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Samstag, Mai 17, 2008

Galerien zu Gethsemane

Im Umfeld der Gethsemane-Kirche im Bezirk Prenzlauer Berg hat die Galerie von Anke Zeisler ihren Stammsitz. Wie kommt man dazu, eine Galerie zu eröffnen und wie ist Anke Zeisler überhaupt zur Kunst gekommen? "Durch meine Mutter. In meiner Kinderzeit schrieb und vor allem zeichnete sie Kinderbücher. Ich habe das gesehen und selbst gern gemalt. In der Schule hieß es immer: Du wirst mal Künstlerin. Aber ich dachte, so gut bin ich nicht."

So studierte sie Pädagogik (Kunsterziehung und Deutsch) an der Humboldt-Universität. "Es war eine klassische akademische Ausbildung plus Kunstgeschichte." Nach dem Studium unterrichtete Anke Zeisler dann für kurze Zeit an einer Schule in Berlin-Oberschöneweide. Es folgte 1981 ein privater Umzug nach Frankfurt/Oder. "Dort fing ich im 'Zentrum für künstlerische Werkstätten und Bildende Kunst' an. Das war eine Einrichtung, die mit Künstlern des Bezirks zusammengearbeitete. Ich leitete da den Bereich 'Ausstellungspolitik'. Da habe ich von der Pike auf gelernt, wie man Ausstellungen organisiert: Planung, Atelierbesuche, Auswahl der Werke, Ausstellungs-Aufbau, Reden und Katalogtexte schreiben."

Die Idee, eine eigene Galerie zu eröffnen, hatte Anke Zeisler schon lange. "Ja. 2001 ging ich nach Berlin und eröffnete da im November meine eigene Galerie. Ich hatte das Gefühl, die Zeit war reif dafür und ich wusste, wie ich das mache. Das Geld reichte für ein Jahr, und ich sagte mir, wenn das verbraucht ist ohne es geschafft zu haben, kann ich ja zurückgehen." Sie fand es schon immer spannend, neue Künstler kennenzulernen, und hatte durch die langjährige Kuratorentätigkeit viele Kontakte. "Die Künstler, die ich am meisten schätzte, fragte ich, ob sie bereit wären, in meiner Galerie auszustellen. Die erste Ausstellung bestritt Ruth Tesmar."

Als Anke Zeisler eines Tages eine ihrer Künstlerinnen der Guardini-Stiftung wegen der dort gepflegten Verbindung von Kunst, Religion und Philosophie erfolgreich empfohlen hatte, zeigte sich, dass die Stiftung mit der Kunsthalle Vierseithof in Luckenwalde kooperierte und dort gerade die letzte Ausstellung plante. "Mit dem Mäzen und Betreiber der Kunsthalle gab es gab es schnell Gespräche über die Zukunft und das weitere Programm der Kunsthalle, und im März 2006 wurde ich als Kuratorin bestellt. Seit dem kann ich dort das künstlerische Programm gestalten. Die erste Ausstellung zeigte Werke von Sylvia Hagen und Dorit Bearach. Die Kunsthalle hat einen Förderverein, dem Reinhardt Stangl vorsteht." Und ganz nebenbei kuratiert Anke Zeisler noch Ausstellungen für Museen und andere Auftraggeber, macht Kataloge und ist Kunst-Beraterin eines großen Münchner Unternehmens, das in Berlin eine Repräsentanz unterhält.


Veit Stiller
www.galerie-zeisler.de

Mittwoch, April 23, 2008

Prenzlauer Ecke Wilhelm-Pieck-/ Torstr. wird Edelbutze

Wenn das Marx und Engels wüssten! Aus der alten Kommunisten-Zentrale an der Ecke Torstraße/Prenzlauer Allee wird ein exklusives Club House. Aber nicht nur "For members only", jeder darf rein.

Torstraße 1, das war nach dem Krieg bis 1990 die erste Adresse für alle Marxisten: In dem früheren Kaufhaus (1928/29 gebaut) residierte erst das Zentralkomitee der Staatspartei SED, dann das Institut für Marxismus und Leninismus. Wo früher Marxisten ein und aus gingen, sollen ab Herbst 2009 Mitarbeiter aus der Medienbranche sich in exklusivem Ambiente wohlfühlen. Dafür lassen britische Investoren das Haus nach der Plänen des Büros JSK Architekten umkrempeln.

Im Erdgeschoss sind die Eingangshalle, Restaurants und eine Galerie geplant, vielleicht auch Geschäfte. In die beiden Etagen darüber sollen Büros einziehen. Im 3. Stock (hier hatte der erste DDR-Präsident Wilhelm Pieck sein Büro) und im vierten wird ein Boardinghaus einziehen. Auf den anderen Etagen wird es Clubräume, Bibliothek, Bar geben. Doch der Höhepunkt liegt auf dem Dach: Clou ist ein 70 Quadratmeter großer Pool samt Terrasse und Bistro mit weitem Blick über Berlin.

Soho Clubs (der erste wurde 1995 gegründet) gibt es bisher beispielsweise in London, New York und Hongkong. Hier können sich die Mitglieder zu Geschäftsgesprächen treffen, aber auch einfach nur entspannen.

(lokale Kopie, Susanne Kröck, Berliner Kurier, 23.04.2008)

Freitag, März 28, 2008

Schöne Zwischennutzung in der Schönhauser

Immer wieder bleiben Neugierige vor dem Schaufenster der Schönhauser Allee 8 stehen - dort, wo früher der Tattoo-Shop des White Trash war. Was sie sehen, sieht ganz und gar nicht nach Laden aus. In einem der Räume hinter der Scheibe hängen Bilder an der Wand, daneben sieht man ein rot beleuchtetes Durcheinander verschiedenster Gegenstände. Sechs Wochen lang hat sich dort auf 200 Quadratmetern der aus Barcelona stammende Künstler Anton Unai ausgetobt. Kurz vor Ostern wurde der 33-Jährige fertig; zwei Wochen lang kann man jetzt die künstlerische Zwischennutzung bewundern

Unai ist kein Street Artist, aber auch er benutzt oft Wände statt Leinwände für seine Bilder. Zudem hat er fast alle Materialien, auf die er malt oder mit denen er Installationen gestaltet, auf der Straße gefunden und gesammelt. "Ich bringe die Straße lieber in die Galerie, als sie schöner zu machen", sagt Unai, der seit zwei Jahren in Berlin lebt. Eigentlich wollte er damals nur eine Woche bleiben. "Aber ich verpasste ein paar Flüge, traf ein paar Frauen und ich habe mich in den Regen und das schlechte Wetter verliebt", erklärt der Künstler, der in Prenzlauer Berg wohnt und am Südstern in Kreuzberg ein Atelier hat.

Die Installation namens "Ultimatium" ist sein bisher größtes Werk, präsentiert wird es von der Circleculture Gallery, über die gerade die New York Times berichtete. In einem Raum hängen Zeichnungen an einer Leine über einem Berg aus Kartons, in einem anderen Bilder, im größten Raum hat Unai die Wände bunt bemalt und ganz hinten wurde ein Schießstand aufgebaut. Herzstück ist aber ein Labyrinth, das einem Internierungslager nachempfunden ist. "Ich denke nicht nach, wie etwas werden soll, es entsteht einfach", sagt Unai.

Besichtigung: sonnabends 14-18 Uhr und auf Anfrage unter berlin@circleculture-gallery.com

Mittwoch, Februar 27, 2008

Wie weiter mit VEB Treffmodelle

In der taz schreibt Nina Apin über die Zukunft des Gebäudes in der Greifswalder Straße, das einst den VEB Treffmodelle und jetzt den Magnet-Klub beherbergte. Die Künstlerateliers mussten raus. Magnet hat vom neuen Eigentümer einen neuen Vertrag bekommen und darf bleiben.

Montag, November 05, 2007

Stasiakten auf dem internationalen Kunstmarkt

An einem trüben Herbsttag schlenderte ich mit einer befreundeten Ausstellungsmacherin über das diesjährige Art Forum Berlin. Durchquerte eine Koje nach der anderen, sah nervende Biskys tonnenweise bei der Galerie Crone, Gemischtwaren bei Eigen + Art und Unmengen Fotos. Landschaftsfotos, großformatige C-Prints oder Porträtfotos, kleinformatig, in schwarz-weiß. Meine Begleiterin blieb dann ungewöhnlich lange bei einer Galerie stehen.

Ich sah inzwischen eine weitere Ausstellungshalle durch und fand sie anschließend, noch immer bei der gleichen Galerie, interessiert in einem Katalog blätternd. Was gab es zu sehen? Bei dem Amsterdamer Aussteller „Ellen de Bruijne Projects“ hing eine Reihe gerahmter schwarz-weiß Aufnahmen mit der flüchtigen Ästhetik von Paparazzifotos.

Gekennzeichnet als BStU-Kopie erkannte ich auf den Observationsfotos der Staatssicherheit eine Gruppe nackter Menschen am FKK-Strand und auf einem anderen eine rauchende Frau in einem Zimmer, welche auch im Katalog des Artforums auf der Seite eben dieser Galerie anonymisiert abgedruckt wurde. Der Preis je Foto bei einer Auflage von 3 + 1 AP wurde mit 3.800 bis 5.000 Euro angegeben. Auf einem daneben hängendem Screen zeigte die Galerie Stasifilmaufnahmen eines öffentlichen Platzes. Die Arbeiten wurden der spanischen Künstlerin Dora Garcia zugeschrieben.

Dora Garcia Interesse an dem Thema wurde in Vorbereitung eines Projektes, das sie innerhalb des Blinky-Palermo - Stipendiums in Leipzig realisieren wollte, geweckt. Auf der Suche nach Wolfgang Hilbigs „Ich“ stieß sie im Netz zufällig auf den Artikel „Loyal Dissidents and Stasi Poets“ und fand das dies nun spannend genug wäre, um es künstlerisch zu verarbeiten, so sie selbst in einem Interview mit Julia Schäfer von der GfzK in Leipzig.

Im Zuge der geplanten Ausstellung in der Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig arbeitete sie eng mit Julia Schäfer zusammen und erhielt Fotos und Filmaufnahmen aus dem Archiv der BStU. Garcia entwickelte eine fiktive Geschichte und brachte diese mit Leipziger Schauspielern zur Umsetzung. Daraus ging der Film "Zimmer, Gespräche", der auch der Titel ihrer Ausstellung und des dazugehörigen Kataloges in Leipzig war, hervor. Anhand von originalen Mitschnitten und Dokumenten hat Dora García in einer Wohnung Dialoge zwischen einem Stasiführungsoffizier und einem IM inszeniert. Der Film wurde in der Ausstellung von mehreren Stasi-Videos und Stasi-Fotos begleitet. Die Videos "window", "car", "walking man", "couple" oder "house" zeigen den Alltag verschiedener Menschen. Wie sie ihr Wohnhaus verlassen, wie sie ihr Auto waschen, wie sie sich auf der Straße bewegen.

García hatte die zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellten Überwachungsvideos, Filme, Fotos und das Lehrmaterial der Stasi gesichtet und bezog diese in ihre eigene künstlerische Arbeit. So sieht man in dem Ausstellungskatalog auf einigen Seiten BStU- Fotos von Punks, die erkennungsdienstlich behandelt wurden. Und auch die oben erwähnte Porträtaufnahme einer Frau. Diese heißt dann Smoking Lady, end of the seventies. Es handelt sich bei dieser Frau um Tina Krone, Mitgründerin des Neuen Forums und leitende Mitarbeiterin der Robert-Havemann-Gesellschaft Berlin. Die Punks sind aus Erfurt und heißen CD Spinne, OT…. usw. Keine dieser Personen wusste etwas von ihrer künstlerischen Vermarktung oder wurde namentlich erwähnt.

Auf der Veranstaltung von Zimmer, Gespräche zu Konspirative Wohnungen im Rahmen der Ausstellung „ Konspirative Wohnungen / Conspiracy Dwellings“ im Kunsthaus Erfurt am 24. Oktober darauf von der Geschäftsführerin Monique Förster im Beisein der Presse angesprochen, erklärt Dora Garcia wahrheitswidrig sowohl einen Vertrag mit der BStU , der diese Vorgehensweise stützt, als auch die Einwilligung der Betroffenen erhalten zu haben. Unabhängig davon sei es mit der Fotoauswahl und der Rahmung der Abzüge zu ihrer künstlerischen Arbeit geworden.

In Fachkreisen murrt es immer lauter und so war nicht verwunderlich, dass bei der Tagung „Vergangenheit in der Gegenwart. Gesellschaftlicher Diskurs zum Umgang mit Diktaturgeschichte in Europa“ bei der Stiftung Genshagen, am 26. Oktober, wo Garcia ins Podium geladen war, einige der Beteiligten schon im Bilde waren. Schnell wechselte die Diskussion vom geplanten Thema „Freiheit und Diktatur im Film“ zu den Fotos von Dora Garcia. Bemerkenswerterweise wurde einen Tag vorher das auf der Internetseite ihrer Galerie veröffentlichte Foto der rauchenden Frau entfernt. Auf dem Podium jedoch rechtfertigte sie die Vermarktung und wiederholte ihre These von der Freiheit der Kunst. Die anwesende Marianne Birthler wies dies energisch zurück und kündigte rechtliche Schritte an. Ihre Justiziare haben den Fall auf den Tisch.

Gewöhnten wir uns schon an die Vermarktung von Fahndungsfotos der RAF-Mitglieder der ersten Generation in allen Arten, ist der Verkauf von Stasifotos in den letzten 17 Jahren nur im Zusammenhang mit „Enthüllungen“ in großen deutschen Magazinen und Fernsehbeiträgen bekannt geworden. Eine alte, nicht beantwortete Frage aus Zeiten der Stasizentralenbesetzungen lautete: Wem gehören die Akten? Den Betroffenen, dem Staat oder dem Markt.

natter | 04.11.07 21:06 | Ost:blog