Sonntag, Juni 13, 2010

Ausgeknaackt

Wenn ich heute durch die Greifswalder Straße laufe, fühle ich mich manchmal ans Neukölln der frühen Neunziger erinnert. Tote Läden, kaum Menschen auf der Straße, kein spürbares Fünkchen kulturellen Lebens. Das wird noch schlimmer werden. Der 58 Jahre alte Knaack-Klub will die Türen in der Greifsi schließen. Das berichtet der Tagesspiegel. Die Betreiber hätten sich demnach schon eine Location in Kreuzberg betrachtet, in der sie mit neuem Namen und neuem Konzept weiter einen Klub ähnlicher Art betreiben könnten.

Zu gut für diesen Bezirk

Auch wenn ich nicht zu den regelmäßigen Knaack-Besuchern zähle, ist es aus meiner Sicht doch ein kultureller Verlust für den Bezirk. Doch weder für die Entscheidungsträger in der Verwaltung noch für die meisten Bewohner Prenzlauer Bergs scheinen solche sogenannten weichen Standortfaktoren wie kulturelle Vielfalt eine große Rolle zu spielen. Insofern ist der Schritt der Knaack-Betreiber wahrscheinlich logisch und schlüssig.

Die Vergangenheit ist vergangen. Ich habe im Knaack ein paar tolle Konzerte miterlebt und stand auch selbst mal auf der Bühne. Besonders The Pharcyde, Del, Army of da Pharaohs und Pilskills sind mir in guter Erinnerung geblieben und werden es auch bleiben.

Kommentare:

Der Ecoluddit hat gesagt…

Ich kann mich erinnern, dass ich dort "MC 900 Feet Jesus" Mitte der 90er angeschaut habe.
Auch ich war nicht allzu oft im Knaak, aber ich teile deine Meinung vollkommen.
Ähnliches ist ja auch dem Magnet-Club vor nicht allzu langer Zeit widerfahren.

OFF-kut hat gesagt…

RJD2 und Mr. lif sowie Slug bei einem Matinee hab ich persönlich noch am stärksten in Erinnerung.
Bei Rjd2 ist mir zwar fast das Trommelfell zerborsten, weil die Anlage komplett übersteuert, aber es war trotzdem gigantisch gut.

In den späten 90ern hing man als Jungspunt öfters im vorderen teil des Klubs ab, später wurds dann etwas nerviger mit den Kids. Aber ja auch ein Teil der eigenen Jugend wird damit Geschichte, wenn der Club wie nachm Magnet seine Pforten schließt.
Dann wird eine weiter kulturelle Institution die Straße verlassen haben. So wie Vieles in der Straße. Bis auf den Bäcker vorne an der Roller-Str. und den Fleischer an der Hufelandstr hat sich ja auch kaum was gehalten, was man noch mit Vorwende-Zeiten in Verbindung bringen könnte.
Aber ja, das wird jetzt alles Teil der eigenen Geschichte, die nur noch kleinlaut und larmoyant besungen und gehuldigt werden kann.