich um einen Siebengeschosser für sechs Familien mitten in der Stadt. Die Architekten sagen, ihr Werk sei weltweit einzigartig.
Äußerlich hebt sich das 22 Meter hohe, siebengeschossige Gebäude an der Esmarchstraße 3 in Berlin-Prenzlauer Berg lediglich durch seine moderne Fassadengestaltung von der angrenzenden Bebauung aus der Gründerzeit ab.
Ein siebengeschossiges Wohnhaus aus Holz ist in Berlin fertiggestellt worden. Nur in der Schweiz stehe bereits ein vergleichbarer Bau mit sechs Geschossen, sagte Tom Kaden vom verantwortlichen Berliner Architekturbüro Kaden und Klingbeil. Bauherr des 2,25 Millionen Euro teuren Hauses aus Fichtenholz sind sechs Familien, die bereits eingezogen sind. Für den Siebengeschosser im Stadtteil Prenzlauer Berg habe man sogar die Berliner Bauordnung umgehen müssen, die nur Holzbauten mit einer Höhe bis zu fünf Geschossen vorsehe, erläuterte Kaden.
Nicht nur Decken und Fußböden - wie sonst im "steinernen Berlin" üblich - sondern auch Tragwerk und Wände sind aus Holz. Von außen ist das Gebäude nicht als Holzhaus erkennbar. Im Gegenteil, das Stadthaus mit der kubischen Aufteilung der Fassade ist betont modern gehalten und steht im Kontrast zur gründerzeitlichen Bebauung in der Straße. Die Fassade erhielt eine Dämmung aus Steinwolle und wurde verputzt. Die Wohnungen haben eine Größe zwischen 120 und 150 Quadratmetern.
Gefunden hat sich die Baugruppe über Annoncen, Aushänge und Mund-zu-Mund-Propaganda. Alle Beteiligten teilten von Anfang an die Idee einer ökologischen und nachhaltigen Bauweise, an der sie auch konsequent festhielten. Im Herbst 2005 entdeckten sie schließlich das Grundstück in der Esmarchstraße, das der Bezirk erst kurz zuvor aus der Freiflächenplanung gestrichen hatte.
Äußerlich hebt sich das 22 Meter hohe, siebengeschossige Gebäude an der Esmarchstraße 3 in Berlin-Prenzlauer Berg lediglich durch seine moderne Fassadengestaltung von der angrenzenden Bebauung aus der Gründerzeit ab.
Ein siebengeschossiges Wohnhaus aus Holz ist in Berlin fertiggestellt worden. Nur in der Schweiz stehe bereits ein vergleichbarer Bau mit sechs Geschossen, sagte Tom Kaden vom verantwortlichen Berliner Architekturbüro Kaden und Klingbeil. Bauherr des 2,25 Millionen Euro teuren Hauses aus Fichtenholz sind sechs Familien, die bereits eingezogen sind. Für den Siebengeschosser im Stadtteil Prenzlauer Berg habe man sogar die Berliner Bauordnung umgehen müssen, die nur Holzbauten mit einer Höhe bis zu fünf Geschossen vorsehe, erläuterte Kaden.
Nicht nur Decken und Fußböden - wie sonst im "steinernen Berlin" üblich - sondern auch Tragwerk und Wände sind aus Holz. Von außen ist das Gebäude nicht als Holzhaus erkennbar. Im Gegenteil, das Stadthaus mit der kubischen Aufteilung der Fassade ist betont modern gehalten und steht im Kontrast zur gründerzeitlichen Bebauung in der Straße. Die Fassade erhielt eine Dämmung aus Steinwolle und wurde verputzt. Die Wohnungen haben eine Größe zwischen 120 und 150 Quadratmetern.
Gefunden hat sich die Baugruppe über Annoncen, Aushänge und Mund-zu-Mund-Propaganda. Alle Beteiligten teilten von Anfang an die Idee einer ökologischen und nachhaltigen Bauweise, an der sie auch konsequent festhielten. Im Herbst 2005 entdeckten sie schließlich das Grundstück in der Esmarchstraße, das der Bezirk erst kurz zuvor aus der Freiflächenplanung gestrichen hatte.
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Dienstag, April 29, 2008
Ich kenne keinen Ludwig Trepte, aber er spazierte neulich durchs Bötzowviertel, mit der Welt
Er ist erst 19 Jahre alt und schon Grimme-Preisträger und Gewinner der Goldenen Kamera als bester Nachwuchsschauspieler. Unterwegs mit Ludwig Trepte in Prenzlauer Berg. In seinem Viertel, das für ihn das Mystische verloren hat
Ludwig Trepte überlegt lange, bevor er eine Antwort gibt. Er ringt mit sich. Nicht, dass er nicht weiß, was er sagen soll, nein, er sucht nach den Worten, die am treffendsten beschreiben, was er denkt. Und Ludwig Trepte denkt viel, er macht sich Gedanken über Waisenkinder in Peru, über die Figuren, die er als Schauspieler verkörpern soll sowieso, über Talent, Besitz, Verlust. Während andere 19-Jährige vielleicht versuchen, bei möglichst vielen Mädchen zu landen, sagt Ludwig Trepte Dinge wie "Liebe ist unausweichlich". Er meint das ernst.
Treffpunkt ist die Hufelandstraße in Prenzlauer Berg. Der Bötzowkiez, bei starkem Wind heute und Sonnenschein. Ludwig Trepte ist hier aufgewachsen.
Ludwig Trepte - vielleicht kennt nicht jeder seinen Namen, aber dieses Gesicht, ausdrucksstark, mit ernsten, braunen Augen, interessiert, erwachsen, trotzdem neugierig, verschmitzt, das kennt man. Von der Kinoleinwand, aus dem Fernsehen, dem Tatort "Schatten der Angst" zum Beispiel, der im türkischstämmigen Milieu in Ludwigshafen spielte und dessen Ausstrahlung wegen der Brandkatastrophe in einem Ludwigshafener Wohnhaus, bei dem neun Türken ums Leben kamen, um acht Wochen auf Anfang April verschoben wurde. Ludwig Trepte, 1,69 Meter groß, braune Locken bis über die Ohren, Lederjacke, Jeans. Eine Zigarette rauchend steht er da, zehn Minuten vor der verabredeten Zeit.
Seine Eltern, die Mutter eine Ergotherapeutin, der Vater, Stefan Trepte, ein bekannter Musiker in der DDR-Rockszene, hatten eine Wohnung nicht weit vom Treffpunkt, in der Pasteurstraße, einer Parallelstraße der Hufelandstraße. Bis sich die Eltern trennten, das war, als Ludwig Trepte fünf Jahre alt war, lebten sie hier zu dritt zusammen, danach weiter zu zweit.
Er kennt jede Ecke zwischen Volkspark Friedrichshain und Greifswalder Straße. Bilder kommen in ihm hoch, als wir in die Esmarchstraße einbiegen, Kindheitserinnerungen. Hier ist seine Grundschule, hier wohnten seine Freunde, hier war sein Kiez. Das Straßenbild habe sich stark verändert, sagt Ludwig Trepte.
An den Mauerfall kann er sich natürlich nicht erinnern, er war zu jung, aber an die alten Häuser, die schmutzig grauen und die braunen bröckelnden Fassaden im Oststadtteil Prenzlauer Berg. Jetzt: überall Baustellen, Gerüste. Die meisten Häuser strahlen in frischen Pastellfarben, unsanierter Baubestand ist kaum noch zu sehen. Ludwig Trepte bedauert das. "Das Rustikale, das Mystische verschwindet", sagt er. Er mochte das, rustikal und mystisch. Scheinbare Gegensätze, aber nur auf den ersten Blick. Straßenzüge, die etwas erzählen. Ein altes Haus mit unsanierter Fassade fällt ihm ein, das Foto will er unbedingt vor eben diesem Haus machen.
An der Ecke Esmarch-/Liselotte-Herrmann-Straße bleiben wir stehen. Das "Esmarch-Eck" hat noch geschlossen, es ist früher Vormittag. Draußen wirbt eine Tafel mit der "Lady's Night, jeden Donnerstag!". "Hat was von einer Stampe", sagt Ludwig Trepte und zündet sich eine weitere Zigarette an. Stampe, damit meint er so etwas wie Spelunke, eine urige Eckkneipe mit vielen Stammgästen und kaum Laufkundschaft. "So eine Bar, in der ein Detlef und ein Harald am Tresen sitzen, Abend für Abend."
Er meint sich zu erinnern, dass "Der Rote Kakadu" hier gedreht wurde, ein DDR-Liebesdrama mit Jessica Schwarz, Max Riemelt und Ronald Zehrfeld in Hauptrollen. Ludwig Trepte war damals, 2004, nicht dabei. "Leider", sagt er.
Er hätte dabei sein können, er wusste schon früh, dass er es ernst meint, mit der Schauspielerei. Im Alter von zwölf Jahren spielte Ludwig Trepte im "Tatort" mit, "Bienzle und der heimliche Zeuge". Um ungehindert drehen zu dürfen, verließ er das Gymnasium, mit 16 machte er seinen Realschulabschluss und ließ die Schule bleiben. Seither hat er jedes Jahr mehrere Filme gedreht, insgesamt sind es jetzt 20. Am kommenden Mittwoch startet sein neuester Film "1. Mai - Helden bei der Arbeit" in den Kinos. Er nimmt privaten Schauspielunterricht, er sagt: "Ich halte nichts von Naturtalent."
Den Beruf ernst nehmen, das bedeutet für Ludwig Trepte: Mit seiner Lehrerin Sigrid Andersson Drehbücher durchgehen, Szenen proben, die Rolle kennenlernen, unermüdlich ist er da. "Zuerst liest man das Drehbuch, liest das Drehbuch, liest das Drehbuch - immer und immer wieder." Um ein Gefühl für die Figur zu bekommen, die er spielen soll, zu verstehen, wie sie tickt. "Das Drehbuch ist das Skelett, man selbst gestaltet das Fleisch, den Charakter", sagt er. Inspiration findet er auf Spaziergängen, in der Natur, aber auch unter Menschen, auf der Straße. "Schauspielerei hat viel mit Beobachten zu tun, es ist wichtig, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen, neugierig zu sein." Um sich in eine Figur hineinzuversetzen, brauche er "manchmal nur eine Unterhose". Ein Kleidungsstück, um die Rolle zu verinnerlichen. "Dann wieder wühlt man tage- und nächtelang, bis irgendwann endlich das richtige Gefühl da ist." Er liest und fühlt und erneuert sich ständig. Stehen bleiben, das wäre für Ludwig Trepte wohl der Anfang vom Ende.
Wir gehen die Liselotte-Herrmann-Straße entlang in Richtung Friedrichshain. Er halte es mit Sokrates, sagt er: "Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden." Dabei ist dieser 19-Jährige, der viel älter wirkt als Altersgenossen, schon so vieles: Ausgezeichnet mit der Goldenen Kamera als bester Nachwuchsschauspieler, Adolf-Grimme-Preisträger (für "Guten Morgen, Herr Grothe"), Max-Ophüls-Preisträger (für seine Rolle in "Keller - Teenage Wasteland"). Trotzdem: Bloß nicht ausruhen. "Ausruhen heißt stehen bleiben", sagt er. Ludwig Trepte will lernen, und zwar von den Besten.
Mit Henry Hübchen drehte er ("ein unglaublich präziser Perfektionist"), mit Ulrich Mühe ("der pausenlos gearbeitet hat"), mit Götz George ("sehr introvertiert, sehr zurückgezogen, immer perfekt vorbereitet"). Und von allen nahm er etwas mit, lernte von ihnen. Die Leidenschaft, die Intensität, die Unermüdlichkeit - das alles steckt in ihm. Bei der Arbeit findet er Gleichgesinnte.
In einem der vielen Interviews kurz nach der Verleihung der Goldenen Kamera sagte er, die Anfragen von Journalisten würden mehr, doch an Rollenangeboten käme "genauso viel Mist wie vorher". Ja, der Mist, sagt er nun und überlegt lange, die inzwischen vierte Zigarette im Mundwinkel, mit "Mist" habe er Dinge gemeint, die ihn nicht weiterbringen - "momentan". "Ich bin natürlich gerade in einer Situation, in der ich zeigen muss, warum ich diese Auszeichnungen bekommen habe", sagt er und raucht. "Auch mir selbst."
Das Problem seiner Branche sei, sagt er, dass es "unglaublich viele Schauspieler und wenig gute Rollen" gebe. "Das muss schon ein großer Traum sein." Der Traum von Ludwig Trepte, ein guter Schauspieler zu sein, ist groß. Groß genug, um das alles, den Konkurrenzdruck, den Neid, die Kritik, auszuhalten. Sich weiterzuentwickeln. Nie stehen zu bleiben.
Entlang der Westseite des Parks spazieren wir in Richtung St. Bartholomäus-Kirche die Straße Am Friedrichshain herunter. Ludwig Trepte fingert die fünfte Zigarette aus der Schachtel. Hier, zwischen Häuserfronten auf der einen und Bäumen auf der anderen Seite, weht der Wind besonders stark. Die Glut frisst sich durch das Zigarettenpapier. Ludwig Trepte raucht in kurzen Zügen. "Ich bin auf der Suche nach dem, was ich wirklich will", sagt er plötzlich. "Ich meine, was mich treibt, wer ich bin", sagt er und holt gleich die nächste Zigarette hervor. "Ich gerate immer wieder ins Strudeln."
Er meint nicht so ein gefährliches, lebensbedrohendes Strudeln. Es könne auch etwas Gutes sein, sich neu zu entdecken, sich neu zu erfinden. Findet er. "Das ist wichtig für diesen Beruf." Halt in diesem ewigen Strudel gebe ihm die Liebe. Auch so ein Thema.
Intensiv lebt er auch sie. Während der Dreharbeiten zum Film "Ein Teil von mir", in dem er mit Karoline Teska ein jugendliches Paar spielte, verliebten sich die beiden Hauptdarsteller ineinander. Er sagt: "Karoline ist die Liebe meines Lebens." Eine junge Schauspielerin, die privat niemandem etwas vorspiele. Er überlegt kurz, "sie ist wahrhaftig", sagt er dann.
Die beiden wohnen in einer Altbauwohnung ganz in der Nähe, im Kollwitzkiez. "Liebe ist plötzlich da", sagt Ludwig Trepte, seine dunklen Augen strahlen. "Sie trifft einen, wenn man sie nicht erwartet, und dann ist es wie eine Explosion." Und man selbst, mittendrin, könne nichts mehr dagegen tun. Liebe eben, unausweichlich.
(lokale Kopie; Welt am Sonntag)
Ludwig Trepte überlegt lange, bevor er eine Antwort gibt. Er ringt mit sich. Nicht, dass er nicht weiß, was er sagen soll, nein, er sucht nach den Worten, die am treffendsten beschreiben, was er denkt. Und Ludwig Trepte denkt viel, er macht sich Gedanken über Waisenkinder in Peru, über die Figuren, die er als Schauspieler verkörpern soll sowieso, über Talent, Besitz, Verlust. Während andere 19-Jährige vielleicht versuchen, bei möglichst vielen Mädchen zu landen, sagt Ludwig Trepte Dinge wie "Liebe ist unausweichlich". Er meint das ernst.
Treffpunkt ist die Hufelandstraße in Prenzlauer Berg. Der Bötzowkiez, bei starkem Wind heute und Sonnenschein. Ludwig Trepte ist hier aufgewachsen.
Ludwig Trepte - vielleicht kennt nicht jeder seinen Namen, aber dieses Gesicht, ausdrucksstark, mit ernsten, braunen Augen, interessiert, erwachsen, trotzdem neugierig, verschmitzt, das kennt man. Von der Kinoleinwand, aus dem Fernsehen, dem Tatort "Schatten der Angst" zum Beispiel, der im türkischstämmigen Milieu in Ludwigshafen spielte und dessen Ausstrahlung wegen der Brandkatastrophe in einem Ludwigshafener Wohnhaus, bei dem neun Türken ums Leben kamen, um acht Wochen auf Anfang April verschoben wurde. Ludwig Trepte, 1,69 Meter groß, braune Locken bis über die Ohren, Lederjacke, Jeans. Eine Zigarette rauchend steht er da, zehn Minuten vor der verabredeten Zeit.
Seine Eltern, die Mutter eine Ergotherapeutin, der Vater, Stefan Trepte, ein bekannter Musiker in der DDR-Rockszene, hatten eine Wohnung nicht weit vom Treffpunkt, in der Pasteurstraße, einer Parallelstraße der Hufelandstraße. Bis sich die Eltern trennten, das war, als Ludwig Trepte fünf Jahre alt war, lebten sie hier zu dritt zusammen, danach weiter zu zweit.
Er kennt jede Ecke zwischen Volkspark Friedrichshain und Greifswalder Straße. Bilder kommen in ihm hoch, als wir in die Esmarchstraße einbiegen, Kindheitserinnerungen. Hier ist seine Grundschule, hier wohnten seine Freunde, hier war sein Kiez. Das Straßenbild habe sich stark verändert, sagt Ludwig Trepte.
An den Mauerfall kann er sich natürlich nicht erinnern, er war zu jung, aber an die alten Häuser, die schmutzig grauen und die braunen bröckelnden Fassaden im Oststadtteil Prenzlauer Berg. Jetzt: überall Baustellen, Gerüste. Die meisten Häuser strahlen in frischen Pastellfarben, unsanierter Baubestand ist kaum noch zu sehen. Ludwig Trepte bedauert das. "Das Rustikale, das Mystische verschwindet", sagt er. Er mochte das, rustikal und mystisch. Scheinbare Gegensätze, aber nur auf den ersten Blick. Straßenzüge, die etwas erzählen. Ein altes Haus mit unsanierter Fassade fällt ihm ein, das Foto will er unbedingt vor eben diesem Haus machen.
An der Ecke Esmarch-/Liselotte-Herrmann-Straße bleiben wir stehen. Das "Esmarch-Eck" hat noch geschlossen, es ist früher Vormittag. Draußen wirbt eine Tafel mit der "Lady's Night, jeden Donnerstag!". "Hat was von einer Stampe", sagt Ludwig Trepte und zündet sich eine weitere Zigarette an. Stampe, damit meint er so etwas wie Spelunke, eine urige Eckkneipe mit vielen Stammgästen und kaum Laufkundschaft. "So eine Bar, in der ein Detlef und ein Harald am Tresen sitzen, Abend für Abend."
Er meint sich zu erinnern, dass "Der Rote Kakadu" hier gedreht wurde, ein DDR-Liebesdrama mit Jessica Schwarz, Max Riemelt und Ronald Zehrfeld in Hauptrollen. Ludwig Trepte war damals, 2004, nicht dabei. "Leider", sagt er.
Er hätte dabei sein können, er wusste schon früh, dass er es ernst meint, mit der Schauspielerei. Im Alter von zwölf Jahren spielte Ludwig Trepte im "Tatort" mit, "Bienzle und der heimliche Zeuge". Um ungehindert drehen zu dürfen, verließ er das Gymnasium, mit 16 machte er seinen Realschulabschluss und ließ die Schule bleiben. Seither hat er jedes Jahr mehrere Filme gedreht, insgesamt sind es jetzt 20. Am kommenden Mittwoch startet sein neuester Film "1. Mai - Helden bei der Arbeit" in den Kinos. Er nimmt privaten Schauspielunterricht, er sagt: "Ich halte nichts von Naturtalent."
Den Beruf ernst nehmen, das bedeutet für Ludwig Trepte: Mit seiner Lehrerin Sigrid Andersson Drehbücher durchgehen, Szenen proben, die Rolle kennenlernen, unermüdlich ist er da. "Zuerst liest man das Drehbuch, liest das Drehbuch, liest das Drehbuch - immer und immer wieder." Um ein Gefühl für die Figur zu bekommen, die er spielen soll, zu verstehen, wie sie tickt. "Das Drehbuch ist das Skelett, man selbst gestaltet das Fleisch, den Charakter", sagt er. Inspiration findet er auf Spaziergängen, in der Natur, aber auch unter Menschen, auf der Straße. "Schauspielerei hat viel mit Beobachten zu tun, es ist wichtig, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen, neugierig zu sein." Um sich in eine Figur hineinzuversetzen, brauche er "manchmal nur eine Unterhose". Ein Kleidungsstück, um die Rolle zu verinnerlichen. "Dann wieder wühlt man tage- und nächtelang, bis irgendwann endlich das richtige Gefühl da ist." Er liest und fühlt und erneuert sich ständig. Stehen bleiben, das wäre für Ludwig Trepte wohl der Anfang vom Ende.
Wir gehen die Liselotte-Herrmann-Straße entlang in Richtung Friedrichshain. Er halte es mit Sokrates, sagt er: "Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden." Dabei ist dieser 19-Jährige, der viel älter wirkt als Altersgenossen, schon so vieles: Ausgezeichnet mit der Goldenen Kamera als bester Nachwuchsschauspieler, Adolf-Grimme-Preisträger (für "Guten Morgen, Herr Grothe"), Max-Ophüls-Preisträger (für seine Rolle in "Keller - Teenage Wasteland"). Trotzdem: Bloß nicht ausruhen. "Ausruhen heißt stehen bleiben", sagt er. Ludwig Trepte will lernen, und zwar von den Besten.
Mit Henry Hübchen drehte er ("ein unglaublich präziser Perfektionist"), mit Ulrich Mühe ("der pausenlos gearbeitet hat"), mit Götz George ("sehr introvertiert, sehr zurückgezogen, immer perfekt vorbereitet"). Und von allen nahm er etwas mit, lernte von ihnen. Die Leidenschaft, die Intensität, die Unermüdlichkeit - das alles steckt in ihm. Bei der Arbeit findet er Gleichgesinnte.
In einem der vielen Interviews kurz nach der Verleihung der Goldenen Kamera sagte er, die Anfragen von Journalisten würden mehr, doch an Rollenangeboten käme "genauso viel Mist wie vorher". Ja, der Mist, sagt er nun und überlegt lange, die inzwischen vierte Zigarette im Mundwinkel, mit "Mist" habe er Dinge gemeint, die ihn nicht weiterbringen - "momentan". "Ich bin natürlich gerade in einer Situation, in der ich zeigen muss, warum ich diese Auszeichnungen bekommen habe", sagt er und raucht. "Auch mir selbst."
Das Problem seiner Branche sei, sagt er, dass es "unglaublich viele Schauspieler und wenig gute Rollen" gebe. "Das muss schon ein großer Traum sein." Der Traum von Ludwig Trepte, ein guter Schauspieler zu sein, ist groß. Groß genug, um das alles, den Konkurrenzdruck, den Neid, die Kritik, auszuhalten. Sich weiterzuentwickeln. Nie stehen zu bleiben.
Entlang der Westseite des Parks spazieren wir in Richtung St. Bartholomäus-Kirche die Straße Am Friedrichshain herunter. Ludwig Trepte fingert die fünfte Zigarette aus der Schachtel. Hier, zwischen Häuserfronten auf der einen und Bäumen auf der anderen Seite, weht der Wind besonders stark. Die Glut frisst sich durch das Zigarettenpapier. Ludwig Trepte raucht in kurzen Zügen. "Ich bin auf der Suche nach dem, was ich wirklich will", sagt er plötzlich. "Ich meine, was mich treibt, wer ich bin", sagt er und holt gleich die nächste Zigarette hervor. "Ich gerate immer wieder ins Strudeln."
Er meint nicht so ein gefährliches, lebensbedrohendes Strudeln. Es könne auch etwas Gutes sein, sich neu zu entdecken, sich neu zu erfinden. Findet er. "Das ist wichtig für diesen Beruf." Halt in diesem ewigen Strudel gebe ihm die Liebe. Auch so ein Thema.
Intensiv lebt er auch sie. Während der Dreharbeiten zum Film "Ein Teil von mir", in dem er mit Karoline Teska ein jugendliches Paar spielte, verliebten sich die beiden Hauptdarsteller ineinander. Er sagt: "Karoline ist die Liebe meines Lebens." Eine junge Schauspielerin, die privat niemandem etwas vorspiele. Er überlegt kurz, "sie ist wahrhaftig", sagt er dann.
Die beiden wohnen in einer Altbauwohnung ganz in der Nähe, im Kollwitzkiez. "Liebe ist plötzlich da", sagt Ludwig Trepte, seine dunklen Augen strahlen. "Sie trifft einen, wenn man sie nicht erwartet, und dann ist es wie eine Explosion." Und man selbst, mittendrin, könne nichts mehr dagegen tun. Liebe eben, unausweichlich.
(lokale Kopie; Welt am Sonntag)
P-Berg Actor
Seit 20 Jahren lebt Schauspielerin Dana Golombek, gebürtige Brandenburgerin, in Berlin. Sie ist kreuz und quer durch die Stadt gezogen. Mittlerweile wohnt Dana Golombek zwischen Wasserturm, Kollwitzplatz und Bötzowviertel. Der Wasserturm, 1877 erbaut, ist das Wahrzeichen von Prenzlauer Berg. Dana genießt die angenehme Atmosphäre auf der grünen Plattform ringsum den „dicken Herrmann“, Berlins ältesten Wasserturm. Einfach hinsetzen und gemütlich ein Buch lesen. Nur empfehlen kann die Schaupielerin einen „Sundowner“ mit dem Liebsten. Der Ausblick auf die vielen schönen Bars, Cafés und Straßen zum Flanieren ist großartig. „Man fühlt sich hier oben ein bisschen über Allem.“
Dana stört die selbstgefällige Ignoranz einiger hinzugezogener Bewohner von Prenzlauer Berg. Die Schauspielerin vermisst die Freundlichkeit beim gemeinsamen Umgang miteinander. „Alle haben Kinder, trotzdem guckt jeder nur auf sich.“ Dadurch geht das kaputt, was Prenzlauer Berg so sympathisch gemacht hat. In den Neunzigern belebten Künstler und Filmschaffende die Gegend, heute sind es die Anwälte und Architekten der Filmschaffenden, die in den sanierten Altbau ziehen. Die stetig gestiegenen Kosten haben eine Verlagerung der Kreativenszene nach Friedrichshain zur Folge - der Zauber schwindet.
Weiter zum Artikel von Sophie Guggenberger
Tagesspiegel vom 29.04.2008
Dana stört die selbstgefällige Ignoranz einiger hinzugezogener Bewohner von Prenzlauer Berg. Die Schauspielerin vermisst die Freundlichkeit beim gemeinsamen Umgang miteinander. „Alle haben Kinder, trotzdem guckt jeder nur auf sich.“ Dadurch geht das kaputt, was Prenzlauer Berg so sympathisch gemacht hat. In den Neunzigern belebten Künstler und Filmschaffende die Gegend, heute sind es die Anwälte und Architekten der Filmschaffenden, die in den sanierten Altbau ziehen. Die stetig gestiegenen Kosten haben eine Verlagerung der Kreativenszene nach Friedrichshain zur Folge - der Zauber schwindet.
Weiter zum Artikel von Sophie Guggenberger
Tagesspiegel vom 29.04.2008
Sonntag, April 06, 2008
Prüfung für P-Bergs Schulen
Ab 2010 reicht der Platz für Erstklässler nicht mehr. Der Bezirk fordert mehr Geld vom Berliner Senat.
Immer mehr Mädchen und Jungen in Prenzlauer Berg entwachsen dem Kindergartenalter und kommen in die Schule. Vor allem in den Sanierungsgebieten werden den Grundschulen dann die Räume fehlen. Deshalb ist Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) derzeit auf „Sensibilisierungstour“, wie sie es nennt: Die Pankower Bildungsstadträtin wirbt bei der Landesschulverwaltung um Geld, um den Mangel beheben zu können.
Immerhin – sie hat Zeit dafür. Im Sommer vergangenen Jahres musste sie sich des Ärgers vieler Eltern erwehren, weil der Bezirk ihren Kindern Schulplätze zugewiesen hatte, die ihnen nicht gefielen. In diesem Jahr sei es noch ruhig, berichtet Zürn-Kasztantowicz. In der Regel hätten die Bürger ihre Kinder an den von ihnen gewünschten Schulen unterbringen können. Das liege zum einen daran, dass sich ab Sommer mit der neuen Gemeinschaftsschule an der Erich-Weinert-Straße das Angebot vergrößere. Zum anderen sei die Verwaltung anders als im Vorjahr gegen Scheinanmeldungen für Kinder, die gar nicht im Einzugsgebiet der betreffenden Schule wohnten, vorgegangen.
Doch in zwei Jahren droht erneut Ungemach. „Im Schuljahr 2010/11 kommt ein gewaltiger Sprung“, prognostiziert Zürn-Kasztantowicz. In Zahlen: 850 Erstklässler zählt der Bezirk für kommendes Schuljahr an den öffentlichen Schulen im Helmholtz-Kiez, im Kollwitzplatz- und Bötzowviertel. Den Anstieg um 130 Schüler im Vergleich zum laufenden Jahr kann der Bezirk noch auffangen. 2010/11 jedoch werden nach Rechnung des Bezirks 1080 Kinder eingeschult. Das Problem endet jedoch nicht an den Grenzen der drei Kieze: Bezirksweit stünden nach jetzigem Stand ganze 14 Klassen ohne Räume da. „Wir brauchen im Durchschnitt jedes Jahr eine neue Schule“, sagt Zürn-Kasztantowicz.
Bis Sommer will das Bezirksamt nun alle landeseigenen Gebäude auf ihre Eignung als Schulstandort prüfen lassen. Das soll auch dazu dienen, die anhaltende Kritik der unzufriedenen Eltern zu dämpfen: Zürn-Kasztantowicz will zeigen, dass sie keine mögliche Lösung außer Acht lässt. Dabei haben einige Eltern schon wieder Anlass zum Unmut: Der Umbau der Schule an der Danziger Straße zieht sich hin. Sie öffnet statt 2009 erst 2010. Es habe länger als erwartet gedauert, die acht Millionen Euro Baukosten aus EU-Töpfen zusammen zu bekommen, sagt die Bezirksstadträtin.
Immer mehr Mädchen und Jungen in Prenzlauer Berg entwachsen dem Kindergartenalter und kommen in die Schule. Vor allem in den Sanierungsgebieten werden den Grundschulen dann die Räume fehlen. Deshalb ist Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) derzeit auf „Sensibilisierungstour“, wie sie es nennt: Die Pankower Bildungsstadträtin wirbt bei der Landesschulverwaltung um Geld, um den Mangel beheben zu können.
Immerhin – sie hat Zeit dafür. Im Sommer vergangenen Jahres musste sie sich des Ärgers vieler Eltern erwehren, weil der Bezirk ihren Kindern Schulplätze zugewiesen hatte, die ihnen nicht gefielen. In diesem Jahr sei es noch ruhig, berichtet Zürn-Kasztantowicz. In der Regel hätten die Bürger ihre Kinder an den von ihnen gewünschten Schulen unterbringen können. Das liege zum einen daran, dass sich ab Sommer mit der neuen Gemeinschaftsschule an der Erich-Weinert-Straße das Angebot vergrößere. Zum anderen sei die Verwaltung anders als im Vorjahr gegen Scheinanmeldungen für Kinder, die gar nicht im Einzugsgebiet der betreffenden Schule wohnten, vorgegangen.
Doch in zwei Jahren droht erneut Ungemach. „Im Schuljahr 2010/11 kommt ein gewaltiger Sprung“, prognostiziert Zürn-Kasztantowicz. In Zahlen: 850 Erstklässler zählt der Bezirk für kommendes Schuljahr an den öffentlichen Schulen im Helmholtz-Kiez, im Kollwitzplatz- und Bötzowviertel. Den Anstieg um 130 Schüler im Vergleich zum laufenden Jahr kann der Bezirk noch auffangen. 2010/11 jedoch werden nach Rechnung des Bezirks 1080 Kinder eingeschult. Das Problem endet jedoch nicht an den Grenzen der drei Kieze: Bezirksweit stünden nach jetzigem Stand ganze 14 Klassen ohne Räume da. „Wir brauchen im Durchschnitt jedes Jahr eine neue Schule“, sagt Zürn-Kasztantowicz.
Bis Sommer will das Bezirksamt nun alle landeseigenen Gebäude auf ihre Eignung als Schulstandort prüfen lassen. Das soll auch dazu dienen, die anhaltende Kritik der unzufriedenen Eltern zu dämpfen: Zürn-Kasztantowicz will zeigen, dass sie keine mögliche Lösung außer Acht lässt. Dabei haben einige Eltern schon wieder Anlass zum Unmut: Der Umbau der Schule an der Danziger Straße zieht sich hin. Sie öffnet statt 2009 erst 2010. Es habe länger als erwartet gedauert, die acht Millionen Euro Baukosten aus EU-Töpfen zusammen zu bekommen, sagt die Bezirksstadträtin.
Freitag, März 14, 2008
Bibliothek gerettet und doch nicht gerettet
Alles muss man selber machen.
Nach Protesten der Bürger im Bötzowviertel wird die Kurt-Tucholsky-Bibliothek in der Esmarchstraße wahrscheinlich doch wiedereröffnet. Zum Jahreswechsel wurde die Leihbücherei geschlossen. Das benötigte Personal passte nicht mehr ins gekürzte Budget. Die Pankower Bezirksverordnetenversammlung beschloss am Mittwoch, vom Verein Pro Kiez ab April durch 30 ehrenamtliche Mitarbeiter weiterbetreiben zu lassen. Träger und Besitzer bleibt das Bezirksamt.
Ein Notlösung ist keine Lösung. Schlimm, wenn dieses Beispiel Schule macht und Bezirksämter bei existenzbedrohten Bibliotheken zukünftig gleich prüfen, ob man diese nicht ehrenamtlich betreiben könnte.
Nach Protesten der Bürger im Bötzowviertel wird die Kurt-Tucholsky-Bibliothek in der Esmarchstraße wahrscheinlich doch wiedereröffnet. Zum Jahreswechsel wurde die Leihbücherei geschlossen. Das benötigte Personal passte nicht mehr ins gekürzte Budget. Die Pankower Bezirksverordnetenversammlung beschloss am Mittwoch, vom Verein Pro Kiez ab April durch 30 ehrenamtliche Mitarbeiter weiterbetreiben zu lassen. Träger und Besitzer bleibt das Bezirksamt.
Ein Notlösung ist keine Lösung. Schlimm, wenn dieses Beispiel Schule macht und Bezirksämter bei existenzbedrohten Bibliotheken zukünftig gleich prüfen, ob man diese nicht ehrenamtlich betreiben könnte.
Freitag, November 02, 2007
P-Berg Crime
Zwei Männer haben am Mittwochabend einen Supermarkt in der Greifswalder Straße überfallen. Sie bedrohten vier Angestellte mit einer Schusswaffe und forderten Geld, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Danach fesselten sie die Angestellten und flüchteten mit ihrer Beute in unbekannter Höhe. Einer der Gefesselten konnte sich selbst befreien und alarmierte die Polizei. Was ich noch nicht herausgefunden habe, ist welcher Markt betroffen war. Lidl an der Ecke Hufeland oder Plus am S-Bahnhof. Kaisers ist, denke ich mal, zu groß und das Mühlencenter auch. Der Lidl ist zu belebt, also tippe ich mal auf den Plus. Da hat man auch gute Fluchtmöglichkeiten.
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Mittwoch, Oktober 31, 2007
Jetzt proben P-Bergs Eltern den Aufstand
Das Chaos an den Schulen im Babyboom-Viertel Prenzlauer Berg geht in die nächste Runde. Gestern protestierten Kinder und Eltern vor der Homer-Grundschule im Bötzowviertel für einen Platz zum neuen Schuljahr.
45 Erstklässler kann die Schule aufnehmen, fast 100 wohnen aber im Einzugsgebiet rund um die Pasteurstraße. "Ich wundere mich über den Grad an Dilettantismus bei der Behörde", ärgert sich Dorthe Ferber, die mit ihrem Sohn Carl demonstriert. Die benachbarte Turnvater Jahn-Grundschule kommt für sie und die meisten anderen Eltern wegen Sport-Orientierung und mäßigem Hort-Angebot nicht infrage.
Zu wenig Plätze wird es 2008 wohl auch an den Grundschulen am Planetarium, am Kollwitzplatz und am Falkplatz geben. Schul-Stadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) will zur Entlastung die Schinkel-Realschule an der Erich-Weinert-Straße zur Gemeinschaftsschule machen. Frage ist, was aus den Realschülern wird.
Dorthe Ferber und ihre Mitstreiter werden nach Anmeldung der Kinder zum Schulamt geladen. Dort müssen die Eltern erklären, warum ausgerechnet ihr Kind auf diese Grundschule soll. Das können Akademiker-Eltern bestimmt gut. Aber andere?
Zum Thema Schule in Prenzlauer Berg gibt es am 12. November, 20 Uhr, im Ballhaus Ost eine Diskussion mit Stadträtin Zürn und weiteren Experten.
Das meldet heute der Berliner Kurier
45 Erstklässler kann die Schule aufnehmen, fast 100 wohnen aber im Einzugsgebiet rund um die Pasteurstraße. "Ich wundere mich über den Grad an Dilettantismus bei der Behörde", ärgert sich Dorthe Ferber, die mit ihrem Sohn Carl demonstriert. Die benachbarte Turnvater Jahn-Grundschule kommt für sie und die meisten anderen Eltern wegen Sport-Orientierung und mäßigem Hort-Angebot nicht infrage.
Zu wenig Plätze wird es 2008 wohl auch an den Grundschulen am Planetarium, am Kollwitzplatz und am Falkplatz geben. Schul-Stadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) will zur Entlastung die Schinkel-Realschule an der Erich-Weinert-Straße zur Gemeinschaftsschule machen. Frage ist, was aus den Realschülern wird.
Dorthe Ferber und ihre Mitstreiter werden nach Anmeldung der Kinder zum Schulamt geladen. Dort müssen die Eltern erklären, warum ausgerechnet ihr Kind auf diese Grundschule soll. Das können Akademiker-Eltern bestimmt gut. Aber andere?
Zum Thema Schule in Prenzlauer Berg gibt es am 12. November, 20 Uhr, im Ballhaus Ost eine Diskussion mit Stadträtin Zürn und weiteren Experten.
Das meldet heute der Berliner Kurier
Dienstag, Oktober 30, 2007
Ohne Robotron kein SAP
Bis kurz nach der Wende befand sich in der Greifswalder Str. / Ecke Hufelandstr. eine Außenstelle der Robotron-Werke. Heute berichtet die Welt, dass das Kombinat Robotron Anfang der 70er eine Geschäftssoftware entwickelt hat, die allen anderen weit überlegen war. SAP konnte auf diese Robotron-Vorarbeit aus der DDR zurückgreifen und damit seinen weltweiten Siegeszug beginnen. Der Software-Konzern weist diese Behauptung jedoch vehement zurück.
Die "Forschungsstelle für Gesamtdeutsche wirtschaftliche und soziale Fragen" konstatierte 1990 in einer Studie für die Bundesrepublik: Auf den meisten Gebieten sei die DDR-Informatik zwar sechs bis zehn Jahre der westlichen Technologie hinterher gehinkt. Auch sei vieles "nachempfunden" worden. Doch habe die DDR mit den SOPS in den siebziger Jahren im europäischen Maßstab Pionierarbeit geleistet.
SAP und Siemens Nixdorf kaufen die Reste von Robotron
Aus der Robotron-Zentrale ging 1990 das "Software- und Systemhaus Dresden" (SRS) hervor, an dem zu gleichen Teilen SAP und Siemens Nixdorf beteiligt waren. Das Gros der 300 Mitarbeiter hatte zuvor bei Robotron gearbeitet. "Einige kamen damals zu mir und erzählten, sie hätten dort gar nicht groß eingewiesen werden müssen, weil die Software so ähnlich sei", erinnert sich Gräßler. Für ihn ein weiteres Indiz. Nun sucht der inzwischen 80-Jährige späte Gerechtigkeit.
Die "Forschungsstelle für Gesamtdeutsche wirtschaftliche und soziale Fragen" konstatierte 1990 in einer Studie für die Bundesrepublik: Auf den meisten Gebieten sei die DDR-Informatik zwar sechs bis zehn Jahre der westlichen Technologie hinterher gehinkt. Auch sei vieles "nachempfunden" worden. Doch habe die DDR mit den SOPS in den siebziger Jahren im europäischen Maßstab Pionierarbeit geleistet.
SAP und Siemens Nixdorf kaufen die Reste von Robotron
Aus der Robotron-Zentrale ging 1990 das "Software- und Systemhaus Dresden" (SRS) hervor, an dem zu gleichen Teilen SAP und Siemens Nixdorf beteiligt waren. Das Gros der 300 Mitarbeiter hatte zuvor bei Robotron gearbeitet. "Einige kamen damals zu mir und erzählten, sie hätten dort gar nicht groß eingewiesen werden müssen, weil die Software so ähnlich sei", erinnert sich Gräßler. Für ihn ein weiteres Indiz. Nun sucht der inzwischen 80-Jährige späte Gerechtigkeit.
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Sonntag, Oktober 28, 2007
Vom Arbeiterbezirk zur Bobotown
Arkaden oder Arcaden – das bleibt stets die Frage. Für die k-Version entschied man sich 1998 am Potsdamer Platz, beim c blieb es in den 1999 eröffneten Schönhauser Allee Arcaden. Beiden gemeinsam ist, dass die so betitelten Heimstätten der modernen Warenwelt mit den namensstiftenden klassischen Bogengängen wenig gemein haben. An sich lag es nahe, in der Schönhauser Allee, schon vor der Wende eine Einkaufsmeile, genau am Schnittpunkt von Tram, Bus, U- und S-Bahn, ein Einkaufszentrum zu bauen – direkt über dem S-Bahnhof, der dank eines Umbaus von 1962 auch vom Hochbahnhof der U-Bahn bequem zu erreichen ist. Im hinteren Teil des Geländes befand sich vorher ein großer Marktplatz mit Einzelhändlern. Er ist ebenso verschwunden wie der Flachbau rechts, in dem sich eines der wenigen, dafür umso begehrteren Ost-Berliner Fachgeschäfte für Meeresfrüchte befand: „Alles vom Fisch.“ Das historische Foto, aus einer Zeit, als man dort Zebrastreifen für die Fußgänger für ausreichend hielt, entstammt dem Bildband „Berlin-Ost. Das letzte Jahrzehnt“ von Thomas Uhlemann (Sutton Verlag, 127 S., 19,90 Euro).
DIE ERSTEN
Die Mauer öffnete sich 1989 zuerst an der Bornholmer Straße. Das war nur gerecht, galt doch schon zu DDR-Zeiten Prenzlauer Berg als Hort der Unangepassten, alles andere als Stromlinienförmigen. „Berlin Ecke Schönhauser“ hieß kaum zufällig in den fünfziger Jahren ein Ost-Kinohit über eine aufmüpfige Jugendgruppe. Später verband man den alten Bezirk vor allem mit Dichtern, Studenten, Kulturgruppen – noch später mit Oppositionellen, die sich in Zions- und Gethsemanekirche sammelten. Und auch heute geht der Stadtteil politisch eigene Wege: Bei der Abgeordnetenhauswahl 2006 gewannen in zwei von vier Wahlbezirken Grünen-Politiker. Damit bekamen erstmals im Ostteil der Stadt die Bündnisgrünen ein Direktmandat.
DIE SPORTLICHEN
Sport ist Mord – das gilt nicht für Prenzlauer Berg. International wichtige Wettkampfstätten sind hier zu Hause. Im Velodrom fanden 1999 die Bahnweltmeisterschaften im Radsport statt. Nebenan liegt die Schwimm- und Sprunghalle im Europapark. Beide Gebäude wurden für die Olympiabewerbung 2000 gebaut. Weichen musste dafür die Werner-Seelenbinder-Halle, in der viele SED-Parteitage stattfanden. Das Basketball-Team von Alba hat in der Max-Schmeling-Halle seine Heimat. Fußball-Bundesligist Hertha BSC hat in Prenzlauer Berg seine Wurzeln: 1892 wurde der Verein in der Kastanienallee gegründet.
DAS GERÜCHT
Wer sagt, im Prenzlauer Berg gebe es massenhaften Zuzug? Zumindest mit Zahlen lässt sich das nicht belegen. Bevölkerungsaustausch trifft es schon eher: Alteingesessene gehen, vor allem junge Familien und besser verdienende Singles kommen. Der Ortsteil des Reformbezirks Pankow wuchs von 1991 bis 2006 nur um 879 Bewohner. Drastischer ist der Verlust, den er seit 1961 hinnehmen musste. Damals wohnten hier fast 207 000 Menschen, heute sind es knapp 145 000. Aus maroden Häusern wurden sanierte Vorzeigeobjekte. Falkplatz und Helmholtzplatz wurden 1999 in das Quartiersmanagementverfahren eingebunden. Die Maßnahme wirkte. Selbst Stars wie Heike Makatsch oder Daniel Brühl entdeckten Prenzlauer Berg für sich. Und wieder spielte dort ein Kinohit: „Sommer vorm Balkon“.
LITERATUR
Die Mauer war weg, und Robert Liebling, Rechtsanwalt, machte sich gen Osten auf: Aus „Liebling Kreuzberg“ wurde zeitweise „Liebling Prenzlauer Berg“. Ulrich Plenzdorf ersann diese Folgen der TV-Serie, formte daraus auch Bücher – schade, es gibt sie nur noch antiquarisch. Über diese Quelle kann man auch Daniela Dahns „Prenzlauer Berg-Tour“ von 1987 beziehen – und sie mit der bei Rowohlt 2001 erschienenen Wiederauflage vergleichen. Auf die Gegend um den Helmholtzplatz konzentrieren sich die Autoren in dem Band „Prenzlauer Berg im Wandel der Geschichte“ (hrsg. von Bernt Roder und Bettina Tacke, be.bra Verlag), die Perspektive reicht von den Hinterhöfen der Kaiserzeit bis zur Mahnwache in der Gethsemanekirche im Oktober 1989 und den baulichen Veränderungen der Nachwendezeit. Vor allem Zeitzeugen kommen in „Berlin Prenzlauer Berg – Alltag und Geschichte 1920 – 1970“ von Jan Jansen zu Wort (Sutton Verlag). ac / mj
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 28.10.2007)
DIE ERSTEN
Die Mauer öffnete sich 1989 zuerst an der Bornholmer Straße. Das war nur gerecht, galt doch schon zu DDR-Zeiten Prenzlauer Berg als Hort der Unangepassten, alles andere als Stromlinienförmigen. „Berlin Ecke Schönhauser“ hieß kaum zufällig in den fünfziger Jahren ein Ost-Kinohit über eine aufmüpfige Jugendgruppe. Später verband man den alten Bezirk vor allem mit Dichtern, Studenten, Kulturgruppen – noch später mit Oppositionellen, die sich in Zions- und Gethsemanekirche sammelten. Und auch heute geht der Stadtteil politisch eigene Wege: Bei der Abgeordnetenhauswahl 2006 gewannen in zwei von vier Wahlbezirken Grünen-Politiker. Damit bekamen erstmals im Ostteil der Stadt die Bündnisgrünen ein Direktmandat.
DIE SPORTLICHEN
Sport ist Mord – das gilt nicht für Prenzlauer Berg. International wichtige Wettkampfstätten sind hier zu Hause. Im Velodrom fanden 1999 die Bahnweltmeisterschaften im Radsport statt. Nebenan liegt die Schwimm- und Sprunghalle im Europapark. Beide Gebäude wurden für die Olympiabewerbung 2000 gebaut. Weichen musste dafür die Werner-Seelenbinder-Halle, in der viele SED-Parteitage stattfanden. Das Basketball-Team von Alba hat in der Max-Schmeling-Halle seine Heimat. Fußball-Bundesligist Hertha BSC hat in Prenzlauer Berg seine Wurzeln: 1892 wurde der Verein in der Kastanienallee gegründet.
DAS GERÜCHT
Wer sagt, im Prenzlauer Berg gebe es massenhaften Zuzug? Zumindest mit Zahlen lässt sich das nicht belegen. Bevölkerungsaustausch trifft es schon eher: Alteingesessene gehen, vor allem junge Familien und besser verdienende Singles kommen. Der Ortsteil des Reformbezirks Pankow wuchs von 1991 bis 2006 nur um 879 Bewohner. Drastischer ist der Verlust, den er seit 1961 hinnehmen musste. Damals wohnten hier fast 207 000 Menschen, heute sind es knapp 145 000. Aus maroden Häusern wurden sanierte Vorzeigeobjekte. Falkplatz und Helmholtzplatz wurden 1999 in das Quartiersmanagementverfahren eingebunden. Die Maßnahme wirkte. Selbst Stars wie Heike Makatsch oder Daniel Brühl entdeckten Prenzlauer Berg für sich. Und wieder spielte dort ein Kinohit: „Sommer vorm Balkon“.
LITERATUR
Die Mauer war weg, und Robert Liebling, Rechtsanwalt, machte sich gen Osten auf: Aus „Liebling Kreuzberg“ wurde zeitweise „Liebling Prenzlauer Berg“. Ulrich Plenzdorf ersann diese Folgen der TV-Serie, formte daraus auch Bücher – schade, es gibt sie nur noch antiquarisch. Über diese Quelle kann man auch Daniela Dahns „Prenzlauer Berg-Tour“ von 1987 beziehen – und sie mit der bei Rowohlt 2001 erschienenen Wiederauflage vergleichen. Auf die Gegend um den Helmholtzplatz konzentrieren sich die Autoren in dem Band „Prenzlauer Berg im Wandel der Geschichte“ (hrsg. von Bernt Roder und Bettina Tacke, be.bra Verlag), die Perspektive reicht von den Hinterhöfen der Kaiserzeit bis zur Mahnwache in der Gethsemanekirche im Oktober 1989 und den baulichen Veränderungen der Nachwendezeit. Vor allem Zeitzeugen kommen in „Berlin Prenzlauer Berg – Alltag und Geschichte 1920 – 1970“ von Jan Jansen zu Wort (Sutton Verlag). ac / mj
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 28.10.2007)
Montag, Oktober 22, 2007
Bundesweiter Demonstrationsaufruf zum Stopp der Vorratsdatenspeicherung
"Bundesweiter Demonstrationsaufruf zum Stopp der
Vorratsdatenspeicherung"
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung ruft unter dem Motto
"Freiheit statt Angst - Für die Grundrechte!" zu bundesweiten
Demonstrationen am 6. November 2007 auf, um die von der Koalition
geplante Vorratsdatenspeicherung noch in letzter Minute zu stoppen.
Anlass für die Demonstrationen ist die Abstimmung des Deutschen
Bundestags am 9. November über den Gesetzesentwurf zur Neugestaltung
der Telekommunikationsüberwachung. Das Gesetz soll ab 2008 für
Sicherheitsbehörden rückblickend über 6 Monate nachvollziehbar
machen, wer wann mit welchen Adressen das Internet genutzt hat
und wer mit wem per Telefon oder E-Mail Kontakt hatte, bei Handy-
Nutzung einschließlich des Standorts. Diese Pläne der
Regierungskoalition zur Aufzeichnung von Informationen über die
Kommunikation, Beziehungen, Bewegung und Mediennutzung jedes Bürgers
stellen die bislang größte Gefahr für unser Recht auf ein
furchtloses, selbstbestimmtes und privates Leben dar. Wir fordern
die Abkehr von diesem verfassungswidrigen Generalangriff auf
Bürgerrechte und Datenschutz in Deutschland.
Mit friedlichen Protesten soll am 6. November von 17:00 bis
19:00 Uhr vor Rathäusern und
Regierungsgebäuden für die Grundrechte eingetreten werden. Die
Kundgebungen knüpfen an die Berliner Großdemonstration vom 22.
September an, welche mit 15.000 Teilnehmern die größte
Bürgerrechtsdemonstration seit der deutschen Wiedervereinigung war.
Damit soll die Unverhältnismäßigkeit einer totalen Protokollierung
jeglicher Telekommunikation nun in vielen deutschen Städten deutlich
gemacht werden.
Demonstrationen sind bereits in Planung in Berlin, Bremen, Frankfurt
am Main, Bonn, Köln, Leipzig, Karlsruhe, München und Münster.
Weitere Städte sowie Einzelheiten werden auf der Internetplattform
des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung abrufbar sein. Die Veranstalter rufen
die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Kundgebungen auf,
Grundgesetze, Kerzen, Fackeln oder Grablichter mitzubringen.
1. Eine derart weitreichende Registrierung des Kommunikations-,
Bewegungs- und Internetnutzungsverhaltens greift unverhältnismäßig
in die persönliche Privatsphäre ein.
2. Die geplante Vorratsdatenspeicherung hebt den Schutz besonderer
Vertrauensbeziehungen auf und beeinträchtigt dadurch berufliche
Aktivitäten.
3. Die geplante Vorratsdatenspeicherung verhindert Terrorismus und
Kriminalität nicht.
4. Die geplante Vorratsdatenspeicherung belastet Wirtschaft und
Verbraucher mit hohen Kosten und schränkt Zugangsmöglichkeiten zum
Internet ein.
5. Die geplante Vorratsdatenspeicherung diskriminiert Nutzer von
Telefon, Handy und Internet gegenüber anderen Kommunikationsformen
wie der Post und unmittelbaren Gesprächen.
6. Die geplante Vorratsdatenspeicherung verletzt das Menschenrecht
auf Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung. Sie ist daher
verfassungswidrig.
7. Wegen offensichtlicher Rechtsverstöße ist der deutsche
Gesetzgeber nicht zur Umsetzung der EU-Richtlinie zur
Vorratsdatenspeicherung verpflichtet.
Pressekonferenz:
Am 02.11.07 um 10:30 laden wir zu einer Pressekonferenz in den
Robert-Havemann-Saal ein, Haus der Demokratie und Menschenrechte,
Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin.
Vorratsdatenspeicherung"
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung ruft unter dem Motto
"Freiheit statt Angst - Für die Grundrechte!" zu bundesweiten
Demonstrationen am 6. November 2007 auf, um die von der Koalition
geplante Vorratsdatenspeicherung noch in letzter Minute zu stoppen.
Anlass für die Demonstrationen ist die Abstimmung des Deutschen
Bundestags am 9. November über den Gesetzesentwurf zur Neugestaltung
der Telekommunikationsüberwachung. Das Gesetz soll ab 2008 für
Sicherheitsbehörden rückblickend über 6 Monate nachvollziehbar
machen, wer wann mit welchen Adressen das Internet genutzt hat
und wer mit wem per Telefon oder E-Mail Kontakt hatte, bei Handy-
Nutzung einschließlich des Standorts. Diese Pläne der
Regierungskoalition zur Aufzeichnung von Informationen über die
Kommunikation, Beziehungen, Bewegung und Mediennutzung jedes Bürgers
stellen die bislang größte Gefahr für unser Recht auf ein
furchtloses, selbstbestimmtes und privates Leben dar. Wir fordern
die Abkehr von diesem verfassungswidrigen Generalangriff auf
Bürgerrechte und Datenschutz in Deutschland.
Mit friedlichen Protesten soll am 6. November von 17:00 bis
19:00 Uhr vor Rathäusern und
Regierungsgebäuden für die Grundrechte eingetreten werden. Die
Kundgebungen knüpfen an die Berliner Großdemonstration vom 22.
September an, welche mit 15.000 Teilnehmern die größte
Bürgerrechtsdemonstration seit der deutschen Wiedervereinigung war.
Damit soll die Unverhältnismäßigkeit einer totalen Protokollierung
jeglicher Telekommunikation nun in vielen deutschen Städten deutlich
gemacht werden.
Demonstrationen sind bereits in Planung in Berlin, Bremen, Frankfurt
am Main, Bonn, Köln, Leipzig, Karlsruhe, München und Münster.
Weitere Städte sowie Einzelheiten werden auf der Internetplattform
des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung abrufbar sein. Die Veranstalter rufen
die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Kundgebungen auf,
Grundgesetze, Kerzen, Fackeln oder Grablichter mitzubringen.
1. Eine derart weitreichende Registrierung des Kommunikations-,
Bewegungs- und Internetnutzungsverhaltens greift unverhältnismäßig
in die persönliche Privatsphäre ein.
2. Die geplante Vorratsdatenspeicherung hebt den Schutz besonderer
Vertrauensbeziehungen auf und beeinträchtigt dadurch berufliche
Aktivitäten.
3. Die geplante Vorratsdatenspeicherung verhindert Terrorismus und
Kriminalität nicht.
4. Die geplante Vorratsdatenspeicherung belastet Wirtschaft und
Verbraucher mit hohen Kosten und schränkt Zugangsmöglichkeiten zum
Internet ein.
5. Die geplante Vorratsdatenspeicherung diskriminiert Nutzer von
Telefon, Handy und Internet gegenüber anderen Kommunikationsformen
wie der Post und unmittelbaren Gesprächen.
6. Die geplante Vorratsdatenspeicherung verletzt das Menschenrecht
auf Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung. Sie ist daher
verfassungswidrig.
7. Wegen offensichtlicher Rechtsverstöße ist der deutsche
Gesetzgeber nicht zur Umsetzung der EU-Richtlinie zur
Vorratsdatenspeicherung verpflichtet.
Pressekonferenz:
Am 02.11.07 um 10:30 laden wir zu einer Pressekonferenz in den
Robert-Havemann-Saal ein, Haus der Demokratie und Menschenrechte,
Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin.
Sonntag, Oktober 21, 2007
Oliver Pocher im Bötzowviertel
Wenn der Hannoveraner Versicherungskaufmann und Moderator mit seinem Neuwagen ins Bötzowviertel fährt, ist das der Welt schon einen langen Artikel wert.
Was er dort konkret will und macht, bleibt jedoch unklar.
Vor einem Straßenrestaurant in Berlin-Charlottenburg steigt Oliver Pocher in einen neuen Mercedes-Benz 320 CLK, Mietwagen, erst 1728 Kilometer gefahren, und fährt damit einmal quer durch Berlin bis zum Prenzlauer Berg, genau gesagt zum Bötzowviertel, einem Edel-Minibereich innerhalb des Prenzlauer Bergs.
Was er dort konkret will und macht, bleibt jedoch unklar.
Sonntag, August 19, 2007
P-Berg ganz vorn bei den In-Vierteln
„In-Viertel“ sind Gegenden, die vom Ruf leben, gefragt zu sein, eine besondere Atmosphäre zu vermitteln. Aber eigentlich ist es ein gefühlter, erin hohler Begriff. Der Überzeugung ist auch der Stadt- und Regionalsoziologe Hartmut Häußermann von der Humboldt-Uni im gestrigen Tagesspiegel. Häußermann meint in dem Artikel, dass sich ein In- Viertel aus einem zunächst vernachlässigten Gebiet mit Leerstand entwickelt. Es wird von Künstlern entdeckt, die hier billig leben und arbeiten können. Es wird zum Bohème-Viertel, wird kulturell attraktiv, auch „schräg“, es zieht Infrastruktur wie Galerien, Lokale und Clubs mit sich, wird interessant. Auf die maroden Altbauten wird die Immobilienwirtschaft aufmerksam, sie saniert die Gebäude, wertet sie auf, und irgendwann verschwindet die Szene vielleicht auch wieder, weil sie hohe Mieten nicht mehr zahlen kann. In kann schnell out werden.
Barbara Schönig vom Institut für Soziologie an der TU verweist im gleichen Artikel auf Berlin Mitte hin. Den Künstlern, die sich irgendwann die Lage nicht mehr leisten können, würden sogenannte „Urbaniten“, junge, alleinstehende Leute mit Geld folgen. spricht von Gentrifizierung heißt das Zauberwort: Umstrukturierung eines Stadtteils. „Pioniere“ werten ihn auf, machen ihn teuer, alteingesessene Bewohner fühlen sich vertrieben, ziehen weg. In Prenzlauer Berg seien es vor allem studentische Pioniere gewesen, die mit Clubs, Szeneläden und Lokalen im Gefolge Leben auf die Straße gebracht hätten.
Gerade hier gebe es einen starken Verdrängungsprozess, sagt Barbara Schönig, „extrem hochpreisige“ neue Häuser. Das Bötzowviertel sei inzwischen ein Wohn-In-Viertel. Sie vermutet, dass der Kern des In-Viertels aus Prenzlauer Berg weiterzieht, Richtung Friedrichshain.
Kreuzberg, das in den siebziger- und achtziger Jahren von Leerstand und Hausbesetzungen geprägt war, werde ihrer Ansicht nach von Barbara Schönig als In-Viertel nicht mehr so stark wahrgenommen. Die Mieten gelten als relativ teuer, am Landwehrkanal gebe es jedoch noch „Wohn-In-Viertel“.
Hoffentlich kommen beide Forscher jetzt nicht auch noch wie Dr. Andrej Holm. ins Gefängnis, nur weil sie sich mit der Umstrukturierung des Raumes beschäftigt haben.
Barbara Schönig vom Institut für Soziologie an der TU verweist im gleichen Artikel auf Berlin Mitte hin. Den Künstlern, die sich irgendwann die Lage nicht mehr leisten können, würden sogenannte „Urbaniten“, junge, alleinstehende Leute mit Geld folgen. spricht von Gentrifizierung heißt das Zauberwort: Umstrukturierung eines Stadtteils. „Pioniere“ werten ihn auf, machen ihn teuer, alteingesessene Bewohner fühlen sich vertrieben, ziehen weg. In Prenzlauer Berg seien es vor allem studentische Pioniere gewesen, die mit Clubs, Szeneläden und Lokalen im Gefolge Leben auf die Straße gebracht hätten.
Gerade hier gebe es einen starken Verdrängungsprozess, sagt Barbara Schönig, „extrem hochpreisige“ neue Häuser. Das Bötzowviertel sei inzwischen ein Wohn-In-Viertel. Sie vermutet, dass der Kern des In-Viertels aus Prenzlauer Berg weiterzieht, Richtung Friedrichshain.
Kreuzberg, das in den siebziger- und achtziger Jahren von Leerstand und Hausbesetzungen geprägt war, werde ihrer Ansicht nach von Barbara Schönig als In-Viertel nicht mehr so stark wahrgenommen. Die Mieten gelten als relativ teuer, am Landwehrkanal gebe es jedoch noch „Wohn-In-Viertel“.
Hoffentlich kommen beide Forscher jetzt nicht auch noch wie Dr. Andrej Holm. ins Gefängnis, nur weil sie sich mit der Umstrukturierung des Raumes beschäftigt haben.
Donnerstag, Juli 05, 2007
Till Schweiger und die Loveparade...
haben nicht so viel gemein. Naja, doch, ihren Firmensitz. Die alte Bötzow-Brauerei in der Prenzlauer Allee. Schön da. Besonders die Kellergewölbe. Nun soll das Grundstück verkauft werden und "Kulturwirtschaft" angesiedelt werden, schreibt Springers Welt.
Dienstag, Juli 03, 2007
Die Franzosen vom Berg
Wie französisch Berlin Prenzlauer Berg ist, beschreibt heute ein Artikel im Tagesspiegel von Sebastian Rothe. Klar, das da "Chez Maurice" in der Bötzowstraße/ Ecke Pasteurstr. nicht fehlen darf. Dabei macht der Laden meist einen uneinladenden Eindruck. Türen offen, aber Rolladen runter. Fehlt nur ein Schild "Bloß nicht reinkommen".
Zu DDR-Zeiten zierte ein gemaltes Lumpenmännlein das Ladenlokal. Damals war das noch eine SERO-Altstoff-Annahmestelle. Mit der Wende verschwanden die Altstoffsammler. Der damalige Inhaber stieg um auf Ersatzteile für Westautos und überlebte die Neunziger mit Ach und Krach.
Zu DDR-Zeiten zierte ein gemaltes Lumpenmännlein das Ladenlokal. Damals war das noch eine SERO-Altstoff-Annahmestelle. Mit der Wende verschwanden die Altstoffsammler. Der damalige Inhaber stieg um auf Ersatzteile für Westautos und überlebte die Neunziger mit Ach und Krach.
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Donnerstag, Mai 24, 2007
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