Freitag, Oktober 07, 2005

Post von Karstadt Quelle

Sehr geehrte Dame oder Herr,

haben Sie vielen Dank für Ihr Schreiben. Wie ich Ihren Zeilen entnehmen kann, sind Sie bzgl. der Entwicklungen im Fall Spectrum/ Shariyar und in Bangladesh durch die CCC nicht auf den neuesten Stand gebracht worden. Das ist umso bedauerlicher, als dass ich der Kampagne und ihren Trägerorganisationen die Reiseberichte jeweils umgehend zur Verfügung gestellt habe und auch sonst mit ihr kommuniziere,  und darüber hinaus am 18.7.05 das in Ihrem Brief erwähnte Gespräch mit unserem zuständigen Vorstand stattgefunden hat.

Es haben innerhalb der letzten Monate bereits drei Delegationsreisen mit Vertretern von der BSCI und einiger derer Mitgliedsunternehmen (Inditex, Cotton Group, KarstadtQuelle), einer Vertreterin von GAP (ETI- Mitglied), und dem Vorsitzenden der ITGLWF (Welttextilgewerkschaft) stattgefunden, und zwar Anfang Juni und Ende Juni/ Anfang Juli und Mitte September. Bei allen Reisen haben wir mit allen relevanten Stakeholdern - Exportverbände BGMEA und BKMEA, Regierung, Gewerkschaften, NGO's, aber auch mit vielen Opfern und mit dem Fabrikbesitzer - in Bangladesh Gespräche geführt und Massnahmen initiiert. Die Gespräche fanden auf hohem Level statt, d.h. in der Regel mit den Ministern und Präsidenten der jeweiligen Organisationen. Teilweise berichtet die CCC hierüber ja auch.

Zu Ihren Forderungen:

1. Wir haben bereits im Juni mit dem Fabrikbesitzer gesprochen und ihn aufgefordert, die ausstehenden Zahlungen zu leisten. Dies ist bereits bis Mitte Juli erfolgt.

2. Mit Hilfe von BGMEA und des Fabrikbesitzers wurde bereits vor drei Monaten Sorge dafür getragen, dass alle Arbeiter/ Innen, die noch keine Arbeit gefunden haben, in anderen Fabriken untergebracht werden. Wir haben keine Hinweise darauf, dass es noch Arbeiter/ innen ohne neue Stelle gibt, zumal sich das Unglück in der Hauptsaison ereignet hat und viele Arbeiter sofort in anderen Fabriken untergekommen sind.

3. Eine unserer Forderungen in BD war die Etablierung eines Nationalen Forums zum Thema Implementierung und Sicherstellung von Sozialstandards in der Textilindustrie. Dieses Forum, das alle relevanten Stakeholder umfasst und sich unter der Führung des Handelsministeriums befindet, ist Ende Juli ins Leben gerufen worden. Eine Monitoring Cell befasst sich mit der Ausarbeitung eines konkreten Massnahmenplans. Wir sind in Kontakt mit dem Handelsminister und auch dem zuständigen Koordinator der MC und begleiten diesen Prozess aktiv. KarstadtQuelle nimmt darüber hinaus in Wahrnehmung der BSCI- Interessen an den Sitzungen der MC teil.

4. KarstadtQuelle befindet sich - gemeinsam mit den anderen Stakeholdern - in einem ständigen Prozess, Strategien und Prozeduren zu überprüfen und weiterzuentwickeln, um eine noch nachhaltigere Verbesserung in den Fabriken zu erreichen. Wir werden diesen Prozess auch zukünftig aktiv und energisch vorantreiben.

5. Die Bedenken der NGWF richten sich vor allem auf die Qualität und die Effizienz der durchgeführten Audits. Alle Lieferanten von KarstadtQuelle in Bangladesh befinden sich derzeit in der Auditierungs- und Qualifizierungsphase. Vor Abschluss dieses Prozesses können und wollen wir die Liste der Lieferanten nicht an die Gewerkschaft übergeben. Dies ist ohne Einverständnis der Lieferanten auch rechtlich nicht möglich.

Dass Entschädigungszahlungen auf Grundlage des zu erwartenden Einkommensausfalls im gesamten Berufsleben der ArbeiterInnen berechnet werden müssen, sieht die bengalische Rechtssprechung nicht vor. Auch ist die gesetzlich vorgeschriebene Kompensation für den Todesfall/ Invaliditätsfall völlig unzureichend. Aus diesem Grund haben wir die Gründung des Hilfsfonds beschlossen. Die Bedingungen hierfür sind jedoch vielfältig und müssen durch Unternehmensberater und Rechtsanwälte geklärt werden.

Ich hoffe, dass diese Informationen Ihnen einen Eindruck von den Entwicklungen der letzten Wochen geben. Lassen Sie mich hervorheben, dass insbesondere in Bangladesh eine Bewegung unter Beteiligung aller Stakeholder entstanden ist, die die systematische und konsequente Verbesserung der Sozialstandards in der Textilindustrie zum Ziel hat. Allein die Gründung eines National Forums kann schon als immenser Fortschritt und als erster Erfolg gewertet werden. Wir alle sollten diesen Prozess fördern und unterstützen.

Mit freundlichen Grüssen

Maren Böhm

Leiterin Gesellschaftspolitik
KarstadtQuelle AG

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